Juliane Löffler über die Hintergründe ihrer Recherchen zu Bild und Springer: „Was ist es für eine Unternehmenskultur?“

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Bonn (ots)

Juliane Löffler über die Hintergründe ihrer Recherchen zu Bild und Springer: „Was ist es für eine Unternehmenskultur, in der derartige Missstände über Jahre möglich sind?“

Juliane Löffler hat mit ihren Recherchen für Ippen Investigativ maßgeblich dazu beigetragen, dass die Verfehlungen von Julian Reichelt an die Öffentlichkeit gekommen sind. Die Erzählung hinter dem ehemaligen Bild-Chef sei jedoch ungleich größer als der Fall selbst, sagt Löffler im exklusiven Interview mit dem journalist: „Was bisher wenig gefragt wurde: Welche Personen haben bei Springer dieses System von Machtmissbrauch wissentlich übersehen, es zugelassen oder sogar unterstützt? Was ist es für eine Unternehmenskultur, in der derartige Missstände über Jahre möglich sind?“

Springer werde selbst entscheiden, wie „ernsthaft und nachhaltig“ der Verlag den Fall aufarbeiten wolle, sagt Löffler im journalist-Interview. Es sei „erstaunlich“, dass Mathias Döpfner immer noch von „Hintermännern“ spreche, die angeblich das Vorgehen organisierten. „Meine Quellen haben sich entschieden, mit der Presse zu sprechen, weil sie selbst wollten, dass die Missstände aufgeklärt werden.“

In der Woche nach der Veröffentlichung war Juliane Löffler schockiert darüber, wie viele Nachrichten sie erreichten. „Da wurde mir noch einmal ganz klar: Missbrauch – nicht immer, aber meist gegen Frauen – ist in der Medienbranche, aber auch in vielen anderen Branchen so weit verbreitet, davon haben wir nur ansatzweise eine Vorstellung.“ In Deutschland sei über viele #MeToo-Vorwürfe verschiedener Branchen noch gar nicht berichtet worden, so Löffler. „Das zu verändern, ist auch Aufgabe von Medien.“

Dabei sei es die große Frage, „ob Medienhäuser Kapazitäten für Recherchen über jede Art von Machtmissbrauch und Ungerechtigkeiten bereitstellen und auch Journalist*innen dafür einstellen“. Noch heute höre sie von Kolleginnen und Kollegen, dass ihre Recherchen zu Missbrauchsthemen in den Verlagen kein Gehör finden.

 

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