▷ BUND: Wir appellieren dringend an die Bundesregierung auf RWE einzuwirken, dass es …

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Berlin (ots) – Olaf Bandt, Geschäftsführer Politik und Kommunikation des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) über den Hambacher Wald, die BUND-Klagen in dem Zusammenhang und die geplante Groß-Demonstration.

Anmoderationsvorschlag: Die Waldspaziergänge für den Erhalt des Hambacher Waldes sind inzwischen so etwas wie eine Institution geworden. Jeden Sonntag treffen sich tausende Menschen und demonstrieren vor Ort für den Erhalt des Hambacher Waldes. Vergangene Woche waren es fast 10.000 Menschen und auch diese Woche werden wieder viele Demonstranten erwartet. Für den 6. Oktober rufen Umweltverbände außerdem zu einer Großdemonstration auf. Wir sprechen mit Olaf Bandt, dem Geschäftsführer des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) – einem der Organisatoren der Demo.

Erste Frage: Wie haben Sie den Waldspaziergang am vergangenen Sonntag erlebt?

O-Ton 1 (Olaf Bandt, 70 Sek.): Es waren fast 10.000 Menschen, die sich bei strömenden Regen aufgemacht hatten für diesen Waldspaziergang, und man merkte Ihnen eine große Trauer und Betroffenheit an, weil wenige Tage davor war es ja dazu gekommen, durch diesen Unglücksfall, dass einer, ein Journalist und ein Aktivist gleichzeitig, auf tragische Weise ums Leben gekommen war. Und allen war klar: Man kann jetzt nicht so weitermachen. Es war ein Waldspaziergang ohne Fahnen, ohne Transparente, eben in dieser Trauer und Betroffenheit. Dann war es aber auch so, es gab einen großen Mut und Entschlossenheit: Wir verhindern diese Rodung des Waldes. Wir schaffen das irgendwie, wir haben schon so viel geschafft, und das war bei allen zu spüren. Und drittens war es klar, die Menschen wollten in den Wald, wo die Polizei sie erst nur mit Widerständen reinlassen wollte, es gab Körperkontrollen, Durchsuchungen, Personalausweise sollten gezeigt werden, um in den Wald zu kommen. Und auch das haben wir dann geschafft, weil alle Menschen sehen wollten, wie ist es denn bisher gelungen, wie leben die Baumschützer in ihren Baumhäusern, wie ist es da gelungen diesen Wald so lange bisher zu schützen vor der Rodung.

Zweite Frage: Was treibt die Menschen an, auch bei Regen für den Hambacher Wald zu demonstrieren?

O-Ton 2 (Olaf Bandt, 34 Sek.): Wir hatten 2018 einen absoluten trockenen Hitzesommer. Es zeigt sich also tatsächlich: Der Klimawandel findet statt. Und in einer solchen Situation kann man überhaupt nicht verstehen – und das war deutlich auf diesem Waldspaziergang – dass man dann plötzlich noch wieder einen Wald roden will, mit Polizeieinsatz, während an anderer Stelle ja Waldbrände gelöscht werden und man versucht, absolut Wälder zu retten. Und das war sehr deutlich zu spüren, dass RWE überhaupt keine Akzeptanz mehr hat für das, was sie da aus wirtschaftlichen Gründen durchsetzen wollen.

Dritte Frage: Was ist der ökologische Wert des Waldes?

O-Ton 3 (Olaf Bandt, 54 Sek.): Der Hambacher Wald besteht in seiner Grundstruktur seit jetzt 12.000 Jahren. Wir haben dort noch Bäume stehen, die 300 Jahre alt sind, viele Vogelarten – 142 Vogelarten, zwölf Fledermausarten. Insbesondere die Bechstein-Fledermaus hat nur noch ganz, ganz wenige Brutgebiete in Europa in den Wäldern und deswegen ist sie streng geschützt nach Europäischem Recht. Diese Wohnhöhlen dürfen nicht zerstört werden, die Tiere dürfen nicht getötet werden. Und was man dort im Wald sieht ist: Die werden nummeriert die Bäume, wo diese Höhlen drin sind, und zum Teil wurden sie schon verschlossen, damit die da nicht mehr drin nisten, weil sich RWE vorstellt, dass man sie dadurch vertreibt in andere Wälder, und dann hinterher leichter zu roden ist. Das ist ein sehr bedrückender Zustand und deshalb kämpfen wir mit aller Kraft vor Gesetz und mit unseren Demonstrationen dafür, dass es zu dieser Rodung nicht kommt.

Vierte Frage: Warum setzt sich auch der BUND-Bundesverband so stark für den Wald ein?

O-Ton 4 (Olaf Bandt, 45 Sek.): Die Pariser Klimaziele sagen, dass wir bis 2050 komplett aus der Verbrennung von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen ausgestiegen sein müssen. Wenn wir das aber erreichen wollen bis dahin, müssen wir jetzt sehr schnell die Verbrennung von Braunkohle insbesondere zurückfahren. Und da ist Hambach ein zentraler Punkt. Das ist Europas größter Braunkohle-Tagebau und es ist sehr gut möglich sehr schnell die Verbrennung und den Abbau von Kohle dort zu reduzieren, weil es sind zum Teil alte, sehr alte Kohlekraftwerke, die man relativ schnell stilllegen kann. Und deswegen konzentrieren wir uns im Moment sehr stark auf den Hambacher Wald, weil dieser Wald ist zum absoluten Symbol gegen die verfehlte Klimapolitik der Bundesregierung geworden.

Fünfte Frage: Über die Zulässigkeit der Rodung wird aktuell wegen einer Klage des BUND vor dem Oberverwaltungsgericht Münster verhandelt. Auf Druck des Gerichtes hat RWE erklärt, nicht vor dem 14. Oktober mit den Rodungen zu beginnen. Gleichzeitig laufen noch andere Klagen. Wie ist der Stand?

O-Ton 5 (Olaf Bandt, 90 Sek.): Der BUND hat Klage gegen die Rodung des Waldes eingereicht und grundsätzlich gegen die Ausweitung des Tagebaus. Weil das, was da jetzt im Wald da ist, das sind so dermaßen einzigartige Naturschutzgebiete und Habitate für Vögel und Fledermäuse, dass die nach Europäischem Naturschutzrecht definitiv nicht zerstört werden dürfen. Das machen wir in einem Grundsatzverfahren, was 2019 wahrscheinlich verhandelt wird, und in einem Eilverfahren, wo wir jetzt wollen, vor Gericht erzielen wollen, dass dieser Wald nicht vorher gerodet wird. Weil es kann sein, dass die Grundsatzentscheidung erst 2019 fällt und dann schon der Wald gerodet wäre. Und das versuchen wir jetzt zu verhindern und ich vermute, dass diese Sache im Eilverfahren gegen die Rodung jetzt in diesem Jahr noch im Oktober entschieden wird. Wir klagen zusätzlich auch gegen die Enteignung eines BUND-Grundstückes, weil wir dort am Rande des Waldes vor vielen Jahren schon ein eigenes BUND-Schutzgrundstück gekauft haben, weil wir gesagt haben, wir wollen sicher sein, dass es nicht zu dieser Rodung kommt. Und da sagt jetzt die Landesregierung, die will uns enteignen als BUND, weil sozusagen öffentliche Interessen dem widerstehen, unserem Grundbesitzrecht, und da sagen wir: Es gibt im Moment keine öffentlichen Interessen an dieser Stelle weiter den Tagebau zu erweitern, weil wir sicher sind, dass nach der Kohle-Kommission deutlich wird, dass man diesen Tagebau nicht weiter erweitern müsste.

Sechste Frage: Wie geht es jetzt weiter?

O-Ton 6 (Olaf Bandt, 28 Sek.): Wir rufen für Samstag, den 6. Oktober, zu einer Großdemonstration am Hambacher Wald auf, weil es braucht jetzt ein starkes Zeichen der Zivilgesellschaft, dass es keinesfalls zu einer Räumung und Rodung des Waldes kommen darf. RWE muss sofort aufhören mit der weiteren Räumung des Waldes und auch die Landesregierung NRW muss sich dafür einsetzen, dass alle Maßnahmen am Wald in Hambach gestoppt werden, so dass die Kohle-Kommission der Bundesregierung in Ruhe verhandeln kann.

Siebte Frage: Was passiert, wenn RWE nach dem 14. Oktober rodet?

O-Ton 7 (Olaf Bandt, 49 Sek.): In Berlin tagt ja zeitgleich die Kohle-Kommission. Die soll einen gesellschaftlichen Kompromiss für das Auslaufen der Kohleverstromung in Deutschland erzielen und verhandeln. Wir Verbände, die in der Kohle-Kommission sitzen – BUND, Greenpeace, der Deutsche Naturschutzring – können uns nicht vorstellen, in einem Szenario weiter zu verhandeln, wenn gleichzeitig sozusagen in Hambach die Bäume gerodet werden würden. Weil in solch einer Kampfsituation kann man keine gesellschaftlichen Kompromisse schließen. Und deswegen darf es dazu gar nicht kommen, wir appellieren dringend an die Bundesregierung, auf RWE einzuwirken, dass es nicht zu dieser Rodung kommt und dass jetzt auch die jetzige Räumung schnell eingestellt wird.

Abmoderationsvorschlag: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bandt.

Pressekontakt:

Olaf Bandt, BUND-Geschäftsführer Politik und Kommunikation, Tel.:
030-27586-438, E-Mail: olaf.bandt@bund.net, bzw. Katrin Matthes,
BUND-Pressereferentin, Tel.: 030-27586-531; E-Mail: presse@bund.net,
www.bund.net

Am Sonntag wird beim Waldspaziergang vor Ort sein: Dirk Jansen,
Geschäftsführer BUND in Nordrhein-Westfalen, Mobil: 0172-2929733,
E-Mail: dirk.jansen@bund.net

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Original Quelle Presseportal.de

Bilder „Wir sind Wertheim“ , am Marktplatz ,11.September.2011