Greenpeace birgt Netze in Nordsee-Schutzgebiet – Kilometerlange Geisternetze fangen weiter

GREGOR / Pixabay Archivbild : GreenPeace Schiff
Minister Schmidt muss gegen Fischereimüll vorgehen
Greenpeace birgt Netze in Nordsee-Schutzgebiet
Hamburg, 13.5.2016 – Fischernetze mit einem Gesamtgewicht von mehr als einer Tonne hat Greenpeace gemeinsam mit Tauchern der niederländischen Organisation Ghost Fishing in der Nordsee geborgen.

Während der zehntägigen Aufräumaktion mit dem Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise befreiten die Meeresschützer einen Teil des Sylter Außenriffs von sogenannten Geisternetzen. Dies sind abgerissene oder entsorgte Fischernetze, die als Plastikmüll im Meer landen und dort zur Todesfalle für Fische und andere Meerestiere werden. Der EU-Verordnung, die Entsorgung und Bergung verloren gegangener Netze regelt, kommt Deutschland bisher nicht nach. „Fischereiminister Christian Schmidt darf nicht länger wegschauen: Geisternetze sind real und eine Bedrohung für das Meer. Es ist seine Aufgabe, unsere Meere davor zu schützen“, sagt Thilo Maack, Meeresexperte von Greenpeace.

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Laut EU-Verordnung ist es verboten, Fischereigerät im Meer zu entsorgen. Verloren gegangene Netze müssen gemeldet werden. Die Fischereibehörden sind dann für ihre Bergung verantwortlich. So sieht es die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) der EU vor, die auch für Deutschland rechtsverbindlich ist. Doch bisher wird dieser Teil der GFP in Deutschland nicht umgesetzt.

Kilometerlange Geisternetze fangen weiter

Bis zu 25.000 Fischernetze landen jährlich in europäischen Meeren, so eine Studie der Welternährungsorganisation (FAO). Sie reißen von Fischereischiffen los, gehen bei hohem Seegang über Bord oder werden absichtlich im Meer entsorgt. Mit fatalen Folgen: Über Jahrzehnte verenden in diesen zum Teil kilometerlangen Netzen weiter Fische und andere Meerestiere. Alleine in europäischen Meeren kommen laut FAO-Studie jährlich rund 1.250 Kilometer an Netzen dazu. Das entspricht fast der Entfernung von Hamburg nach Rom.

Plastiknetze brauchen bis zu 600 Jahre, bis sie sich zersetzen. Ihr Zerfall verringert jedoch nicht das Problem: Die Netze teilen sich in immer kleinere Stücke und belasten als sogenanntes Mikroplastik weiter den Lebensraum Meer. Meerestiere nehmen das Mikroplastik auf. So gelangt es in die Nahrungskette. „Das Meer ist keine Müllkippe. Gerade die Fischerei, deren Wirtschaft gesunde Meere braucht, sollte das wissen und danach handeln“, so Maack. Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen jährlich in die Meere. Etwa ein Zehntel davon, mehr als eine Million Tonnen, verursacht die Fischerei. Das entspricht etwa dem Gewicht von rund 5.000 ausgewachsenen Blauwalen.

 

greenpeace.de