Neues Gutachten schürt Zweifel an Gesundheitszustand der Schimpansen im Krefelder Zoo: PETA fordert Videoübertragung per Livestream aus Gehege

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Krefeld / Stuttgart, 22. Juli 2022 – Wie geht es Bally und Limbo wirklich? Ein aktuelles Gutachten nährt den Verdacht, dass das Leid der im Zoo Krefeld eingesperrten Schimpansen verheimlicht werden soll. Seit dem Zoobrand in der Silvesternacht 2019/20 sind die beiden Überlebenden, die Schimpansen Bally und Limbo, in einem für das Zoopublikum nicht einsehbaren Bereich eingesperrt. Im Juli 2020 wurde deshalb vom Zoo ein Livestream eingerichtet, sodass die Schimpansen über einen im Gorillahaus befestigten Monitor beobachtet werden konnten. [1] Seitdem sah sich der Zoo zunehmender Kritik an der mangelhaften Haltung und dem offenkundig schlechten Zustand der Tiere ausgesetzt. Ende Februar 2022 wurde die Videoübertragung eingestellt und der Monitor entfernt. Ein unabhängig erstelltes wissenschaftliches Gutachten wirft nun ein neues Licht auf die möglichen Hintergründe: Darin bescheinigen sieben renommierte Primatologen Bally und Limbo nach einer Auswertung von über 13 Stunden Videomaterial Anzeichen für Verhaltensstörungen wie das Essen des eigenen Kots. PETA ruft den Zoo Krefeld zu Transparenz auf und fordert die Wiederaufnahme der Übertragung mittels Online-Livestream aus dem Schimpansengehege.

„Es steht zu befürchten, dass mit dem Abschalten der Videoübertragung verheimlicht werden sollte, wie sich der Zustand von Bally und Limbo während der nun mehr als zweijährigen Zwangsisolation zunehmend verschlechtert“, so Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Wir fordern die Zooverantwortlichen auf, die Videoübertragung ins Schimpansengehege wieder aufzunehmen – nicht nur zoointern, sondern über einen Online-Livestream, mit dem sich die ganze Welt ein Bild von den dortigen Verhältnissen machen kann. Sollte sich jedoch das von den Experten und Expertinnen gezeichnete Bild bestätigen, muss für eine schnellstmögliche Umsiedlung von Bally und Limbo in eine Primaten-Auffangstation gesorgt werden.“

Hintergrundinformationen
Seit über zweieinhalb Jahren leben die Schimpansen Bally und Limbo in nur etwa 40 Quadratmeter engen Innenboxen, ein Außengehege fehlt. Dies bedeutet, dass bezüglich der Gehegefläche die für zoologische Einrichtungen geltenden Mindestanforderungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums insgesamt um rund 90 Prozent unterschritten werden. Hinzu kommt, dass die paarweise Haltung nicht dem arttypischen Sozialleben entspricht, das bei Schimpansen durch Interaktionen mit wechselnden Individuen in Großgruppen von bis zu 150 Mitgliedern geprägt ist. Von einem „Provisorium“ kann längst keine Rede mehr sein. Daher hat PETA im April 2022 bei der Staatsanwaltschaft Krefeld Strafanzeige gegen die Zooverantwortlichen erstattet. Die Behörde lehnte jedoch die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ab. Angesichts des nun veröffentlichten Gutachtens hat PETA bei der Staatsanwaltschaft die Wiederaufnahme strafrechtlicher Ermittlungen angeregt.

PETA kritisierte das Neubauvorhaben des Krefelder Zoos zusammen mit zehn Tier- und Naturschutzverbänden in einer gemeinsamen Stellungnahme vom März 2021 als gravierende Fehlentscheidung für den Tier- und Artenschutz. Auch die Unterzeichner des unabhängigen Gutachtens sprechen sich aus ethischen Gründen gegen ein weiteres Menschenaffenhaus aus.

Menschenaffen in Gefangenschaft: ungerecht, nicht artgerecht
Die Ansprüche von Menschenaffen sind so komplex, dass ihnen kein Zoo einen artgerechten Lebensraum bieten kann. Wissenschaftlichen Studien zufolge leiden die Tiere in Zoos häufig unter schweren Verhaltensstörungen – auch in akkreditierten und vergleichsweise großen zoologischen Einrichtungen. [2–4] Repräsentativen Meinungsumfragen zufolge befürworten 41 Prozent der Befragten ein Ende der Zucht und Haltung von Menschenaffen in deutschen Zoos bzw. steht mit 53 Prozent die Mehrheit der Haltung von Menschenaffen negativ gegenüber. Im Rahmen der Kampagne „Menschenaffen raus aus Zoos“ fordert PETA, die Haltung der Tiere auslaufen zu lassen.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] RP Online: Überlebende Schimpansen Bally und Limbo streamen nun aus ihrem Gehege. Online abrufbar unter: https://rp-online.de/nrw/staedte/krefeld/zoo/zoo-krefeld-ueberlebende-schimpansen-des-zoo-brands-im-live-stream_aid-52002951 (20.07.2022)
[2] Akers, J./Schildkraut, D. (1985): Regurgitation/Reingestion and coprophagy in captive gorillas. Zoo Biology. ZOO BIOL. 4. 99–109. 10.1002/zoo.1430040203.
[3] Birkett, L. P./Newton-Fisher, N. E. (2011): How Abnormal Is the Behaviour of Captive, Zoo-Living Chimpanzees? PLoS ONE 6 (6): e20101. doi:10.1371/journal.pone.0020101.
[4] Jacobson, S. L., et al. (2016): Characterizing abnormal behavior in a large population of zoo-housed chimpanzees: prevalence and potential influencing factors. PeerJ 4: e2225. Online abrufbar unter: https://peerj.com/articles/2225/(20.07.2022)

Weitere Informationen
PETA.de/Neuigkeiten/Affenhaus-Zoo-Krefeld
PETA.de/Themen/Menschenaffen
PETA.de/Themen/Menschenaffen-Verhaltensstörungen
Tierrechtsblog.de/Deutschland/Zoos-tierschutzwidrige-vorübergehende-Unterbringung

Pressekontakt:
Stefanie Bacher, +49 711 860591-431, [email protected]

Quelle : PETA.de

https://wertheimerportal.de/faktencheck-tauben-sind-keine-ratten-der-luefte/

1 Kommentar

  1. Von unabhängig kann keine Rede sein. Wenn man sich die Ersteller durchliest wird man feststellen das die meisten aus der Freilandforschung kommen und keinen Bezug zum Krefelder Zoo haben oder hatten. Sie waren nie vor Ort. Das Videomaterial, wie auch die Informationen, wurden vom GreatApeProject bereitgestellt. Die Tendenz der Zustimmung zu den Forderungen der Tierrechtler erkennt man eindeutig. Für PETA ist es peinlich jetzt in diesem Stadium auf diesen Zug aufzuspringen, aber man ist von diesem mediengeilen Konzern nichts anderes gewohnt.

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