▷ Zusatzförderung von Berliner Schulen in schwieriger Lage setzt Impulse für die …

tvjoern / Pixabay


Frankfurt am Main / Berlin (ots) – Seit 2014 stattet das Bonus-Programm Berliner Schulen mit einer hohen sozialen Belastung mit zusätzlichen Finanzmitteln aus. Ziel ist es, die Bildungschancen der dort unterrichteten Kinder zu verbessern. Jetzt liegt der zweite Bericht der begleitenden wissenschaftlichen Evaluation vor – mit einem differenzierten Ergebnis: Die Schulen betrachten das Programm als wichtigen Baustein für ihre Weiterentwicklung. Zudem hätten sich Motivation, Innovationsbereitschaft und Sozialverhalten an den Einrichtungen verbessert, so die Einschätzung. Keine signifikanten Fortschritte zeigen sich aber bislang bei den Lernleistungen, der Schulabbrecherquote und den Gymnasialempfehlungen.

Umgesetzt wurde die Evaluation vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF). Seit dem Programmstart führten die Forscherinnen und Forscher mehrere umfangreiche Befragungen der Schulleitungen sowie der Lehrkräfte der beteiligten Schulen durch. Darüber hinaus werteten sie Daten der allgemeinen Schulstatistik aus. Dabei verglichen sie die Zahlen von beteiligten und nicht beteiligten Einrichtungen. Der jetzt veröffentlichte zweite Bericht richtet ein besonderes Augenmerk auf die Wirkungen des Programms. Erstautorin Dr. Susanne Böse vom DIPF zieht folgendes Fazit: „Das Bonus-Programm erleichtert die Arbeit von Schulen in herausfordernder Lage an vielen Stellen. Es eröffnet neue Möglichkeiten, den jeweiligen Problemen zu begegnen. Zugleich hat sich der robuste Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg bislang nicht grundlegend verändert. Angesichts der kurzen Zeit seit Inkrafttreten des Programms war dies aber auch nicht unbedingt zu erwarten.“

Das Bonus-Programm des Landes Berlin ist 2014 mit insgesamt 220 Grundschulen und weiterführenden Schulen an den Start gegangen. Sie bildeten auch die Basis für die Evaluation. Für das Programm wurden sie nach dem Anteil ihrer Schülerinnen und Schüler ausgewählt, deren Eltern Sozialleistungen erhalten und daher von der Zuzahlung zu Lernmitteln befreit sind. Die jährliche Fördersumme kann pro Schule bis zu 100.000 Euro betragen. Die Summe enthält unter anderem einen erfolgsabhängigen Leistungsbonus, dem eine individuelle Zielvereinbarung zugrunde liegt. Die Schulen sind aber weitestgehend frei darin, mit welchen Maßnahmen sie ihre gesteckten Ziele erreichen wollen. Die geförderten Einrichtungen setzten unter anderem auf zusätzliche Sozialarbeit, Fortbildungen oder Kooperationen mit außerschulischen Partnern. Insgesamt soll das Programm dazu führen, dass sich die Bildungschancen der Schülerinnen und Schüler verbessern. Als explizite Ziele werden die Verringerung der Schulabbrecherquote und das Erreichen größerer schulischer Erfolge genannt.

Mehr Möglichkeiten für Lehrende und Lernende, aber noch kein größerer Bildungserfolg

Wie der Bericht zeigt, sehen sich die Schulen durch das Bonus-Programm für den Umgang mit den jeweiligen sozialen Problemlagen gestärkt. Fast 90 Prozent der Schulleitungen sind der Ansicht, dass das Programm „wirklich etwas bewirkt“ (40 Prozent starke, 50 Prozent leichte Zustimmung). Weitere Ergebnisse der Befragungen: An den geförderten Schulen ist jetzt neben den Lehrkräften mehr pädagogisches Personal tätig, die Kollegien sind offener für Innovationen und die Schulen kooperieren verstärkt mit externen Anbietern – zum Beispiel mit freien Trägern der Jugendhilfe. Außerdem, so die Einschätzung, hätten sich das Schulklima, die Außenwirkung der Schulen und das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler verbessert. Insgesamt ist die Mehrheit der Leiterinnen und Leiter davon überzeugt, dass das Programm die Schulentwicklungsarbeit vorangebracht hat. Das zeige sich an konkretisierten Zielen, optimierten Strukturen und nun umgesetzten Maßnahmen.

Positiv bewerten die Befragten auch, dass durch das Programm zusätzliche Lern- und Fördergelegenheiten entstanden sind und dass die Maßnahmen helfen, gezielter auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler einzugehen. Allerdings konnten die Lehrkräfte im Zuge des Programms bislang kaum spürbare Verbesserungen bei den Lernergebnissen ausmachen. Auch die unentschuldigten Fehltage und die Schulabbrüche sind an den teilnehmenden Schulen im Vergleich zu den nicht teilnehmenden Schulen nicht signifikant zurückgegangen. Nur bei den sozial besonders belasteten Schulen (mehr als 75 Prozent der Kinder von Zuzahlungen zu den Lernmitteln befreit) zeigt sich eine leicht positive Entwicklung. Unter anderem ist bei rund drei Viertel von ihnen die Abbrecherquote um mindestens zehn Prozent gesunken, wenngleich dieser Effekt nicht zwingend eine Folge des Bonus-Programms darstellen muss. Und was den Anteil der Empfehlungen für das Gymnasium angeht, können sich die am Bonus-Programm beteiligten Schulen in ihrer Entwicklung nicht von den weiteren Grundschulen abheben.

Abschließende Einordnung

Auch wenn damit noch keine „harten“ Zahlen darauf schließen lassen, dass sich herkunftsbezogene Ungleichheiten beim Bildungserfolg verringern, rät Dr. Böse zu Geduld: „Aus zahlreichen Forschungsarbeiten ist bekannt, dass Reformmaßnahmen im Bildungswesen Zeit benötigen. Große und schnelle Fortschritte stellen eher die Ausnahme dar.“ Sie weist zudem darauf hin, dass die Ergebnisse auch vor dem Hintergrund betrachtet werden müssen, dass soziale Ungleichheiten ein vielschichtiges und langfristiges Problemfeld darstellen und sich allein durch Maßnahmen innerhalb des Bildungssystems nur zu einem Teil reduzieren lassen.

Der Bericht wertet das Bonus-Programm als wichtigen Impuls, um die Schulen in ihrer schwierigen Lage zu unterstützen. Jetzt gelte es, die begonnene Schulentwicklungsarbeit weiter zu intensivieren und zu professionalisieren, etwa durch eine stärkere Vernetzung der Schulen. Zudem sei es wichtig, die Wirksamkeit der Maßnahmen kontinuierlich und datengestützt zu überprüfen.

Der gesamte zweite Ergebnisbericht der BONUS-Studie, der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation des Berliner Bonus-Programms, steht online zur Verfügung:

www.dipf.de/de/bonus-studie-zweiter-ergebnisbericht

Außer den Befunden zu den Wirkungen enthält der Bericht auch einen Überblick, wie die Lehrkräfte und Schulleitungen das Programm bewerten und seine Umsetzung einschätzen. Die BONUS-Studie wurde von Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie finanziert.

Kontakt zur Studie: 
Dr. Marko Neumann, +49 (0)30-293360-315, marko.neumann@dipf.de 
Dr. Susanne Böse,  +49 (0)30 293360-676, boese@dipf.de 

Über das DIPF:

Das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) mit Sitz in Frankfurt am Main und in Berlin trägt mit empirischer Bildungsforschung, digitaler Infrastruktur und gezieltem Wissenstransfer dazu bei, Herausforderungen im Bildungswesen zu bewältigen. Das von dem Leibniz-Institut erarbeitete und dokumentierte Wissen über Bildung unterstützt Wissenschaft, Politik und Praxis im Bildungsbereich – zum Nutzen der Gesellschaft.

Pressekontakt:

Philip Stirm, DIPF, +49 (0)69 24708-123, stirm@dipf.de, www.dipf.de

Original-Content von: Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), übermittelt durch news aktuell



Original Quelle Presseportal.de

Bilder „Wir sind Wertheim“ , am Marktplatz ,11.September.2011