LEA Wertheim-Reinhardshof : Übergang vom Not- zum Normalbetrieb

Land übernimmt in LEA sukzessive Aufgaben

Essensverpflegung im zum Speisesaal umfunktionieren Lehrsaal.

Der allmähliche Übergang vom aktuellen Not- zum Normalbetrieb einer Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (LEA) ist in Wertheim eingeleitet. Bis die Strukturen komplett unter Verantwortung des Regierungspräsidiums stehen, wird es aber Mitte Oktober werden – dem ursprünglich geplanten Starttermin der LEA Wertheim.

Vier Wochen wird es also noch dauern, bis das Regierungspräsidium die volle Regie über die Einrichtung übernimmt. Der sukzessive Aufbau der regulären Strukturen einer LEA wird einher gehen mit der allmählichen Entlastung der Wertheimer Hilfskräfte. Sie bleiben in der Übergangsphase im jeweils erforderlichen Umfang präsent. „Hier fahren wir auf Sicht und stimmen den Einsatz immer wieder neu ab,“ so Bürgermeister Wolfgang Stein in der heutigen Einsatzbesprechung. Wichtig für alle Hilfsorganisationen ist die Zusage des Regierungspräsidiums: „Alle Kosten der aktuellen Notunterbringung trägt das Land“.

 Die Kleiderkammern sind gut gefüllt.

Die Kleiderkammern sind gut gefüllt.

Privater Dienstleister steigt ein

An der heutigen Einsatzbesprechung nahm Wolfgang Liesche für das Regierungspräsidium teil, Leiter der Aufnahmebehörde. In der Runde Platz genommen hatten auch Vertreter von European Home Care (EHC). Ab Donnerstag steigt der private Dienstleister mit ein und kümmert sich im Auftrag des Regierungspräsidiums um Unterbringung und Verpflegung der Flüchtlinge. Die Zahl der Mitarbeiter vor Ort wird zu Beginn überschaubar sein, die personelle Sollstärke wird in der Folgezeit aufgebaut.

Auch das Regierungspräsidium verstärkt seine Präsenz in Wertheim. Neben Clemens Bohnacker, der seit Sonntag als kommissarischer LEA-Beauftragter fungiert, ist seit heute zusätzlich Dagmar Driewer vor Ort. Aber auch das Regierungspräsidium ist noch weit entfernt von der notwendigen Personalstärke. Die Stellenausschreibungen waren alle auf den Starttermin 15. Oktober ausgerichtet.

 Essensverpflegung im zum Speisesaal umfunktionieren Lehrsaal.

Essensverpflegung im zum Speisesaal umfunktionieren Lehrsaal.

Weitere 97 Flüchtlinge am Montagabend

Gestern Abend waren weitere Flüchtlinge in Wertheim eingetroffen. Angekündigt hatte das Innenministerium 150, dann lautete die telefonisch übermittelte Zahl 85. Tatsächlich waren es dann 97 Menschen, die dem Bus gegen 21 Uhr entstiegen, darunter sehr viele Kinder. Die Aufnahme bewältigten die Wertheimer Rettungs- und Hilfsorganisationen in den Abläufen, die sich schon am Sonntag bewährt hatten.

Ein weiterer Bus, der zunächst für Wertheim vorgesehen war, war zwischenzeitlich nach Stuttgart umgeleitet worden. Damit hatte man unwissentlich Familien auseinandergerissen. Bürgermeister Stein drängte in der Einsatzbesprechung am heutigen Dienstag darauf, diese Familien so schnell wie möglich zusammen zu führen. Falls erforderlich, würde die Stadt Wertheim dazu eigene Fahrzeuge bereit stellen.

Am Montagabend wurden in Wertheim weitere 97 Flüchtlinge aufgenommen.
Am Montagabend wurden in Wertheim weitere 97 Flüchtlinge aufgenommen.

Die Zahl der in Wertheim aufgenommenen Flüchtlinge hat sich damit gestern Abend auf 541 erhöht. Über die Familienzusammenführung rechnet man mit weiteren 11 bis 15 Personen. Rein rechnerisch sind in der LEA Wertheim also noch etwa 50 Betten nicht belegt. Ob es weitere Zuweisungen für Wertheim geben wird, blieb zunächst offen. Am späten Nachmittag dann kam die Nachricht, dass weitere 50 Flüchtlinge aus Günzburg, Bayern, kommend gegen Mitternacht in Wertheim eintreffen werden.

Bürgermeister Stein machte, unterstützt von Clemens Bohnacker, deutlich, dass die Kapazität in Wertheim mit 600 Flüchtlingen erschöpft ist. Der Lehrsaal, der als Speisesaal fungiert, ist mit 100 Menschen voll. Es werden größere Gemeinschaftsräume gebraucht für Kinderbetreuung, Kleiderkammer, ärztlichen Dienst usw. In den am Sonntag aufgebauten provisorischen Strukturen gerate man jetzt schon an Grenzen.

Kleiderkammern sind voll

Nahezu unbegrenzt ist weiterhin die Hilfsbereitschaft der Wertheimerinnen und Wertheimer. In den letzten Tagen wurden so viele Kleider- und Sachspenden gebracht, dass nun zunächst ein Annahmestopp erforderlich ist. Ehrenamtliche Helfer sind vollauf mit dem Räumen und Sortieren beschäftigt. Auch müssen zunächst weitere Lagerkapazitäten geschaffen werden. Sobald wieder „Luft“ ist und konkrete Bedarfe benannt werden können, wird die Stadt Wertheim darüber informieren.

Stadtverwaltung Wertheim

Bildergalerie Empfang der ersten Flüchtlinge an der LEA ,Polizei Akademie Wertheim, 13.09.2015