Neues Eisbärengefängnis bringt ständiges Leid über die größten Landraubtiere


Rostock / Stuttgart, 19. September 2018 – Die Profitgier treibt den Zoo Rostock zum Bau eines neuen Eisbärengefängnisses: Am Samstag, 22. September, eröffnet dort das Polarium. In der neuen Anlage werden vorerst zwei Eisbären und Pinguine eingesperrt, zudem entsteht ein Aquarium mit Quallen, Haien und verschiedenen Fischarten. Die Tierrechtsorganisation PETA kritisiert den Bau der Anlage scharf, weil die Haltung der Tiere nur aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt und dem Tierschutz zuwiderläuft.
 
„Die Haltung der Eisbären, Pinguine und Meerestiere in Rostock hat nichts mit Artenschutz zu tun. Obwohl bekannt ist, wie sehr Eisbären und viele andere Tierarten unter der Enge und Beschäftigungslosigkeit in Zoos leiden, wurden hier viele Millionen Euro für ein Prestige-Projekt ausgegeben, damit der Zoo auf eine neue Knut-Version hoffen kann“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Die vorsätzliche Tierquälerei aus kommerziellen Beweggründen muss ein Ende haben.“
 

Zwangsstörungen bei Eisbären in Zoos

PETA weist darauf hin, dass nahezu alle Eisbären in deutschen Zoos an ausgeprägten Verhaltensstereotypien leiden, erkennbar an sich ständig wiederholenden Bewegungsabläufen. Die Tierrechtsorganisation hat Videos veröffentlicht, auf denen diese schweren, durch die mangelhaften Haltungsbedingungen entstandenen Zwangsstörungen bei den intelligenten Tieren zu sehen sind. Der ehemalige Frankfurter Zoodirektor Prof. Dr. Manfred Niekisch erklärte bereits 2008, dass das größte Landraubtier der Welt nicht für die Haltung in Zoos geeignet ist, da sein natürlicher Lebensraum einfach viel zu groß sei [1]. Obwohl die gravierenden Folgen bekannt sind, züchten Zoos und Tierparks weiterhin Tiere in diese Leid verursachende Umgebung hinein.
 

Pinguinhaltung nicht tiergerecht möglich

Auch Pinguine haben enorme Ansprüche an ihren Lebensraum, die selbst eine gut geführte zoologische Einrichtung kaum erfüllen kann. Die hohe Stressanfälligkeit dieser Tiere ist vielfach beschrieben [2]. Im Zoo von Scarborough in Großbritannien erhielten Humboldt-Pinguine 2014 sogar Psychopharmaka, um ihr Stressniveau zu senken [3]. Die flugunfähigen Seevögel leben überwiegend in den kalten Klimazonen der südlichen Hemisphäre. Sie sind sehr soziale Tiere, die zum Brüten teilweise große Kolonien bilden. In freier Natur jagen Humboldt-Pinguine in Gruppen, schwimmen mit einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde durch das offene Meer und tauchen bis zu 50 Meter tief. All dies wird ihnen in Gefangenschaft verwehrt.
 

Meerestiere werden ihrer Heimat entrissen

Für Meeresbewohner wie Haie, Fische und Quallen bedeutet die Zurschaustellung ein trauriges Dasein in Gefangenschaft. Bei vielen Tieren ist davon auszugehen, dass es sich um Wildfänge handelt, die ihrer natürlichen Heimat entrissen und über tausende Kilometer nach Deutschland überführt wurden. Bei Fang und Transport von empfindsamen Meerestieren sterben jedes Jahr unzählige Tiere. Die Überlebenden leiden unter Stress und werden den Rest ihres Lebens in vergleichsweise kargen und reizarmen Becken eingesperrt. Insbesondere für hochintelligente Kraken und zahlreiche Fische bedeutet ein Leben in Gefangenschaft meist Langeweile, Depressionen, Aggressionen und oft auch einen frühen Tod.
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht da, um uns zu unterhalten. Die Tierrechtsorganisation setzt sich grundsätzlich für ein Nachstellverbot von exotischen Tieren in Gefangenschaft ein, weil die artwidrigen Haltungsbedingungen häufig schwere Verhaltensstörungen und Tierleid hervorrufen. Auswilderungen sind insbesondere bei den bedrohten Tiergruppen wie Eisbären, Menschenaffen oder Großkatzen nicht möglich, weil die Tiere im Zoo die dafür notwendigen Verhaltensweisen nicht erlernen können. Eine repräsentative Meinungsumfrage im Dezember 2015 ergab, dass mit 49 Prozent die Mehrheit der Deutschen das Einsperren von exotischen Tieren für moralisch bedenklich hält. Lediglich 37 Prozent äußerten keine Bedenken, 14 Prozent äußerten keine Meinung [4].
 
[1] Frankfurter Rundschau (2008): Punkten ohne Eisbär-Rummel. Online unter: www.fr-online.de/spezials/frankfurter-zoo-punkten-ohne-eisbaer-rummel,1472874,2782166.html.
[2] www.n-tv.de/wissen/Pinguine-leiden-unter-Stress-article6695806.html.
[3] www.welt.de/newsticker/news1/article124628025/Wetterstress-Britische-Pinguine-erhalten-Antidepressiva.html.
[4] YouGov (2015): Tiere für viele ein Grund, nicht in den Zirkus zu gehen. Online unter: https://yougov.de/news/2015/12/16/tiere-fur-viele-ein-grund-nicht-den-zirkus-zu-gehe/.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Eisbaeren
PETA.de/Eisbaeren-Recherche-2008
PETA.de/ZooIrrtuemer
 
Kontakt: 
Denis Schimmelpfennig, +49 711 860591-528, DenisS@peta.de 



Quelle : PETA.de

Bilder / Video Französischer Markt Wertheim 20.-22.05.2016 – Live Musik und Kulinarisches