Nach Tod von Gorillababy Shira im Frankfurter Zoo: PETA fordert Paradigmenwechsel

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Serie von Todesfällen bei Menschenaffenbabys geht weiter

Stand Juli 2015
Frankfurt / Stuttgart, 13. Juli 2015 – Am vergangenen Freitagmittag gab der Zoo Frankfurt den Tod des erst Anfang Juli geborenen Gorillababys Shira bekannt. Die Ursache soll durch eine pathologische Untersuchung ermittelt werden. Nach diesem erneuten Todesfall eines jungen Menschenaffen fordert die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. einen Paradigmenwechsel bezüglich der Haltung von Menschenaffen in Zoos. Mit Shira sind in deutschen Zoos seit Anfang letzten Jahres mindestens sechs junge Menschenaffen gestorben. Dabei stellen Infektionskrankheiten eine der größten Bedrohungen dar. Sie werden vor allem durch eine schlechte Belüftung begünstigt oder durch den Kontakt zu Menschen ausgelöst. PETA fordert zum Schutz der Tiere ein Import- und Nachzuchtverbot für Menschenaffen in Gefangenschaft, damit die Haltung mittelfristig ausläuft.

„Menschenaffen in Zoos sind unschuldig eingesperrte Gefangene. Die absolut mangelhaften Haltungsbedingungen sorgen immer wieder für tragische Todesfälle“, so Wildtierexperte Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA Deutschland e.V. „Auch das Argument des Artenschutzes zählt nicht: Es ist nicht möglich, im Zoo geborene Menschenaffen erfolgreich auszuwildern.“

Im Stuttgarter Zoo Wilhelma verstarben 2014 und Anfang 2015 zwei junge Bonobos an Infektionskrankheiten, deren Auslöser auf Mängel in der Lüftungsanlage zurückzuführen sein sollen. Ende 2014 kam Orang-Utan-Baby Olivia im Zoo München durch ein Schädeltrauma ums Leben. Im Juni desselben Jahres starb der sechs Monate alte Gorillajunge Jengo im Zoo Leipzig. Im Mai 2014 starb ein Gorillababy im Frankfurter Zoo an einer Durchfallerkrankung, 2012 starb Schimpansenbaby Nayla im Zoo Osnabrück. Anfang 2011 erlag das ein Jahr alte Orang Utan Mädchen Masaja einer Erkrankung, 2010 starb Gorillababy Juma im Stuttgarter Zoo an einer Lungenentzündung, 2009 verstarb Schimpansenbaby George im Krefelder Zoo.

Gorillas, Schimpansen und Orang Utans sind dem Menschen derart ähnlich, dass sie, renommierten Primatologen wie Professor Dr. Volker Sommer zufolge, die Ausweglosigkeit ihrer Situation in Gefangenschaft erkennen. Dabei können die intelligenten Tiere laut Sommer durchaus Zustände wie Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit erleben.

PETA weist darauf hin, dass die Haltungsbedingungen selbst in einem größeren Zoo nicht mit den Bedingungen der natürlichen Lebensräume von Menschenaffen vergleichbar sind. Flachlandgorillas sind in den tropischen Wäldern Zentralafrikas beheimatet. Dort bewohnt eine Gruppe ein Areal von bis zu 30 Quadratkilometern. Einer wissenschaftlichen Studie von 2011 zu Folge führt die Gefangenschaft grundsätzlich zu Verhaltensstörungen.[1]

Weitere Informationen:
PETA.de/ZooIrrtuemer
PETA.de/Zoo

[1] Birkett LP, Newton-Fisher NE (2011): How Abnormal Is the Behaviour of Captive, Zoo-Living Chimpanzees? PLoS ONE 6(6): e20101. doi:10.1371/journal.pone.0020101