Rechtsprechung | Nds. Landesjustizportal – Dokument: OVG Lüneburg 10. Senat | 10 KN 43/18 | Urteil | Überprüfung der Aufhebung von Jagdzeiten für Bläss- und Saatgänse in Niedersachsen

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Nach dem Vogelkundlichen Bericht Niedersachsen 42 (2011) „Die Zwerggans Anser erythropus als Gastvogel in Niedersachsen: Vorkommen, Gefährdung und Schutz“ von Krüger / Kruckenberg (S. 89 bis 110, BA 004 im Parallelverfahren 10 KN 35/18, B13, im Folgenden: Vogelkdl. Ber.) ist die Zwerggans die am stärksten gefährdete Gänseart Eurasiens (S. 90). Der Weltbestand ist seit den 1940er Jahren um 90 % zurückgegangen (S. 99). Im Jahr 2011 hat dieser bei 25.000 bis 30.000 Paaren gelegen, wovon 200 bis 400 auf das europäische Russland entfielen und 25 Brutpaare auf Nordnorwegen (S. 99). Hinzu kamen noch 12 Paare infolge eines schwedischen Auswilderungsprojekts (S. 99). Neuere Nachweise von Zwerggänsen in Niedersachsen werden nach dem Vogelkundlichen Bericht zumeist auf Angehörige des schwedischen Aussetzungsprojekts zurückgeführt, in Einzelfällen auch auf die norwegische Reliktpopulation oder den russischen Bestand (S. 89, 99 f., 102). Mit Ausnahme des schwedischen Bestandes waren die Zahlen der anderen Restpopulationen im Jahr 2010 weiterhin rückläufig gewesen (S. 102). Nach der Einschätzung der Autoren war mit dem Aussterben der Art bzw. der westpaläarktischen Population in den nächsten Jahrzehnten zu rechnen, sofern der weitere Rückgang der Population, insbesondere durch die jagdbedingte Mortalität in den Winter- und Durchzugsgebieten, nicht gebremst werde (S. 102, 105). Die Jagd wurde als der wesentliche Gefährdungsfaktor für die Zwerggans gewertet (S. 102). 50 % der Junggänse und 10 % der Altvögel, die in Norwegen markiert worden waren, 16 % aller Vögel und 23 % der Jungvögel, die im Norden Sibiriens markiert worden waren und 15 % aller Vögel und 75 % der Jungvögel, die im Bereich des nördlichen Urals markiert worden waren, waren als geschossen zurückgemeldet geworden (S. 102). In einzelnen Regionen Kasachstans und Russlands war ein Anteil von 35 % an den Jagdstrecken ermittelt worden (S. 102). In der Westpaläarktis werden bei der legalen Gänsejagd nach Hochrechnungen mindestens 2.500 Zwerggänse jährlich und damit ca. 25 % des dortigen Bestandes trotz ganzjähriger Schonzeit irrtümlich oder illegal geschossen (S. 103). Auch in Deutschland ist es zu Abschüssen von Zwerggänsen gekommen, so sind in den drei Jahren vor 1998 von vier besenderten Zwerggänsen, die über Deutschland geflogen sind, zwei abgeschossen worden (S. 102). Im Jahr 2013 wurde von nur noch 100 in Skandinavien lebenden Individuen ausgegangen (Kruckenberg, Zwerggänse in Niedersachsen, Beitrag zur Rettung einer bedrohten Art, https://niedersachsen.nabu.de/imperia/md/content/niedersachsen/faltblaetter/hk_zwerggaense_web.pdf, S. 3). In weiten Teilen Nordrusslands und Sibiriens haben keine Brutpaare mehr beobachtet werden können. Insgesamt wurde der Brutbestand noch auf 1.000 Paare geschätzt, überwiegend am nördlichen Ural und auf der Taimyr-Halbinsel. In den Jahren 2012 und 2013 sei zudem die Hälfte der schwedischen Zwergganspopulation durch Prädatoren getötet worden (Kruckenberg, Zwerggänse in Niedersachsen, Beitrag zur Rettung einer bedrohten Art, https://niedersachsen.nabu.de/imperia/md/content/niedersachsen/faltblaetter/hk_zwerggaense_web.pdf, S. 5). Der nationale Bericht 2013 nach Art. 12 EU-Vogelschutzrichtlinie geht von einer Bestandsgröße von 10 bis 20 aus (BA 4 im Parallelverfahren 10 KN 35/18, B0; vgl. auch Vögel in Deutschland, Übersichten zur Bestandssituation, https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/monitoring/Dokumente/ViD_Uebersichten_zur_Bestandssituation.pdf, S. 52 für den Zeitraum 2011/12 – 2015/16: 10 bis 25). Die Zwerggans befindet sich weiterhin auf der globalen Roten Liste für gefährdete Vogelarten mit Stand Dezember 2016 (https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/vogelschutz/161206-nabu-global_red_list_german-gts.pdf). Die schwedische Brutpopulation hatte sich bis zum Winter 2016 wieder auf 73 Vögel erholen können (Abschluss Zwerggansprojekt, Zwerggans bleibt eine der bedrohtesten Vogelarten Europas, https://niedersachsen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/zwerggansprojekt/23123.html). Der weltweite Bestand wurde auch im Jahr 2018 als gefährdet und abnehmend eingestuft (The IUCN Red List of Threatened Species, Anser erythropus, https://www.iucnredlist.org/species/22679886/132300164#population). Nach dem Vorbringen des Antragsgegners wird die Größe der Population in der Europäischen Union derzeit auf 70 bis 90 Individuen geschätzt.

Quelle : Niedersachsen.de

Bilder: Titel Symbolbilder Niedersachsen by Pixabay.com / Niedersachsen.de

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