Plauener Weihnachtscircus mit verhaltensgestörten Elefanten: PETA fordert kommunales Wildtierverbot


Plauen / Stuttgart, 18. Dezember 2018 – Traurige Weihnachten für Tiere: Ab Samstag gastiert Circus Afrika als „Plauener Weihnachtscircus“ mit Elefanten, Zebras und Kamelen in Plauen. Die Tierrechtsorganisation PETA übt scharfe Kritik an dem Zirkusbetrieb, weil den sensiblen Rüsseltieren trotz ihrer Stereotypien weiterhin Reisestress zugemutet wird. Zudem sind Circus Afrika und sein Chef Hardy Weisheit in der Vergangenheit wiederholt wegen Tierquälereien und Verstößen gegen die öffentliche Ordnung in die Schlagzeilen geraten. Erst im November wurde ein erstinstanzliches Urteil gegen den Zirkusdirektor wegen Körperverletzung an einer Amtsveterinärin [1] rechtskräftig, nachdem Weisheit seine Berufung zurückzog (Az.: Ns 902 Js 14516/16). Angesichts der gravierenden Missstände appelliert PETA an die Kommunalpolitiker, dem Beispiel von mittlerweile über 100 deutschen Städten und Kommunalvertretungen zu folgen, ein Zeichen für den Tierschutz zu setzen und ein Wildtierverbot für Zirkusse auf den Weg zu bringen. Dafür stellt die Tierrechtsorganisation auf ihrer Website einen rechtssicher gestalteten Musterantrag zur Verfügung, in dem vor allem die Abwehr von Gefahren durch Großwildtiere im Vordergrund steht.
 
„Circus Afrika ist einer der rücksichtslosesten Zirkusbetriebe des Landes und bereits dutzendfach negativ aufgefallen. Einem Zirkusdirektor, der wegen vorsätzlicher Körperverletzung zum Nachteil einer Amtsveterinärin verurteilt worden ist, müsste sofort die Reisegewerbekarte, die § 11-Genehmigung und damit die Tierhaltung untersagt werden. Nun sind auch die Kommunen und private Flächenvermieter gefragt, Zirkusbetrieben wie diesem zum Schutz von Mensch und Tier den Auftritt zu untersagen.“
 
Tierschutzverstöße, Sach- und Personenschäden bei Circus Afrika
PETA hat die Fehltritte des Zirkus in einer Chronik aufgelistet. Darunter findet sich eine Vielzahl von behördlichen Beanstandungen und Verfahren wegen der Tierhaltung, zahlreichen illegalen Landbesetzungen und wilden Plakatierungen sowie über ein Dutzend Ausbrüche der Elefanten, die oftmals mit Sach- oder Personenschäden endeten.
Erst im vergangenen Jahr verurteilte das Amtsgericht Erfurt den Zirkusdirektor zu einem Bußgeld, da er Elefanten während eines Gastspiels 2016 außerhalb des genehmigten Bereichs herumlaufen ließ und damit fahrlässig Menschen gefährdete (Az.: 653 Js 201266/1765). Beim „Spaziergang“ verletzte sich eines der Tiere; das Verfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz wurde jedoch eingestellt. 2017 verursachte ein Elefant bei einem Gastspiel in Barth einen erheblichen Sachschaden. Zahlreiche Videoaufnahmen aus vergangenen Gastspielorten zeigen das „Weben“ der drei Elefantendamen. Dabei schwingen die Tiere pausenlos mit Kopf und Rüssel hin und her – eine Folge mangelhafter Haltungsbedingungen und ein Zeichen für das schwere seelische Leiden der Tiere.
 
Kommunale Wildtierverbote weiterhin zulässig
Immer mehr Städte setzen ein Zeichen für den Tierschutz. Unter anderem haben Karlsruhe und Ingolstadt aufgrund der Risiken für Mensch und Tier ein kommunales Wildtierverbot beschlossen. Hinsichtlich der insgesamt uneinheitlichen Rechtsprechung verschiedener deutscher Gerichte bestätigt ein Gutachten aus dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, dass kommunale Wildtierverbote weiterhin zulässig sind – insbesondere, wenn neben tierschutzfachlicher Erwägungen auch der kommunalrechtlich relevante Aspekt der Gefahrenabwehr als ein wesentlicher Grund für das Verbot genannt wird, da die Verantwortung dafür bei den Kommunen liegt. Jährlich mehrere Dutzend, teils gefährliche Ausbrüche von Tieren im Zirkus bestätigen die Notwendigkeit einer weitergehenden Regelung.
 
Mehrheit der Deutschen befürwortet Wildtierverbot
In 27 europäischen Ländern, beispielsweise in Belgien, Österreich und in den Niederlanden, sind bereits bestimmte oder alle Tierarten im Zirkus verboten. Einer repräsentativen forsa-Umfrage zufolge sind 82 Prozent der Deutschen der Meinung, dass Wildtiere im Zirkus nicht artgerecht gehalten werden können. Auch der Bundesrat forderte 2016 erneut ein Verbot von Wildtieren im Zirkus und begründete in seinem Entschließungsantrag detailliert, warum sie erheblichem Leid ausgesetzt sind – unabhängig vom jeweiligen Betrieb.

PETAs Motto lautet in Teilen, dass Tiere nicht dazu da sind, um uns zu unterhalten. Die Tierrechtsorganisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod.

[1] https://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Zirkus-Afrika-gastiert-in-Weimar-Ueberleben-ist-ein-Drahtseilakt-2041061767.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/ChronikAfrikasBigCircus
PETA.de/Wildtierdressur
PETA.de/VerbotWildtiereImZirkus
 
Kontakt:
Lisa Kienzle, +49 711 860591-536, LisaKi@peta.de
 



Quelle : PETA.de

Bilder / Video Französischer Markt Wertheim 20.-22.05.2016 – Live Musik und Kulinarisches