PETA zeigt 120 Königsfischer in Straubing an: Wettfischen verstößt gegen das Tierschutzgesetz

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Straubing / Stuttgart, 5. August 2022 – PETA tritt juristisch für Fische ein: Vom 29. bis zum 31. Juni hatte der Bezirksfischereiverein Straubing zum Fischerfest mit Hege- und Königsfischen am Wundermühlweg eingeladen. An der Veranstaltung nahmen laut Medienberichten etwa 120 Personen teil. Bei dem Anglerwettkampf sollten möglichst schwere Fische gefangen werden. Dem Gewinner wurde von seinem Vorgänger die „Königskette“ überreicht. Da es sich bei dieser Wettfischveranstaltung um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz handelt, hat PETA nun bei der Staatsanwaltschaft Regensburg, Zweigstelle Straubing, Anzeige gegen die Veranstalter, den Vorstand des Bezirksfischereivereins Straubing e.V. sowie gegen alle 120 volljährigen Teilnehmenden erstattet. Die Organisation fordert von der Landes- und Bundespolitik, Königsfischen und alle Wettbewerbsfischereiveranstaltungen künftig bereits im Vorfeld zu verbieten und dies gesetzlich zu verankern.

„Ein Wettbewerb ist kein gesetzlich vorgeschriebener ‚vernünftiger Grund‘ für das Töten eines Wirbeltieres und daher ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Niemand würde mit Kaninchen oder Katzen so umgehen wie mit Fischen, aber auch Fische sind freundliche, soziale Wirbeltiere, die Angst und Schmerzen spüren. Wir appellieren an das Rechtssystem, das Töten von Wirbeltieren zu Unterhaltungszwecken grundsätzlich zu untersagen.“

Staatsanwaltschaft Mannheim bestätigt Verstoß gegen das Tierschutzgesetz
PETA hat durch Strafanzeigen gegen Teilnehmende von Pokal-, Hege- und sonstigen Wettangelveranstaltungen wie dem Königsfischen bereits mehrfach Sanktionen erreicht. In einem Fall zum Angelsportverein Hockenheim 2020 stellte die Staatsanwaltschaft Mannheim das Verfahren zwar wegen geringer Schuld ein, merkte allerdings an, dass es sich um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz handelt: „Strafbar nach § 17 Nr. 1 Tierschutzgesetz. […] Angesichts des Lebensalters der Beschuldigten und ihres straffreien Vorlebens ist davon auszugehen, dass bereits die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens von der Begehung weiterer Straftaten abhalten wird.“ (Az.: 622 Js 21593/20)

PETA verweist zudem auf die Verfügungen der Staatsanwaltschaften Regensburg vom 21. März 2018 (Az. 103 Js 4867/18) und Würzburg vom 13. Juli 2015 (Az.: 612 Js 12165/14), Münster vom 19. März 2014 (Az.: 540 Js 1433/13) und fünf weiterer Staatsanwaltschaften, in denen ebenfalls ausdrücklich festgestellt wird, dass es sich beim Wettfischen um eine strafbare Handlung handelt – und zwar selbst dann, wenn der Fisch anschließend verzehrt wird. Die Verwertung von Fischen bei Wettangelveranstaltungen kommt nicht als „vernünftiger Grund“ im Sinne des Tierschutzgesetzes infrage. PETA sieht die besondere Verwerflichkeit der Handlungsweise dieser Angelnden darin begründet, dass sie wissen, dass solche Angelwettbewerbe strafbar und rechtswidrig sind, wie insbesondere bayerische Staatsanwaltschaften wiederholt betont haben. Die Tierrechtsorganisation befürchtet zudem, dass Kinder durch solche Veranstaltungen fälschlicherweise vermittelt bekommen, dass Fische gefühlloses Spielzeug sind. Dabei handelt es sich um empfindungsfähige Wirbeltiere, die Beziehungen schließen, spielen, lernen und ihr Wissen weitergeben. Kinder sollten daher lernen, wie man die Wasserbewohner schützt statt jagt.

Fische sind neugierige, fühlende Wirbeltiere mit individuellen Persönlichkeiten. Sie haben ein komplexes Sozialleben, kommunizieren auf vielfältige Weise, schließen Freundschaften und beschützen ihren Nachwuchs. [1] Neben internationalen wissenschaftlichen Studien, die bestätigen, dass Fische Schmerzen spüren, kommt auch das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, in seiner Stellungnahme für die Bundesregierung zu dem Schluss, dass „Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und entsprechend als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten“. [2] Eine aktuelle Studie der Universität in Bonn zeigt, dass Fische addieren und subtrahieren können. [3] Die Autorin der Studie, Professorin Dr. Vera Schlüssel, schließt aus ihren Experimenten, dass Menschen andere Tierarten tendenziell unterschätzen – besonders diejenigen, die nicht zu den Säugetieren zählen. Insbesondere das Leid der Fische wird ihrer Meinung nach ignoriert, da sie nicht „niedlich“ sind und weder Fell noch Federn haben. Ihren qualvollen Toden durch die grausamen Praktiken der kommerziellen Fischerei wird daher wenig Beachtung geschenkt. [4]

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] Jonathan Balcombe (2016), Was Fische wissen. Wie sie lieben, spielen, planen: unsere Verwandten unter Wasser. / What a Fish Knows: The Inner Lives of Our Underwater Cousins, 336 Seiten. 
[2] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013. 
[3] V. Schluessel, N. Kreuter, I. M. Gosemann & E. Schmidt (2022): Cichlids and stingrays can add and subtract ‚one‘ in the number space from one to five; Scientific Reports, online verfügbar unter https://www.nature.com/articles/s41598-022-07552-2 (22.07.2022).
[4] Universität Bonn (2022): Study shows: Fish can calculate. Researchers at the University of Bonn publish an unexpected finding. Online verfügbar unter https://www.uni-bonn.de/en/news/060-2022 (22.07.2022).

Weitere Informationen:
PETA.de/Themen/Fische-Schmerzen/

Pressekontakt:
Britta Nolte, +49 30 6832 6660-29, [email protected]

Quelle : PETA.de

https://wertheimerportal.de/faktencheck-tauben-sind-keine-ratten-der-luefte/

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