Die historische Vereinskultur der Wertheimer Liedertafel

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Vortrag zur Tauberfränkischen Musikgeschichte am 20. März

 

Sängerspruch, Vorlage: Stadtarchiv Wertheim StAWt-S V 29 Depositum Liedertafel Wertheim

 

Der nächste Vortrag aus der Reihe „Tauberfränkische Musikgeschichte(n)“ des Archivverbunds Main-Tauber folgt am Dienstag, 20. März, um 19.30 Uhr. Er präsentiert zugleich hochaktuelle Forschungen aus dem Archiv. Prof. Dr. Joachim Kremer und Frithjof Vollmer von der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HMDK) Stuttgart fragen nach dem Zusammenhang zwischen bürgerlichem Aufbruch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und Musikvereinskultur. Es geschieht am Beispiel der Wertheimer ‚Liedertafel‘ und nimmt insbesondere die Jahre zwischen 1825 und 1844 in den Blick. Das teilt der Archivverbund Main-Tauber mit.

Die tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Umbrüche zu Beginn des 19. Jahrhunderts bewirkten, dass sich auch die Träger der musikalischen Kultur neu formierten. Als Ausdruck „inkludierender Solidaritätsformen auf der Grundlage eines neuen Ideals staatsbürgerlicher Gleichheit“ (Jürgen Osterhammel 2009) kann das Vereinswesen gelten.

Schon 1825 wurde in Wertheim die Liedertafel „zur Beförderung und Uebung des deutschen Gesanges“ begründet. Trotz einer Periode wirtschaftlichen Missstandes und Auswanderungen nach Übersee (so Erich Langguth 2004) avancierte dieser älteste Männergesangsverein des Badischen Sängerbunds zu einer festen Größe der Musikkultur. Mit der Ausrichtung eines „großen Liederfestes“ im Jahre 1844 – zu dem über 600 Gäste aus ganz Deutschland anreisten – wurde Wertheim für eine kurze Zeit zu einem überregionalem Zentrum für den musikalischen Austausch.

Ausgehend von bisher nicht gesichteten Dokumenten zur Wertheimer Stadtgeschichte aus dem Stadtarchiv Wertheim umreißen Joachim Kremer und Frithjof Vollmer patriotische Tendenzen, das musikalische Programm sowie Herkunft und Status der Gäste des Musikfestes 1844, um der Frage einer bürgerlichen Identität in Wertheim dieser Zeit näherzukommen. Dabei zeigt sich, dass das bisher so viel beachtete erste nationale Musikfest in Würzburg (1845) eng mit dem Wertheimer Gesangfest von 1844 verbunden ist, heißt es in der Meldung weiter.

Der Vortrag wird in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein Wertheim und der Volkshochschule Wertheim veranstaltet. Er findet im Vortragssaal des Archivverbunds Main-Tauber in Bronnbach statt, der im oberen Wirtschaftshof des Klostergeländes hinter der Klosterkirche liegt.
Alle Interessierten sind eingeladen. Der Eintritt ist frei. Der Vortrag klingt wie üblich mit einem Umtrunk sowie der Einladung zum persönlichen Gespräch aus.

Die Referenten

Prof. Dr. Joachim Kremer studierte in Lübeck Musikerziehung/Schulmusik und in Kiel Musikwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte. Nach der Promotion 1993 in Kiel und der Habilitation 2001 an der Musikhochschule Hannover, ist er seit 2001 Professor für Musikwissenschaft an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HMDK) Stuttgart. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Musik des 15. bis 20. Jahrhunderts, vor allem unter sozial-, berufs- und regionalgeschichtlichen Fragestellungen.

Frithjof Vollmer wuchs in Weimar/Thüringen auf, studierte Kontrabass an der HMDK Stuttgart und an der University of Oregon. Seit Oktober 2016 studiert er Musikwissenschaft an der HMDK Stuttgart, Philosophie und Politikwissenschaften an der Universität Stuttgart sowie Master Kontrabass (ebenfalls HMDK Stuttgart). Er ist Preisträger und Finalist nationaler und internationaler Wettbewerbe für Kontrabass und seit 2013 Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung.

 

Quelle : Wertheim.de

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