Skandal Nr. 2 : Tübinger Hirnforscher Nikos Logothetis führt umstrittene Affenversuche in China weiter

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Cock-Robin / Pixabay Symbolbild

Statement von PETA: „Flucht vor Ethik und Gesetz widerspricht wissenschaftlichem Standard“

Stuttgart, 29. Januar 2020 – Nikos Logothetis, Hirnforscher und Direktor des Max-Planck-Instituts für Kybernetik in Tübingen, hatte nach der Veröffentlichung der Aufnahmen aus seinem Labor und dem damit verbundenen Skandal die Affenversuche vorerst beendet. Nun wurde bekannt, dass er Ende dieses Jahres nach China geht, um dort wieder an Affen zu experimentieren. Anne Meinert, Kognitionsbiologin und Fachreferentin für den Bereich Tierversuche bei PETA, kommentiert:

Anne Meinert / © PETA Deutschland e.V.

„In Deutschland wurden die Affenversuche am Tübinger Max-Planck-Institut für Kybernetik viel diskutiert und aufgrund des öffentlichen Drucks nicht mehr durchgeführt. Nikos Logothetis‘ Wechsel nach China bedeutet schlichtweg eine Abwanderung an einen Forschungsstandort, der niedrigere ethische und gesetzliche Anforderungen hat. Diese Praxis des ‚ethics dumping‘ wird stark kritisiert, unter anderem von einem EU-Projekt zur Etablierung hoher wissenschaftlicher Ethikstandards. Für Logothetis‘ Experimente wird Affen der Schädel aufgebohrt, um Elektroden in ihr Gehirn zu stecken, und sie bekommen beispielsweise zeitweise weder Nahrung noch Wasser – das ist reine Tierquälerei und hat nichts mit renommierter Wissenschaft zu tun. Es steht uns nicht zu, fühlende Lebewesen für unsere Zwecke und unseren Wissensdurst zu missbrauchen. Daher fordern wir Herrn Logothetis auf, weder in Deutschland noch sonst wo auf der Welt Tierversuche durchzuführen und sich stattdessen auf humanrelevante Methoden zu konzentrieren.“

Wir weisen darauf hin, dass das Statement auch in gekürzter Form verwendet werden kann.

 

Weitere Informationen:
PETA.de/Themen/Tierversuche
PETA.de/Themen/Blogserie-Tierversuche
GlobalCodeofConduct.org/wp-Content/uploads/2018/05/Global-Code-of-Conduct-Brochure.pdf
Trust-Project.eu/WP-Content/Uploads/2016/03/TRUST-664771-Paradigmatic-Case-Studies-WP1-Final.pdf
 

Quelle : PETA.de

Bildergalerie Abrissparty Tauberbrücke Wertheim + Video , 12.03.2016

1 Kommentar

  1. Herr Logothetis wird also demnächst nach China überwechselt, um seine „berühmten“ Affenversuche, die er ja vor einiger Zeit noch in der Uni Tübingen durchführen durfte, erneut zu beginnen.

    Mal abgesehen davon, dass China wohl mit das letzte Land auf dieser Erde ist, welches sich den ethischen Umgang mit unseren nicht-menschlichen Mitlebewesen auf’s Staatsbanner geschrieben hat, lässt Herrn Logothetis‘ Intention, ab sofort in einem Land „forschen“ zu wollen, welches keine ethischen Standards hinsichtlich des Gebrauchs von Versuchstieren hat, doch Rückschlüsse auf seine eigenen ethischen Standards zu. „Ethics Dumping“ ist ja in dieser Hinsicht das Stichwort.

    Ich weiß nicht, wie viele weitere Jahre Herr Logothetis damit verbringen will, die einzelnen Neuronen in Makakenhirnen zu vermessen, aber vielleicht kann er uns ja einmal mitteilen, inwieweit diese jahrelange „Affenfolter“ die Behandlung von Parkinson und Alzheimer vorangebracht hat. Ferner hat Herr Logothetis nach Beendigung der Affenversuche in Tübingen ja durchaus weiter an Tierhirnen geforscht, nur durften sich dieses Mal Nagetiere seiner Aufmerksamkeit erfreuen. Nun sind ja leider Nagerhirne keine Makakenhirne (so wenig wie Makakenhirne Menschenhirne sind), von daher ist Herrn Logothetis‘ Entscheidung durchaus zu verstehen.

    Weiterhin wird in dem Artikel erwähnt, dass sich Herr Logothetis in neurowissenschaftlichen Kreisen weltweit eines hohen Renommées erfreut. Das verwundert keineswegs, da eine „Experimentatorenkrähe“ einer anderen kein Auge aushackt. Wieso sollte sie auch: Sie macht ja auch nichts anderes als Tiere quälen. Verkrustete (Denk)Strukturen in der Scientific Community sowie üppige staatliche Forschungsgelder (unser Steuergeld) tragen ihr Übriges dazu bei, dass sich diese Dinge auch nicht ändern werden. Zumindest nicht ohne Druck von außen.

    Bezüglich der modernen Alzheimerforschung sollte sich Herr Logothetis vielleicht einmal mit Forschern wie Dr. Ann Lam kurzschließen. Sie ist in dem Bereich tätig und scheint mit wesentlich mehr ethischen Bedenken, was die tierbasierte Forschung angeht, ausgestattet zu sein als Herr Logothetis. Nach allem, was ich bisher von Dr. Lams Arbeit gesehen und gelesen habe, bin ich der Meinung, dass ihre Methoden (Organ on a Chip, gentechnisch hergestellte pluripotente Stammzellen, CRISPR/CAS9, bildgebende Verfahren) wahrscheinlich weitaus besser geeignet sind, neurodegenerative Erkrankungen endlich wirklich therapieren zu können als die weitere Vermessung von Affenhirnen durch Herrn Logothetis in China.

    Bezüglich der angesprochenen „Verzweiflung, Schlafstörungen, Depressionen“, die Herrn Logothetis nach Veröffentlichung der Affenquälereien und der damit verbundenen Kritik an tierbasierter Forschung an Affen im Speziellen und anderen Tieren im Allgemeinen, geplagt haben – vielleicht hat er, was die Verzweiflung angeht, nachempfinden können, was die Affen (und Nagetiere) seines Instituts gefühlt haben, während er an ihnen „geforscht“ hat. Und was die Depression angeht, ist ihm vielleicht sogar klargeworden, wie herzlich wenig Jahrzehnte der Tierqual, angefangen von Harlow’s Affendeprivationsversuchen in den 1930ern bis hin zu dem immer noch gerne durchgeführten forcierten Schwimmtest an Mäusen und Ratten, auf diesem Sektor gebracht haben. Ich kenne mich da ein bisschen aus, weil ich selbst Depressionspatient bin. Ich bin übrigens der Meinung, dass Tierexperimentatoren tatsächlich Defizite im Gehirn, speziell im limbischen System, haben müssen. Vielleicht sollte sich die neurobiologische Grundlagenforschung daher vermehrt mit diesem Phänomen befassen.

    Und last but not least: Herr Logothetis bezeichnet uns „Antivivisektionisten“ ja gerne als Menschen, die das Leid ihrer Mitmenschen niedriger bewerten als das einer Maus, und die sich lieber für Versuchstiere einsetzen, anstatt der Menschheit zu helfen. Ich würde dies gerne so kommentieren: Jedes Lebewesen hat ein Recht auf ein Leben ohne Schmerz, Verzweiflung und Tod, ganz egal welcher Spezies es angehört. Und Herr Logothetis hätte vielleicht lieber „Arzt ohne Grenzen“ werden sollen; diese Organisation tut weitaus mehr für die Menschen als er es je getan hat bzw. tun wird.

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