▷ Kauder: Indien muss handeln


Berlin (ots) – Zehn Jahre nach blutigen Ausschreitungen gegen Christen im indischen Bundesstaat Orissa stehen Aufarbeitung und Gerechtigkeit für die Opfer aus

Vor zehn Jahren, am 25. August 2008, kam es zu der bis heute größten Welle der Gewalt gegen Christen in Indien. Hierzu erklärt der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Volker Kauder:

„Zehn Jahre nach der schrecklichen Welle der Gewalt gegen die aus den ärmsten Bevölkerungsschichten stammenden Christen im indischen Bundesstaat Orissa warten die Opfer noch immer auf Gerechtigkeit oder eine Entschädigung für ihre Leiden und ihre Verluste. Während Verfahren gegen Verantwortliche eingestellt wurden, sind sieben willkürlich verhaftete Christen noch immer in Haft.

Ich habe Khandamal bereits zweimal besucht, um mich dort über die Not der Christen zu informieren. Die hier herrschende Ungerechtigkeit, die auch das indische oberste Gericht verurteilt hat, können wir nicht dulden. Ich werde bei der indischen Botschaft in Berlin als auch bei der indischen Regierung vorstellig werden und mich für die Opfer der Gewalt einsetzen.

Die von Hindu-Nationalisten ausgeübten, pogromartigen Ausschreitungen gegen die Christen in der Khandamal-Region im indischen Bundesstaat Orissa, die am 25. August 2008, vor genau zehn Jahren entfesselt wurden, sind bis jetzt nicht abschließend aufgearbeitet oder gesühnt. Nach Berichten der Betroffenen kam es zu mehr als 100 Morden an Christen, 393 Kirchen und Kultstätten der Christen sowie 6.500 Häuser wurden zerstört und vielfach dem Erdboden gleichgemacht. Mehr als 56.000 Menschen mussten aus der Region fliehen und können bis heute nicht in ihre Heimatorte zurückkehren. Die Christen des Staates Orissa, die vielfach der untersten Kaste der indischen Gesellschaft oder der Gruppe der benachteiligten Ureinwohner des Subkontinents, den Adivasi angehören, lebten schon vor den Ausschreitungen am Rande der Armut.

Auch nach einem Richterspruch des obersten Indischen Gerichts im Jahr 2016, der den Bundesstaat Orissa zu einer Wiederaufnahme von 315 eingestellten Ermittlungsverfahren gegen die Urheber der Gewalttaten und angemessenen Entschädigungsleistungen verpflichtet hatte, ist bisher nur eine minimale Wiedergutmachung erfolgt. Viele Beschwerden wurden gar nicht erst von Gerichten angenommen, und die wenigsten sind bisher abschließend geregelt. Angeklagte Gewalttäter wurden vielfach freigesprochen, gleichzeitig sind sieben Christen, die aufgrund einer falschen Anklage im Zuge der Gewalttaten verhaftet wurden, noch immer in Haft.“

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Bilder „Wir sind Wertheim“ , am Marktplatz ,11.September.2011