▷ Die Geburtshilfe in Deutschland braucht ein Umdenken

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Berlin (ots) – Hebammenverband fordert mehr Personal und neue Finanzierung

Der Deutsche Hebammenverband e. V. (DHV) veröffentlicht aktuell zehn Maßnahmen für eine Verbesserung der aktuellen Schieflage in Deutschlands Kreißsälen. Kern der Forderungen sind der Erhalt einer flächendeckenden Geburtshilfe in Deutschland und eine gute Versorgung rund um die Geburt von jeweils einer Hebamme für eine Frau – die Eins-zu-eins-Betreuung. Im Ausschuss für Gesundheit des Deutschen Bundestags wird morgen im Rahmen der Anhörung zum Pflegepersonalstärkungsgesetz (PPSG) auch die Arbeitssituation von Hebammen in Kliniken thematisiert. Der DHV fordert, dass die vorgesehenen Verbesserungen für die Pflege im Krankenhaus auch auf die Geburtshilfe übertragen werden. Der Bundesrat hat sich ohne Gegenstimme diesen Forderungen angeschlossen und um eine Berücksichtigung der Geburtshilfe im weiteren Gesetzgebungsverfahren gebeten. Die Bundesregierung hat zugesagt dies zu prüfen. Wie in der Pflege sollte künftig jede zusätzliche Hebammenstelle, jede Aufstockung auf Vollzeit sowie jede Tarifsteigerung vollständig refinanziert werden. Ebenso muss die Geburtshilfe in das langfristige neue Finanzierungkonzept ab 2020 einbezogen werden.

„Wir benötigen eine gute und sichere Geburtshilfe für Mutter und Kind und bessere Arbeitsbedingungen für Hebammen in den Klinken“, betont Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des Deutschen Hebammenverbandes e. V. „Die Aufnahme von Hebammen in die geplanten Verbesserungen für die Pflege wäre ein guter Schritt hin zu besseren Arbeitsbedingungen.“ Deutschlandweit gibt es eine immer schwierigere Situation in Kreißsälen. Hebammen stehen vor denselben Herausforderungen wie die Pflege insgesamt. Bei steigenden Geburtenzahlen hat aktuell fast jede zweite Klinik mit Geburtshilfe Probleme offene Hebammenstellen zu besetzen. Hebammen in Deutschland betreuen aktuell bereits mehr als doppelt so viele Frauen unter der Geburt wie in anderen europäischen Ländern. Darunter leidet die Versorgung für Mutter und Kind rund um die Geburt.

Eine flächendeckende Versorgung mit guter und sicherer Geburtshilfe ist nach Auffassung des DHV in Deutschland vor allem dann möglich, wenn die Finanzierung der klinischen Geburtshilfe nachhaltig gesichert ist und der Arbeitsplatz Klinik für Hebammen wieder attraktiver wird. Dafür sind strukturelle Veränderungen notwendig.

Der Deutsche Hebammenverband schlägt dafür folgende weitergehende 
Maßnahmen vor:
1. Schwangere und Gebärende müssen flächendeckend eine sichere und 
frauenzentrierte geburtshilfliche Versorgung vorfinden.
2. Vorhaltekosten der Geburtshilfe sollten berücksichtigt werden: 
Auch wenn keine Geburt stattfindet, muss der Kreißsaal mit Personal 
besetzt sein.
3. Für die Patientensicherheit von Mutter und Kind ist die 
international übliche sogenannte Eins-zu-eins-Betreuung einzuführen.
4. Die räumliche Situation in den Kreißsälen ist dem tatsächlichen 
Bedarf anzupassen.
5. Die physiologische Geburt muss in Kliniken gefördert werden. 
6. Zusätzliche geburtshilfliche Notfallambulanzen bzw. ein 
geburtshilflich-gynäkologischer kassenärztlicher Notdienst sollen 
eingerichtet werden. 
7. Alle durch Hebammen erbrachten Leistungen müssen vergütet und 
berufsfremde Tätigkeiten vermieden werden. 
8. Hebammenpotenziale sollen genutzt und neue Arbeitsplatzmodelle 
geschaffen werden. 
9. Hebammen sollen in leitende Tätigkeiten: Hebammen haben eine 
Schlüsselfunktion für die Gesundheit von Mutter und Kind. Das muss in
den Organisationsstrukturen und Leitungsfunktionen einer Klinik 
gespiegelt werden. 
10. In allen Kliniken muss ein interprofessionelles und nachhaltiges 
Fehlermanagement in der Geburtshilfe umgesetzt werden. 

Das Zehn-Punkte-Papier „Geburtshilfliche Versorgung in den Kliniken flächendeckend sicherstellen, Hebammenpotenziale nutzen!“ sowie eine Stellungnahme des DHV zur Anhörung im Gesundheitsausschuss im Deutschen Bundestag finden Sie unter www.hebammenverband.de/standpunkte/verband-und-berufspolitik/

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Bilder „Wir sind Wertheim“ , am Marktplatz ,11.September.2011