Privilegien der griechisch-orthodoxen Kirche werden kritisiert

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Göring-Eckardt kritisiert Privilegien der griechisch-orthodoxen Kirche

 

Berlin (Deutschland), 11.07.2015 – Angesichts der Finanzkrise in Griechenland haben sich seit längerem verschiedene Politiker auch aus Deutschland mit Vorschlägen und Appellen gemeldet. Ein sehr weitreichender Vorschlag kam vor kurzem von Katrin Göring-Eckardt, eine der beiden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Sie appellierte vor allem an eine notwendige innere Strukturreform des Landes. In einem Interview mit der Tageszeitung DIE WELT sagte sie über die griechische Kirche: „Die ist nach dem Staat der zweitgrößte Immobilienbesitzer, zahlt aber kaum Steuern. Und die Priester werden vom Staat entlohnt.“

Göring-Eckardt war von 2009 bis September 2013 Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dieses Amt legte sie nach ihrer Wahl zur Vorsitzenden der Bundestagsfraktion ihrer Partei nieder. Sie sieht sich selbst als wertkonservativ-christlich in gesellschaftlichen und vielfach eher links in sozialpolitischen Fragen. Die Evangelische Kirche hat in Deutschland rund 23 Millionen Mitglieder und ist damit nach der Römisch-katholischen Kirche mit 24 Millionen die zweitgrößte christliche Konfession. Zur griechisch-orthodoxen Kirche gehört in Deutschland nur eine kleine Minderheit von rund 450.000 Gläubigen.

Staat und Kirche stehen in Griechenland in einem besonderen Verhältnis zueinander. So müssen alle Bischöfe vom Parlament bestätigt und umgekehrt neu gewählte Regierungen vom orthodoxen Erzbischof vereidigt werden. 2008 hatte sich auch das Oberhaupt der Kirche von Griechenland, Erzbischof Hieronymos II. von Athen, bei seiner Wahl für eine Überprüfung des Kirchenstatuts ausgesprochen. Das orthodoxe Christentum ist Staatsreligion in Griechenland. Die Stellung der Kirche wurde nur durch langsame Reformen verändert. 1982 wurde die Pflicht zur kirchlichen Trauung aufgehoben und die standesamtliche Ehe als gleichwertig anerkannt. Vor drei Jahren plante die Regierung eine Änderung bei der Bezahlung der Geistlichen. Durch stärkere Beteiligung der Kirchen an den Gehältern sollte die Staatskasse jährlich um rund 100 Millionen Euro entlastet werden. Für die rund 20.000 Priester wurden im Jahre 2012 über 200 Millionen Euro bezahlt. 97 Prozent der Griechen gehören zum orthodoxen Christentum, wobei die Kirche von Griechenland die größte Organisation ist. Die zweitgrößte Kirche ist das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel.

 

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