▷ Deloitte Pressemitteilung zur Studie „Zwischen Überversorgung und Überlebenskampf – …


25.03.2019 – 11:03

Deloitte

Düsseldorf/München (ots)

Perspektivwechsel und Digitalisierung schaffen Verbesserung der Versorgungsstruktur

   - Versorgungslage ist in Nordrhein-Westfalen insgesamt gut
   - Größere Krankenhäuser stehen unter höherem wirtschaftlichen 
     Druck
   - In Ballungsräumen ist der Wettbewerb höher als in der Region
   - Schwerpunktsetzung, Kooperation und Vernetzung zeigen Weg in die
     Zukunft 

Im Rahmen der Studienreihe „Regionale Gesundheitsversorgung“ beleuchtet Deloitte die Lage in Nordrhein-Westfalen (NRW). Im ersten Teil ging es um die Versorgung in Bayern. Die Reihe untersucht die bestehenden Strukturen und gibt Handlungsempfehlungen zur Optimierung und Sicherstellung einer flächendeckenden, qualitativ hochwertigen und wirtschaftlich effizienten Gesundheitsversorgung anhand konkreter Beispielregionen.

Als bevölkerungsreichstes Bundesland verfügt NRW über eine dichte und vielgestaltige Krankenhaus-Landschaft. Doch obwohl das Land eine in absoluten Zahlen erhebliche Bettendichte und -konzentration aufweist, zeigen sich deutliche Unterschiede in der Versorgungsdichte bzw. dem Leistungsangebot zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen.

Größere Häuser stehen unter höherem Druck

Starker Wettbewerb und eine hohe Versorgungsdichte sorgen trotz der großen Nachfrage in Ballungsräumen für eine schlechtere Wirtschaftlichkeit der größeren Krankenhäuser. Davon ausgehend, dass die größeren Krankenhäuser höhere Investitionsbedarfe für ihre Infrastruktur haben, ist der Druck gerade auf diese Häuser massiv.

Diese Ergebnisse hat die Studie exemplarisch anhand der Regionen Essen, Bonn und Münster inklusive Umgebung und den dazu gehörenden Versorgungs- und Wirtschaftlichkeitskennzahlen herausgearbeitet. Grundlage dafür ist die Analyse der Jahresabschlüsse von 145 Krankenhäusern aus den Jahren 2015 und 2016 sowie eine Reihe an sozioökonomischen Daten.

„Wie auch in anderen Bundesländern stehen die Krankenhäuser in NRW unter hohem Kostendruck. Hinzu kommt ein starker Wettbewerb in den Ballungsräumen. Die daraus entstehenden Spannungen können zu einem verschärften Überlebenskampf einzelner Häuser und damit insgesamt zu einer weiter zunehmenden Konsolidierungsbewegung führen. Diese könnte einerseits die derzeit hohe Angebots- und Trägervielfalt in den dicht besiedelten Gebieten beeinflussen und Doppelstrukturen reduzieren, andererseits schlimmstenfalls die Infrastruktur auf dem Land weiter ausdünnen“, erklärt Alexander Morton, Partner Advisory Services Health Care bei Deloitte.

NRW besticht durch eine insgesamt gute Versorgungslage

NRW verfügt über 344 Kliniken. Die Gesundheitsausgaben liegen mit 4.344 Euro pro Kopf im Bundesschnitt, die Krankenhausfälle etwas darüber. Gleiches gilt für die Zahl der Krankenhausbetten: Auf 10.000 Einwohner kommen 66 Betten, bundesweit sind es 60. Die hohe Zahl an Krankenhäusern und Betten spiegelt dabei vor allem die Situation in den Ballungsgebieten wider.

Die Erreichbarkeit von Krankenhäusern ist in ganz NRW grundsätzlich als überdurchschnittlich zu bewerten. Rund 98 Prozent der Bevölkerung erreichen einen Grundversorger mit dem Auto innerhalb von 15 Minuten. Hierbei handelt es sich allerdings um Durchschnittswerte. Daher sind je nach Region und Versorgungsdichte auch längere Fahrwege Realität.

Die unterschiedlichen Ausprägungen zwischen Ballungsraum und kreisfreien Städten bzw. schwächer besiedelten Gebieten können sich insbesondere im Bereich der Notfallversorgung als eine Herausforderung erweisen. Wie die beispielhaften Analysen der Regionen Bonn und Münster jedoch zeigen, bilden sich bereits heute überregionale Versorgungstrukturen sowie Patientenpfade von der lokalen Akutversorgung hin zu Regionen mit einer höheren Leistungsdichte.

Besondere Bedeutung in der Krankenhausversorgung haben die Unikliniken. Eine enorme Präsenz entfällt dabei auf die Ballungsgebiete mit einer entsprechend resultierenden Bettendichte. Hervorzuheben ist dabei, dass im Vergleich zu einem bundesdurchschnittlichen Uniklinikum, die Unikliniken NRWs weniger, jedoch deutlich schwerere Fälle behandeln und damit einen besonderen Versorgungsauftrag innerhalb der Spezialisierung bereits heute wahrnehmen.

Schwerpunktsetzung, Kooperation und Vernetzung zeigen Weg in die Zukunft

Für die drei im Detail untersuchten Regionen arbeitet die Studie mehrere Lösungsansätze sowie den notwendigen Handlungsrahmen zur Bewältigung der anstehenden Herausforderungen heraus. Die Autoren sehen die größten Veränderungshebel in den Ballungsgebieten. Die Studie findet jedoch auch Ansätze für ländliche Gebiete.

In Ballungsgebieten sollte eine klarere Schwerpunktbildung erfolgen. Hier bietet sich eine einrichtungs- und trägerübergreifende Vernetzung und Kooperation an. Die kleineren und mittelgroßen Häuser könnten koordiniert und im Netzwerk Schwerpunktaufgaben übernehmen. Große Kliniken könnten überregionale Versorgungsaufgaben abdecken und Exzellenzcluster beispielsweise in Hinblick auf komplexe Versorgung und Forschung herausbilden. Somit wären auch die Herausforderungen, die sich z.B. aus der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV) ergeben, besser zu bewältigen.

Neben der Digitalisierung kommt der intersektoralen Vernetzung eine zentrale Bedeutung zu. Sie steht auch im Fokus der aktuellen Entwicklungen in der Gesetzgebung, wie dem Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG).

„Insgesamt ist aber auch klar: Es kann in Hinblick auf die heterogene Versorgungslage in NRW nicht einen einzigen strategischen Ansatz bei der Lösungsfindung geben. Auf der anderen Seite bietet die Digitalisierung bei einem gleichzeitigen Perspektivwechsel die Voraussetzung für eine bessere Krankenhaus- und Patientenversorgung“, ergänzt Alexander Morton.

Die Studie können Sie hier herunterladen: http://ots.de/GSFFUl

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Original Quelle Presseportal.de

Bilder „Wir sind Wertheim“ , am Marktplatz ,11.September.2011