Biodiversitätsprojekt „Erhalt regionaler Kernobstsorten im Raum Untermain/Spessart“ – Vermehrung seltener Sorten angelaufen

Apple Blossom Flower Bee Insect  - Thragor / Pixabay
Thragor / Pixabay

Würzburg (ruf) – Der Streuobstanbau wurde dieses Frühjahr ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Zahlreiche Akteure aus den Bereichen Naturschutz, Landschaftspflege sowie Obst- und Gartenbau engagieren sich für den Erhalt der Streuobstnutzungen. Die Regierung von Unterfranken finanziert und koordiniert dabei seit 2019 ein ganz besonderes Streuobstprojekt.

„Im Zentrum dieses Projekts stehen die Erfassung und Erhaltung der regionalen Obstsortenvielfalt – ein kulturelles Erbe, das ebenso einmalig wie gefährdet ist“, erklärt Christian Salomon, Biodiversitätsbeauftragter der Regierung von Unterfranken. „Der Erhalt der Sortenvielfalt ist eine Säule der Bayerischen Biodiversitätsstrategie. Die Wertschätzung und Nutzung alter Obstsorten soll zudem die naturschutzfachlich und landschaftlich so wertvollen Streuobstwiesen fördern.“

Rückgang von Obstwiesen und Obstsorten
Es ist kaum übersehbar: Viele Streuobstwiesen sind überaltert und ungepflegt. Laut Streuobstaktionsplan des Landschaftspflegeverbandes Aschaffenburg ist in den nächsten 20 Jahren mit einem Rückgang der Streuobstwiesen um gut ein Drittel zu rechnen. Parallel dazu, aber kaum beachtet, gehen auch die Sortenvielfalt und die Sortenkenntnis zurück.

Für das seit 2019 laufende Obstsortenprojekt im Landkreis Miltenberg sowie in Stadt und Landkreis Aschaffenburg stellt die Regierung von Unterfranken rund 140.000 € bereit – Sondermittel zur Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie. Die Schlaraffenburger Streuobstagentur mit ihren Experten Alexander Vorbeck und Steffen Kahl setzt das Projekt mit Unterstützung regionaler Streuobstpartner und im Austausch mit Deutschlands führenden Pomologen um.

Erfassung des Sortenspektrums
Schwerpunkt der ersten Projektphase war die Grundlagenerfassung – eine echte Pionierarbeit. Das Sortenspektrum der Region wurde durch Recherchen, Befragung von Gebietskennern und umfangreiche Kartierungen systematisch erfasst. Über 6.000 Obstbäume wurden nach Sorte, Alter und Pflegezustand untersucht, das regionale Namenswirrwarr der Obstsorten geordnet, Baumschulen und Sortengärten überprüft. Vorkommen bestimmter Regionalsorten wurden gezielt gesucht und eine Liste regionaltypischer Arten verfasst. 220 Apfel- und Birnensorten konnten so in der Region Untermain/Spessart bestätigt werden. Rund die Hälfte davon gilt als mehr oder weniger stark gefährdet. Im Extremfall – wie bei der Haferkrüpsbirne – wurde nur noch ein einziger Baum gefunden. Einige bekannte Sorten wie der Mönchberger Sämling blieben bislang ganz verschollen.

Wiedervermehrung begonnen
In der nun eingeleiteten zweiten Projektphase sollen Wissenslücken über das Sortenspektrum gezielt geschlossen werden, ausgewählte Sorten werden genetisch überprüft und pomologisch beschrieben. Besonders erhaltenswerte Sorten werden durch Pflege der Bäume in der Landschaft, durch Erhaltungskulturen und durch Vermehrung in Baumschulen gesichert. Auf dieser Grundlage sollen alte Regionalsorten wie Alzenauer Roter Rambur, Sodener Grüner, Trennfurter Renette oder Feigenbirne letztlich auch wieder stärker in die Landschaft gebracht werden.
Dieses Frühjahr wurden rund 500 Edelreiser von regionaltypischen Apfel- und Birnensorten geschnitten und zum Teil an interessierte Streuobstakteure und Baumschulen abgegeben. 200 Sämlingsunterlagen wurden aktuell mit diesen Sorten durch die Schlaraffenburger Streuobstagentur selbst veredelt und in Mömbris aufgeschult. In der kleinen privaten Baumschule von Alexander Vorbeck stehen bereits an die 300 kleine, frisch veredelte Obstbäumchen mit Sorten-Kostbarkeiten.

Vielfalt erhalten, Wissen weitergeben
Neben der Grundlagenforschung, den Erhaltungs- und Vermehrungsmaßnahmen steht auch die Information im Fokus des Biodiversitätsprojektes: In speziellen Sortengärten und Sammlungen sollen die dokumentierten Regional- und Lokalsorten für kommende Generation erhalten und zugänglich gemacht werden. Öffentlichkeitswirksame Aktionen wie kostenlose Obstbestimmungen hängen freilich von der COVID 19-Situation ab. Die Herausgabe einer Regionalsortenbroschüre und Empfehlungsliste sowie der Ausbau einer eigenen Homepage sind für 2022 geplant.

Es gibt also Grund zur Hoffnung, dass zumindest ein Teil der wertvolle Obstsortenvielfalt für kommende Generationen gesichert werden kann und das Biodiversitätsprojekt der Regierung von Unterfranken und der Schlaraffenburger Streuobstagentur zahlreiche Früchte trägt.

Hinweis: Die Grundlagenerfassung ist noch nicht abgeschlossen. Wer Standorte alter Regionalsorten aus der genannten Region kennt und das Projekt unterstützen möchte, kann seine Hinweise an steffen.kahl@schlaraffenburger.de schicken.

Quelle :Landkreis-Miltenberg.de

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