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Kinder in Kindertagesstätten und Schulen nachhaltig, gesund und lecker zu ernähren, ist eine Herausforderung. Bei der Veranstaltung der Gesundheitsregion plus, „Lecker Schmecker! Nachhaltig gut essen in Kita und Schule“ bekamen die rund 100 Besucherinnen und Besucher im Elsenfelder Bürgerzentrum Antworten auf viele wichtige Fragen.

Als Kooperationspartner trugen das Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Kitzingen-Würzburg (Sachgebiet Gemeinschaftsverpflegung Unterfranken), das Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Karlstadt (Sachgebiet Ernährung und Haushaltsleistungen), die AOK Bayern (Direktion Aschaffenburg) und die BKK Akzo Nobel sowie das Julius-Echter-Gymnasium Elsenfeld wichtige Informationen durch Stände im Foyer bei. Diese waren während des gesamten Nachmittags gut besucht, zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit zu Gesprächen. Und wie toll nachhaltiges Essen schmecken kann, zeigte sich in der Pause, als die Mainsite Gerichte servierte. „Wenn man immer so gut und abwechslungsreich vegetarisch essen kann, vermisst man Fleisch gar nicht mehr“, kommentierte eine Besucherin.

Damit so etwas in Kitas und Schulen umgesetzt werden kann, müssten Sachaufwandsträger, Personal sowie Eltern mit ins Boot geholt werden, stellte Günther Oettinger fest, der Landrat Jens Marco Scherf vertrat. Diese Rückendeckung sei notwendig, damit Kitas und Schulen ihre Verantwortung für die Gesundheit der Kinder wahrnehmen könnten. Ernährung sei neben der Bewegung entscheidend für die Gesundheit der Kinder, wusste Oettinger und sprach sich dafür aus, mehr Produkte aus der Heimat auf die Teller zu bringen.

Rolf Stockum, Fachmann für Gesundheitsförderung und Leiter der AG „Prävention und Gesundheit“ in der Gesundheitsregion plus, belegte anhand von Statistiken, dass schon viele Kinder und Jugendliche übergewichtig sind. Um dem entgegen zu wirken, brauche es Vorbilder, sagte er und zeigte, dass aber bis zu 40 Prozent der Erwachsenen adipös seien – also deutlich übergewichtig sind. Die Gründe seien einfach zu benennen: „Wir Großen und unsere Kinder essen zu viel und zu ungesund, und wir bewegen uns zu wenig.“ Kinder seien besonders leicht zu beeinflussen, belegte er mit einem Werbezettel eines Supermarkts zum Schulanfang, in dem nur ungesunde Lebensmittel beworben würden. Für Stockum ist es enorm wichtig, dass Erwachsene bei der Ernährung mit gutem Beispiel vorangehen.

Für Karolin Höhl (Dr.-Rainer-Wild-Stiftung) steht fest, dass das gesunde Essen vorwiegend in der Kindheit erlernt wird. Orientierung böten unter anderem die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sei es früher darum gegangen, Kinder satt zu bekommen, gehe es heute um nachhaltige, gesundheitsfördernde und bedarfsgerechte Ernährung. Das beginne bereits in der Familie, sagte sie, denn Kinder wüssten von zuhause genau, was für sie „richtig“ ist, wenn sie in den Kindergarten kommen. Eine gute Kita-Ernährung sei daher sehr wichtig unter dem Motto „Bei gutem Essen für das Leben lernen! – etwa bei der Geschmacks- und Genussbildung, aber auch beim Erlangen von Wissen zu Lebensmitteln und Ernährung. Keinesfalls sollte Druck ausgeübt werden, etwas essen zu müssen oder den Teller leer zu essen. Probier- und Wahlmöglichkeiten beim Essen anzubieten, sei dagegen ein stärkender Faktor. Auch sei es anzuraten, Kinder mit ins Boot zu nehmen, wenn es um Einkauf von Lebensmitteln, die Zubereitung von Speisen und die Gestaltung des Speiseplans geht.

Wie das bereits umgesetzt wird, erfuhren die Gäste beim Vortrag von Silke Buhleier und Irina Bösel von der evangelischen Kindertagesstätte Friedenstraße in Erlenbach. Die Kita hatte dabei den Vorteil, dass sie vor einem Jahr neu begonnen hatte und den Eltern klar ihr Konzept vermitteln konnte. Deswegen meldeten nur Eltern ihre Kinder an, die Ja zu dem all-inclusive-Konzept der Kita sagten, mit dem Chancengleichheit aller Kinder erreicht werden soll. 25 Stunden pro Woche ist die Mindestbuchungszeit, für Verpflegung werden 100 Euro im Monat bezahlt, alle Kinder und das Personal essen das gleiche Essen. Was es täglich zu essen gibt, wird kurzfristig entschieden, Wert wird auf möglichst regionale, saisonale und biologische Lebensmittel gelegt, die nach Möglichkeit von regionalen Lieferanten kommen. Auf dem Speiseplan stehen Fisch, Hülsenfrüchte, vegetarische Gerichte und nur sehr selten Fleisch; auf Schweinfleisch und Gelatine wird komplett verzichtet. In der Frischküche wird das Essen zubereitet, die Kinder können dabei zuschauen. Gegessen wird gemeinsam in der „Schlemmerstube“, die Kinder räumen ihr Essen selbst weg und sorgen auch für die Sauberkeit der Tische. Wenn es neue Speisen gibt, können die Kinder kleine Portionen zu testen. Alle Speisezutaten werden getrennt angeboten, so dass die Kinder selbst entscheiden, ob sie etwa zum Reis Soße, Gemüse oder eine Suppe wollen. „Ich kann jedem nur zu einer Frischeküche raten“, sagte Silke Buhleier, damit ein Konzept wie in Erlenbach klappt, müssten aber alle an einem Strang ziehen. Ob der monatliche Verpflegungsobolus ausreicht, konnte sie noch nicht sagen, dies werde man noch ausrechnen müssen. Die Kita wird zurzeit von zwölf Krippenkindern und 50 Kindergartenkindern besucht.

Laut Christine Zehnter (Amt für Landwirtschaft und Ernährung“) prägt eine ausgewogene Ernährung für das ganze Leben. Für sie ist auch die Chancengleichheit für alle Kinder wichtig, damit sie sich richtig ernähren können. Zum Essen gehört für sie auch, dass Kinder und Personal gemeinsam am Tisch sitzen und miteinander reden. Als Erfolgsfaktoren für eine gesunde Verpflegung von Kindern nannte sie ein gutes Verpflegungsangebot, auch die Räume und ihre Ausstattung müssten passen. Ein durchdachtes pädagogisches Konzept sei unabdingbar, ebenso die Wertschätzung für alle Beteiligten und – ganz wichtig – die Kommunikation. Wenn Veränderungsprozesse angestoßen werden, müssten alle Beteiligten rechtzeitig mitgenommen werden. Wenn neue Kitas gebaut werden, sei die Investition in eine Frischküche eine sehr gute Investition, meinte Zehnter.

Vom Umsetzen der sogenannten Nudging-Strategie berichtete Ernährungsfachberaterin Iris Burger. Darunter versteht man das Anstupsen zu einem bestimmten Verhalten, ohne Zwang auszuüben. Dies kann in Kitas und Schulen dazu führen, dass Kinder freiwillig etwa neue Gerichte probieren. Erreichen kann man dies unter anderem mit der Hervorhebung von Speisen – etwa durch Dekoration oder Beleuchtung –, Smileys oder lustige Karikaturen auf Speiseplänen können auf besonders gesunde Gerichte hinweisen. Obst sollte in kleinen Portionen platziert werden – etwa als Obstspieß. Kinder, die viele neue Speisen probieren, sollten belohnt werden – beispielsweise mit einem Stempel für „mutige“ Esser in einem Bonusheftchen. Neuen Gerichten sollte man einen witzigen Namen geben – statt Gemüsepfanne vielleicht „Power Bowl“. Gegen das Wegwerfen von Essen habe sich ein durchsichtiger Abfalleimer bewährt, so Burger. Sie hält es auch für wichtig, ein Essensgremium einzurichten, in dem alle Interessensgruppen vertreten sind.

In der abschließenden Podiumsdiskussion mit allen Referentinnen und Referenten nutzten die Gäste die Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich auszutauschen. Mehrfach wurde dabei das Konzept der evangelischen Kita in Erlenbach als sehr interessant bezeichnet. Auch wurde die Meinung geäußert, dass Bio-Verpflegung zwar sehr gut sei, dennoch sollte der Fokus vor allem auf regionalen Zutaten liegen. Um Verpflegungskosten für Eltern zu senken, so Referentin Karolin Höhl, habe sich in ihrem Kindergarten ein Förderverein gegründet. Mit Einnahmen aus Veranstaltungen wie etwa einem Flohmarkt habe man so die Verpflegung teilweise subventionieren können.

Alica Bachmann, Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion plus, zeigte sich am Ende der vierstündigen Veranstaltung hochzufrieden mit den Ergebnissen und hofft darauf, dass viele der Anregungen Eingang in die Kitas und Schulen des Landkreises finden mögen.

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Lecker und gesund dazu: Das von der Mainsite angebotene Essen stieß unisono auf Begeisterung. Foto: Winfried Zang

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?Bei der abschließenden Podiumsdiskussion konnten die Gäste mit den Referentinnen, Referenten und Ausstellern ins Gespräch kommen. Im Bild (von links): Susanne Pfefferer (Julius-Echter-Gymnasium Elsenfeld), Rolf Stockum, Iris Burger, Karolin Höhl, Silke Buhleier, Irina Bösel und Christine Zehnter. Foto: Winfried Zang

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Lecker und gesund dazu: Das von der Mainsite angebotene Essen stieß unisono auf Begeisterung. Foto: Winfried Zang

Quelle :Landkreis-Miltenberg.de

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