▷ Ältere Notfallpatienten qualifiziert versorgen

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Berlin (ots) – Notaufnahmen in Krankenhäusern sind Anlaufstellen für Menschen, die in einer akuten gesundheitlichen Notsituation sind. Steigende Patientenzahlen in den letzten Jahren sorgen dafür, dass Zeit und Aufmerksamkeit für die Hilfesuchenden knapp sind. Dies trifft vor allem die besonders schutzbedürftigen Patientengruppen, wie die mehr als 4 Millionen Notfallpatienten über 65 Jahren, die jedes Jahr in deutschen Notaufnahmen versorgt werden. Ein Drittel aller Notfallpatienten ist über 70 Jahre alt. Ein großer Teil der besonders betreuungsbedürftigen älteren Notfallpatienten wird in evangelischen Krankenhäusern versorgt. Um diese Patientengruppe bedarfsgerecht versorgen zu können, fordert der Deutsche Evangelische Krankenhausverband e.V. (DEKV) eine Verbesserung der Rahmenbedingungen bei Struktur, Finanzierung, Forschung und Weiterbildung für die Notaufnahmen.

Bedarfsgerechte Versorgung älterer Notfallpatienten sichern

Überdurchschnittlich oft kommen ältere Patienten in die Notaufnahmen. Bei dieser Patientengruppe benötigt das gesamte Notaufnahmeteam aber mehr Aufmerksamkeit und Zeit für eine gute Koordination und eine intensive Betreuung. „Die Kommunikation mit den Patienten ist durch kognitive Einschränkungen und ein reduziertes Hörvermögen häufig erschwert. Dabei liegen oft komplexe Krankheitsbilder vor, die sicher abgeklärt werden müssen“, weiß Martin Pin, Präsident der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin e.V. (DGINA). „Häufig ist bei älteren Patienten zusätzliche Diagnostik und besondere pflegerische Betreuung nötig, die Ressourcen bindet.“ Besonders anspruchsvoll für das Behandlungsteam sind Demenzpatienten. Eine konkrete Gefahr für diese Patientengruppe kann das sogenannte Delir darstellen. Dieser Verwirrtheitszustand kann vermehrt im Notfall und bei akuten Erkrankungen auftreten. Unbedingt muss das Delir vermieden bzw. frühzeitig erkannt und behandelt werden.

„Für die fachgerechte Behandlung ist es wichtig, den individuellen Patienten möglichst genau einschätzen und die benötigten Ressourcen des Teams bedarfsgerecht zuteilen zu können. Nicht zuletzt aufgrund der steigenden Anzahl an älteren Menschen brauchen wir dafür die Entwicklung und Einführung validierter Instrumente zur altersabhängigen Risikostratifizierung in der Notfallversorgung“, fordert Pin.

Ältere Patienten brauchen besondere Aufmerksamkeit

„Eine bedarfsgerechte und patientenzentrierte Versorgung älterer Notfallpatienten ist unseren Mitgliedern ein wichtiges Anliegen“, erklärt Christoph Radbruch, Vorsitzender des DEKV. „Damit die evangelischen Krankenhäuser dies leisten können, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Die Strukturen und ihre solide Finanzierung der Notaufnahmen müssen die Bedarfe älterer Notfallpatienten besser abbilden, um den Mehraufwand für das Krankenhaus leistbar zu machen“, führt Radbruch weiter aus.

Der DEKV und die DGINA fordern deshalb:

1. Strukturen und Prozesse in den Notaufnahmen müssen angepasst und 
sachgerecht finanziert werden. 
2. Die geriatrische beziehungsweise gerontopsychiatrische 
Kompetenzentwicklung aller Mitglieder im Behandlungsteam muss 
gesichert und refinanziert werden. 
3. Um den Mehraufwand bei der Betreuung alter Notfallpatienten 
auszugleichen, reicht der geplante Notfallstufenzuschlag nicht aus. 
Er muss um einen altersstratifizierten Zuschlag ergänzt werden. 
4. Das DRG-System muss so angepasst werden, dass der erhöhte Aufwand 
in der Notaufnahme aufgrund der komplexen Krankheitsbilder über ein 
Zusatzentgelt erstattungsfähig ist. 
5. Darüber hinaus braucht die Versorgung älterer Notfallpatienten 
Mittel zur Erforschung guter Instrumente zur Risikostratifizierung 
sowie für die Versorgungsforschung. 

Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband e.V. (DEKV) vertritt mit 201 evangelischen Kliniken an über 270 Standorten jedes achte deutsche Krankenhaus. Die evangelischen Krankenhäuser versorgen jährlich mehr als 2,5 Mio. Patientinnen und Patienten stationär und mehr als 3 Mio. ambulant. Mit über 120.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 10 Mrd. EUR sind sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der DEKV ist Branchenverband der evangelischen Krankenhäuser und Mitglied im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. Der DEKV setzt sich insbesondere für eine zukunftsorientierte und innovative Krankenhauspolitik mit Trägervielfalt, verlässliche Rahmenbedingungen für die Krankenhausfinanzierung, eine Modernisierung der Gesundheitsberufe und für eine zukunftsorientierte konsequente Patientenorientierung in der Versorgung ein. Vorsitzender: Vorsteher Christoph Radbruch, Magdeburg, stellvertr. Vorsitzende: Andrea Trenner, Berlin, Schatzmeister: Dr. Holger Stiller, Düsseldorf, Verbandsdirektorin: Melanie Kanzler, Berlin.

Die Deutsche Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) ist eine medizinische Fachgesellschaft, die sich insbesondere für die Weiterentwicklung der Notfallmedizin und -pflege einsetzt. Sie sieht die Notfallmedizin als eine klinische Disziplin, die hauptsächlich in den Notaufnahmen betrieben wird, aber auch die präklinische Notfall-, die Katastrophen- und die Akutmedizin umfasst. Vereinsziele sind vor allem die Verbesserung der notfallmedizinischen Versorgung für Patienten und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der in der Notfallmedizin Tätigen. Zudem verfolgt die DGINA die Umsetzung des europäischen Ausbildungscurriculums für Notfallmedizin und strebt die Gebietsbezeichnung »Notfallmedizin« auch in Deutschland an.

Präsident: Martin Pin 
Vizepräsident: Dipl.-Med. R. Schäfer 
Vizepräsidentin: M. Dietz-Wittstock M.Sc. 
Vizepräsident: Prof. Dr. med. C. Wrede 
Schatzmeister: Dr. med. Daniel Kiefl 

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Barbara Kluge | Eupener Straße 60, 50933 Köln
E-Mail: barbara.kluge@medizin-pr.de | Tel.: 0221 / 77543-0

Melanie Kanzler | Verbandsdirektorin
E-Mail: kanzler@dekv.de | Tel.: 030 80 19 86-11

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Original Quelle Presseportal.de

Bilder „Wir sind Wertheim“ , am Marktplatz ,11.September.2011