Stadtverwaltung Wertheim : Alkohol, Drogen und das Internet als Herausforderung – Arbeitskreis Sucht- und Gewaltprävention tauschte sich aus

Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen war eines der Themen im Arbeitskreis Sucht- und Gewaltprävention. Foto: Stadt Wertheim

Auch in der 26. Gesprächsrunde seit seiner Gründung gehen dem Arbeitskreis Sucht und Gewaltprävention die Themen nicht aus. Dem Gremium gehören vor allem Fachleute der Kinder- und Jugendarbeit an. Unter der Leitung von Bürgermeister Wolfgang Stein befasste es sich in der jüngsten Sitzung mit den Schwerpunkten Drogen- und Alkoholmissbrauch, der Kriminalitätsentwicklung im Bereich der illegalen Drogen und einem Sicherheitslagebericht des Polizeireviers Wertheim. Dabei wurden auch unterschiedliche Wahrnehmungen und Einschätzungen der Experten deutlich.

So stellte etwa Matthias Schulz von der Suchtberatung der AGJ im Main-Tauber-Kreis fest, dass die Zahl der Fälle von Cannabis- oder Alkoholmissbrauch rückläufig sei, während die Zahl der Klienten, die mit illegalen Substanzen wie Opioiden, Kokain oder anderen Substanzen in Kontakt gekommen sind, im Steigen begriffen sei . Das hingegen wollte Polizeihauptkommissar Matthias Volk als Vertreter des Polizeireviers Wertheim so nicht ganz bestätigen. Aus Sicht der Polizei sei ein Anstieg auch bei den Fällen mit Cannabis durchaus erkennbar.

Einem bundesweiten Trend folgend gebe es auch im Main-Tauber-Kreis eine hohe Verfügbarkeit von Cannabis, führte Volk weiter aus. Für Wertheim konstatierte er einen gewissen Wandel in der Rauschgiftszene. Es seien starke Drogen, bei Amphetaminen gebe es Anzeichen für steigenden Konsum. Positiv bewerteten sowohl der Polizeibeamte als auch Matthias Schulz den drastischen Rückgang beim Konsum von sogenannten „Legal Highs“. Sie führten dies zum einen auf eine Gesetzesänderung zurück, zum anderen darauf, dass die Präventionsarbeit an verschiedenen Stellen durchaus Wirkung zeige.

Auf Nachfrage aus dem Arbeitskreis erklärte Polizeihauptkommissar Volk, es sei keine Seltenheit, das auch Dealer aus afrikanischen Ländern, aus dem Nahen Osten und aus Südosteuropa im Handel mit Betäubungsmitteln aktiv sind. Entsprechende Delikte würden aber ebenso von Deutschen begangen und Wertheim steche keinesfalls besonders hervor.

Ein weiterer Schwerpunkt der Gesprächsrunde war das Thema Alkoholmissbrauch. Die kommunale Suchtbeauftragte beim Landratsamt des Main-Tauber-Kreises, Annemarie Betz, wies auf das Ranking des Statistischen Landesamtes zu den alkoholbedingten Krankenhausbehandlungen von 13- bis 19-Jährigen in Baden-Württemberg hin. In dieser Statistik habe der Main-Tauber-Kreis in den vergangenen zehn Jahren immer sehr schlecht abgeschnitten. Betz äußerte die Vermutung, dies könne mit der Lage im ländlichen Raum zusammenhängen. Diese mögliche Ursache wollte auch Christina von Wedel vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium nicht von der Hand weisen. Gerade den nicht mobilen Jugendlichen fehle es an Freizeitmöglichkeiten.

Konkrete Anlässe, etwa besondere Feste, die Jugendliche vor ihrer alkoholbedingten Einlieferung ins Krankenhaus besucht haben, gibt es laut Annemarie Betz nicht. Häufig seien private Feiern und das sogenannte „Vorglühen“ zu Hause Auslöser für die stationäre Aufnahme. Wie Axel Wältz, Wertheimer Stadtrat und Mitglied des Messeausschusses informierte, hätten Fahrgeschäftsbetreiber berichtet, dass Jugendliche die Angebote weniger nutzten, da sie oft schon durch das „Vorglühen“ nicht mehr in der Lage seien, eine Fahrt zu absolvieren. Für die Polizei hingegen war das „Vorglühen“ bei der diesjährigen Michaelismesse kein Problem, sagte Polizeihauptkommissar Volk. Insgesamt habe es nur zwei Einsätze mit alkoholisierten Jugendlichen gegeben. „Altstadtfest und Messe waren nicht auffällig“, unterstrich der Beamte.

Referatsleiter Uwe Schlör-Kempf war aufgefallen, dass in dem von Matthias Volk vorgestellten Sicherheitslagebericht die Fallzahlen bei sogenannter Schulgewalt eher unauffällig erscheinen. Lothar Fink, Rektor der Gemeinschaftsschule Wertheim und Manfred Breuer, Leiter des Beruflichen Schulzentrums in Bestenheid erläuterten, dass ohne eine Meldung durch die betroffenen Schüler keine Reaktion durch die Schulen erfolgen könne, da diese erst Kenntnis von den Vorfällen erhalten müssten.

Schulsozialarbeiterin Susanne Deivel wies auf die Präventionsstrategien hin, die die Schulen zum Thema Gewalt entwickelt haben. Als Beispiele nannte sie den Einsatz von Streitschlichtern oder den Täter-Opfer-Ausgleich. Auf Nachfrage von Bürgermeister Stein meinte Deivel, ihrer Beobachtung nach gebe es keine Steigerung bei den Fallzahlen, Fink sprach hingegen von einer leichten Zunahme. Polizeihauptkommissar Volk ergänzte, dass es im Bereich der Gewalt an Schulen sicher eine hohe Dunkelziffer gebe. Naturgemäß würden niederschwellige Zankereien aus nachvollziehbaren Gründen meist ohne Polizei geregelt.

Für die Zukunft sieht Volk das Internet, vor allem auch das „Dark Net“, als große Herausforderung an. Dort seien auch Drogen verfügbar und könnten auf Bestellung nach Hause geliefert werden. Im Hinblick auf Straftaten zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen sei besonders dieser Zielgruppe wie auch Eltern der sachgerechte Umgang mit diesen Medien zu vermitteln. Das Tatmittel, der PC oder das Handy mit Internetanschluss, sei mittlerweile nämlich in vielen Kinderzimmern vorhanden.

Quelle : Wertheim.de
https://wertheimerportal.de/bilder-wertheimer-weihnachtsmarkt-adventskalender-tag-14-im-da-barista-und-spitzer-turm-mit-nachtaufnahmen-14-12-2017/