Die Wertheimer Tauberbrücke im Wandel der Zeit – Info von Kurt Bauer zur Ausstellung

Kurt Bauer

Die Wertheimer Tauberbrücke im Wandel der Zeit.
Über Jahrhunderte hinweg war die Tauberbrücke die einzige feste Verbindung zwischen zwei Flussufern in der Residenzstadt Wertheim. Dabei stellte die Tauberbrücke ein wichtiges Verbindungsglied der Ost-West-Achse dar. Ursprünglich lief diese Fernstraße von der Eichler Steige kommend, damals noch verschiedene Stadttore passierend, weiter durch die Eichelgasse, den Marktplatz tangierend, durch die Brückengasse, wo sie am Brückentorturm die befestigte Altstadt verließ. Danach setzte sie über die Tauberbrücke den Weg in die Taubervorstadt fort, um nach der Hospitalgasse, diese durch das Miltenberger- oder Gottesackertor wieder zu verlassen und ihren Weg über die Vockenroter Steige in Richtung Westen fortzusetzen. Wertheim hat mindestens seit 1306 eine Tauberbrücke, wie man der Urkunde zur Stadtrechtverleihung nach Gelnhäuser Recht aus dem gleichen Jahr entnehmen kann.
Durch seine Lage an den beiden Flüssen Main und Tauber ist Wertheim für seine immer wiederkehrenden Hochwasser bis heute bekannt. Mehrmals fiel auch die Tauberbrücke diesen Naturereignissen zum Opfer. Bei sieben dokumentierten Brückenzerstörungen geschah dies in einem zeitlichen Abstand von vier bis hundertsiebenundsechzig Jahren. Eine der spektakulärsten Hochwasserkatastrophen war die von 1732. Damals wurden nicht nur die Tauberbrücke, sondern auch 32 Gebäude und Teile des Hospitals zerstört, und es waren auch Menschenleben zu beklagen. Doch nicht nur die Naturgewalten erforderten eine Erneuerung der Brücke, sondern auch der normale Verschleiß und die Materialalterung. So war 1776 der Zustand der Tauberbrücke mehr als bedenklich, und man musste bei weiter fortschreitenden Schäden die Brücke sperren. Um den Personen -und Wagenverkehr fortsetzen zu können, wurde eine entsprechende Fähre eingesetzt. Nach dem Einholen verschiedener Konstruktionsvorschläge und beträchtlichem Kompetenzgerangel innerhalb der Ämter und der fürstlichen und gräflichen Regierungen, kam der Vorschlag von Oberstleutnant Franz Ignaz Neumann, Sohn des berühmten Balthasar Neumann, zur Ausführung. Dieser hatte eine Brücke mit zwei Pfeilern bauen lassen, was allerdings bei einem Teil der Fürsten und Grafen auf Skepsis stieß. Fürchtete man doch bei einem Rückstau um die Hofhaltung. Nur wenige Jahre bestand diese gerade fertiggestellte Tauberbrücke, als es 1784 zu einer europaweiten Hochwasserkatastrophe kam. Mit 8,50 m stellt die Hochwassermarke dieses Ereignisses den höchsten jemals in Wertheim gemessenen Pegel dar. Es kam bei der Neumannschen Brücke zwar nicht zu dem befürchteten Rückstau, aber der hölzerne Überbau wurde von den Wassermassen fortgerissen.

 

Die nun errichtete Holzbrücke mit Dach und einem Pfeiler überstand zunächst den Bahnbau von 1868, aber auf Dauer erwies sie sich als Nadelöhr für den schweren Frachtverkehr per Fuhrwerk. Hierbei zeigte sich besonders das hölzerne Brückendach bei hohen Fuhren als Hindernis. Es kam dann 1873 zum Abriss. Das Holz des Oberbaus konnte man etwa 11 Jahre später an eine große Mannheimer Möbelschreinerei verkaufen.
Da mit der neu geplanten eisernen Brücke auch eine Drehung der Brückenachse notwendig wurde, musste auch das Centhaus, das bis dahin den
Eingang zur Brückengasse bildete, der Maßnahme weichen. Um die Verbindung zur Taubervorstadt aufrechtzuerhalten, errichtete man unterhalb der Baustelle eine Notbrücke. Ursprünglich wollte man mit der eisernen Gitterbrücke bis November 1873 fertig werden, doch starke Regenfälle im Juni und Probleme bei den Gründungsarbeiten für den neuen Flusspfeiler führten zu Verzögerungen, so dass man erst im April 1874 die Bauzeit als beendet ansehen konnte. Zu erwähnen wäre noch, dass Wertheim 1881 eine Eisenbahnbrücke über die Tauber erhielt und in Fortführung der Strecke eine weitere über den Main, die 1882 durch die erste Straßenbrücke über den Main ergänzt wurde.

Die Tauberbrücke von 1874 wurde 1934 durch eine neuzeitliche aus Stahl ersetzt, um dem stetig steigenden Kraftfahrzeugverkehr gerecht zu werden.
Das Brückengeländer hatte man mit dem Zeitgeist entsprechenden Symbolen versehen. Die Einweihung erfolgte am 28. Oktober des gleichen Jahres. Auch während dieser Bauarbeiten hatte man eine Behelfsbrücke zwischen dem Gebäude, in das vier Jahre später die Volksbank einzog, und dem Friseur Dietz errichtet. Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges wurden durch die deutsche Wehrmacht am Karsamstag, den 31. März, die Eisenbahnbrücken über Main und Tauber gesprengt. Die untere Tauberbrücke hatte man mit einer Sprengladung auf der Fahrbahn versehen, welche lediglich ein großes Loch in die Fahrbahn riss, dafür aber die Versorgungsleitungen unter der Brücke schwer beschädigte. Der Brückenpfeiler von 1873/74 wurde dabei kaum beschädigt und blieb bis Anfang 2016 erhalten. Eine Verbreiterung der Fahrbahn hatte man 1951 vorgenommen. Während dieser Baumaßnahme konnte die Brücke einspurig befahren werden.

Von der Tauberbrücke existieren bereits aus den 1860/70er Jahren sehr frühe Fotodokumente. Auf Postkarten kann man die Brücke und ihre Umgebung aus den verschiedensten Perspektiven finden. Durch zahlreiche Zeichnungen und Gemälde wurde auch durch die Künstler der Bedeutung der Tauberbrücke

Rechnung getragen.
Nun erwartet uns im Jahre 2016 wieder ein neues Brückenbauwerk, die
Arbeiten dazu sind bereits im Gange. Es soll eine moderne, schlanke
Tauberbrücke mit wieder einem Pfeiler werden.

© Kurt Bauer, März/April 2016

 

„Die Tauberbrücke im Wandel der Zeit“

Ausstellung verlängert bis Ende des Jahres

 

Großes Interesse findet nach wie vor die Kabinettausstellung „Brückenschlag – Die Wertheimer Tauberbrücke im Wandel der Zeit“ im Grafschaftsmuseum. Sie bleibt deshalb länger als ursprünglich geplant zu sehen. Bis Ende des Jahres wird Kurt Bauer, der die Präsentation zusammengestellt hat, noch mehrere öffentliche Führungen anbieten.

Die Ausstellung zeigt historische Fotos, Modelle, Zeichnungen und Gemälde mit Ansichten der Tauberbrücke einst und heute. Sie ist damit ein interessantes „Begleitprogramm“ zum aktuellen Neubau der Tauberbrücke in Wertheim.

Individuelle Führungstermine für Gruppen können unter Telefon 09342/301511 vereinbart werden.

Bildergalerie Abrissparty Tauberbrücke Wertheim + Video , 12.03.2016

Bildergalerie Baustelle Vollsperrung der Wertheimer Tauberbrücke