PETA-ZWEI-Streetteam Stuttgart demonstriert mit Chamäleon-Kostüm gegen Reptilienbörse


Scharfe Kritik und Online-Petition gegen Veterinäramt Böblingen

 
Sindelfingen / Stuttgart, 28. November 2018 – Sie tragen ein Chamäleon-Kostüm, Plakate und verteilen Flyer: Am Samstag ab 13:00 Uhr demonstriert das freiwillige PETA-ZWEI-Streetteam Stuttgart wegen der diesjährigen „Fisch & Reptil“ vor der Messe Sindelfingen, um auf das damit einhergehende Tierleid aufmerksam zu machen. Für die Reptilien bedeutet die Zurschaustellung auf Reptilienbörsen großen Stress. Meist werden sie in kleinen Plastikboxen präsentiert; hinzu kommen fehlende Rückzugsmöglichkeiten und lange Transportzeiten. Gleichzeitig startet heute eine Online-Petition an das Kreisveterinäramt in Böblingen gegen die Genehmigung der Veranstaltung über drei Tage. Gemäß der bundesweit gültigen Tierbörsenleitlinien des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) dürfen Börsen mit Reptilien wegen der gravierenden Tierschutzproblematik nur über einen Tag abgehalten werden. Aus rein wirtschaftlichen Gründen setzt sich das Veterinäramt über die Leitlinien hinweg. PETA fordert das Veterinäramt auf, die Ausrichtung der Börse zu untersagen, zumindest aber die Leitlinien einzuhalten und die „Veranstaltung“ auf einen Tag zu begrenzen.
 
„Das Veterinäramt Böblingen tritt den Tierschutz mit Füßen, denn auf Reptilienbörsen werden sensible Lebewesen mit höchsten Ansprüchen wie billiger Trödel an jeden Interessenten verramscht. Händler geben zudem Tiere an Interessenten ab, die sich oftmals ganz spontan für den Kauf eines Exoten entscheiden“, so Steffen Lenhardt, Leiter des PETA-ZWEI-Streetteams Stuttgart. „Dass diese Tierqualmesse nun für drei Tage genehmigt wurde, ist absolut inakzeptabel.“
 
Tierquälerei für Reptilienbörsen
Bei einem Besuch auf der Börse „Fisch & Reptil“ konnte PETA in der Vergangenheit etliche tierschutzrelevante Mängel aufzeigen. Diese wurden umgehend zur Prüfung an das Veterinäramt Kreis Böblingen weitergeleitet. Im Rahmen eines Auskunftsersuchens an die Stadt wurde mitgeteilt, dass auch von Behördenseite eklatante Mängel festgestellt wurden.
 
Tierbörsen-Leitlinien begrenzen Reptilienbörsen auf einen Tag
Nach den Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sind Reptilienbörsen auf einen Tag zu begrenzen. Trotzdem dauerte die in Sindelfingen stattfindende Reptilienbörse “Fisch & Reptil“ bisher jeweils zwei Tage. Für dieses Jahr genehmigte das Veterinäramt die Veranstaltung trotz der dokumentierten und behördlich bestätigten Missstände nun sogar für drei Tage – eine absolut inakzeptable Dauer für eine Börse mit der Folge, dass empfindsame exotische Tiere über einen langen Zeitraum leiden müssen.
 
Viele der nach Deutschland importierten Exoten sind Wildfänge, die zum Teil illegal aus der Natur entnommen wurden. Im Auftrag profitorientierter Händler werden die letzten artenreichen Gebiete regelrecht geplündert. Bis zu 70 Prozent der empfindlichen Tiere sterben bereits durch Stress, Unterversorgung oder transportbedingte Verletzungen, bevor sie überhaupt in den Handel kommen [1].
Eine artgerechte Haltung von Reptilien ist in Gefangenschaft nicht möglich. Die meisten der von Privatpersonen gehaltenen Exoten sterben frühzeitig, weil die Bedürfnisse der Tiere nicht erfüllt werden. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten [2].
 
Kommunale Verbote von Exotenbörsen
Als erste deutsche Stadt hat Passau im Oktober 2016 beschlossen, keine Veranstaltungen zuzulassen, die der Zurschaustellung und dem Verkauf von exotischen Tieren dienen. Damit dürfen keine städtischen Flächen mehr für sogenannte Exotenbörsen vermietet werden. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung von 2013 war ein Verbot gewerblicher Tierbörsen für exotische Tiere bereits vorgesehen, dieses wurde aber bisher nicht umgesetzt.
 
PETA appelliert an die Bevölkerung, tierschutzwidrige Veranstaltungen wie Terraristikbörsen, Reptilienausstellungen und Exotenmessen zu meiden. Das Motto der Tierrechtsorganisation lautet in Teilen, dass Tiere nicht dazu da sind, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Wer über die nötigen Fachkenntnisse verfügt, kann ein Tier aus einem Tierheim bei sich aufnehmen und so dazu beitragen, den Handel einzudämmen. Wissenswertes über die faszinierenden Reptilien lernen Kinder viel besser über entsprechende Dokumentationen, da Tiere in Freiheit ein anderes Verhalten zeigen als in Gefangenschaft.
 
[1] Toland, Elaine / Warwick, Clifford / Arena, Phillip (2012): Pet Hate. In: The Biologist, Vol. 59 No. 3.
[2] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie. 4. Leipziger Tierärztekongress.
[3] Robert-Koch-Institut: Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9.
 
Das PETA-ZWEI-Streetteam Stuttgart ist ein Verbund freiwilliger Aktivisten, die sich für die Ziele der Jugendkampagne PETA ZWEI der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. einsetzen.
 
WANN & WO
Datum: Samstag, 1. Dezember 2018
Uhrzeit: 13:00–14:30 Uhr
Ort: Messe Sindelfingen, Mahdentalstr. 116, 71065 Sindelfingen
Kontakt vor Ort: Steffen Lenhardt (den telefonischen Kontakt stellen wir auf Anfrage gerne her)
 

Reptilien werden wie billiger Trödel an jeden Interessenten verkauft. / © PETA Deutschland e.V.
 
Das druckfähige Motiv finden Sie hier zum Download.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Tierboerse-Sindelfingen-Petition
PETA.de/Exotenhandel
PETA.de/Christoph-M-Ohrt-Exotenboersen
 
Kontakt:
Lisa Kienzle, +49 711 860591-536, LisaKi@peta.de



Quelle : PETA.de

Bilder / Video Französischer Markt Wertheim 20.-22.05.2016 – Live Musik und Kulinarisches