In Wertheim soll es blühen, summen und schwirren – Erste Maßnahmen des Projekts „StadtGrün naturnah“

Lebensraum für Fauna und Flora schaffen ist Ziel des Projekts „StadtGrün naturnah“. In der Umweltabteilung der Stadtverwaltung ist dafür federführend Christoph Häfner zuständig. Foto: Stadt Wertheim

Erfolgreich hat sich die Stadt Wertheim letztes Jahr um die Teilnahme am Labeling-Verfahren „StadtGrün naturnah“ beworben. Als Kommune für biologische Vielfalt unterstützt sie damit Impulse für mehr Natur in der Stadt. In Wertheim soll es bunt blühen, summen und schwirren. Um die Biodiversität zu fördern und Lebensraum für Insekten zu schaffen, hat die Umweltabteilung der Stadtverwaltung erste Maßnahmen auf den Weg gebracht: Ausgewählte Grünflächen werden seltener gemäht und einzelne Beete mit heimischen Saatmischungen neu eingesät.

Federführend betreut wird das Projekt „StadtGrün naturnah“ in der Stadtverwaltung von Christoph Häfner. Er verstärkt seit Anfang des Jahres die Umweltabteilung des Rathauses. Als ökologische Anpassung des „Mahdregimes“ bezeichnet er den ersten Schwerpunkt der aktuellen Arbeit: „Wir überprüfen die städtischen Flächen auf mögliche Veränderungen im Turnus der Pflege, also der Mahd.“ Denn auf intensiv gemähten Flächen kommen weniger Insekten vor, weil sie hier keine Nahrung in Form von Blüten bzw. ihre Larven keine Fraßpflanzen finden. Eine höhere Artenvielfalt entwickelt sich schnell, wenn man die Fläche nur ein- bis zweimal mäht und im Idealfall das Mähgut erst nach dem Abtrocknen als Heu abräumt. „Insekten finden auf solchen Wiesen reichhaltige Nahrung, Vögel kommen um die Samen zu fressen und im Winter dienen die abgeblühten Stängel als Winterquartier für Insekten und deren Larven.“ So beschreibt Christoph Häfner den Effekt.

An ausgewählten Stellen im Stadtgebiet ist der veränderte Mähturnus bereits sichtbar. Ein Beispiel ist das nur in Abschnitten gemähte Tauberufer. Hier hat man bewusst Bestände mit blühenden Pflanzen stehen lassen, um Rückzugsorte für Tiere anzubieten. Als weiteres Beispiel nennt Häfner den Hirschgraben unterhalb der Burg. „Hier wurde im letzten Jahr regelmäßig gemäht, künftig soll die Mahd verringert werden“ Auch innerhalb des Burgareals wird nicht mehr alles gemäht. Die Ränder der Fußwege hält man weiterhin frei. „Aber in den restlichen Flächen darf die Natur blühen.“ Die Zahl der naturnahen Flächen will man in Abstimmung mit dem Bauhof Schritt für Schritt erhöhen und setzt dabei auch auf die Akzeptanz in der Bürgerschaft.

Zweiter Schwerpunkt des Projekts „StadtGrün naturnah“ ist die Neugestaltung bislang arbeitsintensiver und naturferner Beete. An der Ecke Vaitsgasse / Packhofstraße beispielsweise waren auf einer Grünfläche Rosen gepflanzt, die aber mehr schlecht als recht gediehen. Bei der Neuanlage kommen nun gebietsheimische Saatmischungen in den Boden, die dann in ein bis zwei Jahren der Fauna Lebensraum bieten. Weitere Beispiele dafür sind Grüninseln am Hiller-Parkplatz, am Busbahnhof und beim Hebewerk in der Bahnhofstraße.  „Die Entwicklung dieser Beete beobachten wir fortlaufend, um die Eignung der Saatmischung für den jeweiligen Standort einschätzen zu können,“ beschreibt Christoph Häfner die Arbeitsweise.

Die Saat geht auf: Ausgewählte Grünflächen in der Stadt werden naturnah angelegt, hier ein Beispiel in der Bahnhofstraße. Foto: Stadt Wertheim

Die Einbeziehung und Mitwirkung der Bürgerschaft ist beim Projekt “StadtGrün naturnah“ ausdrücklich erwünscht. Allerdings hat die Corona-Pandemie entsprechende Aktivitäten bisher ausgebremst. Beim Saatgutfestival im April beispielsweise wollten die Projektverantwortlichen Samentütchen für Blumenwiesen an die Besucherinnen und Besucher ausgeben, doch die Veranstaltung musste abgesagt werden. Die Tütchen werden nun, solange der Inhalt noch keimfähig ist, über die Ortsvorsteher an die Bürgerschaft verteilt.

Nach den Sommerferien planen Christoph Häfner und seine Kollegen einen Ideenwettbewerb unter Einbeziehung von Bürgerschaft, Kindergärten und Schulen. Dabei geht es um die Gestaltung von Schildern, die an ausgewählten Blühflächen den neuen Modus der Grünpflege erklären. Gesucht werden Slogans, die den Einsatz für biologische Vielfalt und naturnahe Lebensräume eingängig auf den Punkt bringen.
Quelle : Wertheim.de

Bildergalerie Abrissparty Tauberbrücke Wertheim + Video , 12.03.2016