Stadtverwaltung Wertheim : Ein großer Wissensschatz wurde gehoben – Archiv macht 600 Jahre Stadtgeschichte zugänglich

Dokumente über 600 Jahre Stadtgeschichte hat der Archivverbund Main-Tauber jetzt geordnet und als Online-Findmittel zugänglich gemacht (von rechts): Archivleiterin Dr. Monika Schaupp, OB Herrera Torrez und Archivmitarbeiterin Dr. Maria Rösler. Foto: Stadt Wertheim

Da ging dem studierten Historiker das Herz auf: Dokumente über 600 Jahre Stadtgeschichte stehen nun optimal aufbereitet und über das Internet leicht greifbar zur Verfügung. „Traumhaft“ empfand Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez die Recherchemöglichkeiten, die das Bronnbacher Archiv damit nun bietet. Unter dem Projekttitel „Erschließung Altbestände des Stadtarchivs“ hat eine wissenschaftliche Mitarbeiterin in zweieinhalb Jahren Arbeit 24 laufende Meter Akten zur Stadtgeschichte geordnet, verzeichnet und als Online-Findmittel bereitgestellt. „Damit wurde ein großer Wissensschatz gehoben“, freute sich der OB bei der Präsentation des Projekts am Donnerstag im Archivverbund Main-Tauber. Und fügte hinzu: „Ich bin überzeugt: Eine Stadt wie Wertheim, die sich entwickeln will, muss um ihre Geschichte wissen.“

Dass die Bestände zur Wertheimer Stadtgeschichte aus dem Zeitraum 1306 bis 1937 nicht geordnet waren, „lag uns lange schwer im Magen“, bekannte die Leiterin des Archivverbunds, Dr. Monika Schaupp. Die Archivalien waren lediglich in Kartons verpackt. Handschriftliche Hinweise über den Inhalt waren fehlerhaft oder unvollständig. Häufig ging der Inhalt der Kisten querbeet: Urkunden neben Akten, private Briefe neben amtlichen Rechnungen oder Kriegsakten neben Testamenten.

Unter den im Internet zugänglichen Schätzen ist auch die älteste Urkunde der Stadt Wertheim aus dem Jahr 1306. Foto: Stadt Wertheim

In diesen Beständen Ordnung zu schaffen, war für das Archiv zusätzlich zum Tagesgeschäft nicht leistbar. Deshalb wurde die Aufgabe als Projekt konzipiert und gemeinsam mit der Stadtverwaltung zur Förderung bei der Stiftung Kulturgut des Landes Baden-Württemberg eingereicht. Die Stiftung übernahm 50 Prozent der Kosten von 80.000 Euro, die andere Hälfte war durch die Stadt zu finanzieren.

Am 1. Juli 2017 machte sich Archivmitarbeiterin Dr. Maria Rösler auf Basis eines Werkvertrags an die Arbeit. Zunächst galt es, die in einer handschriftlichen Zettelkartei vermerkten Archivalien nach heutigen wissenschaftlichen Standards durchgehend neu zu erschließen, also zu ordnen und zu beschreiben. Dann wurden alle unverzeichneten und in Unordnung geratenen Unterlagen Karton für Karton ans Tageslicht geholt und dem Nicht-Wissen entrissen. „Jede Kiste war eine Überraschung,“ so die Wissenschaftlerin.

Jedes einzelne Dokument wurde erfasst, verzeichnet und mit Schlagworten für Orte und Personen versehen. Insgesamt hat Dr. Maria Rösler auf diese Weise rund 4.700 Titel aufbereitet. Dank dieser Systematik konnte sie Einzelblätter wieder zu umfangreichen Akten vereinen. Auch Hinweise auf andere, inhaltlich ähnliche Archivalien in den Beständen von Kreis-, Stadt- oder Staatsarchiv wurden aufgenommen. Im Internet sind diese Einheiten über einen Link miteinander verknüpft und die Schlagworte sind zu einem Orts- und Personenregister zusammengeführt.

Wie bequem Forscher und Geschichtsinteressierte im Internet auf die Archivalien zugreifen können, demonstrierte Dr. Maria Rösler am Ende ihrer Präsentation. OB Herrera Torrez war beeindruckt: „Das hätte ich mir während meines Studiums oft gewünscht.“ Er bezeichnete es als beispielgebend für andere Kommunen und Archive, dass ein so umfangreicher Bestand nun online zugänglich gemacht wurde. Die Recherchemöglichkeit im Internet begeistere nicht nur Geschichtsinteressierte. Sie habe auch für die Bürgerschaft einen großen Mehrwert, zum Beispiel bei der Ahnenforschung oder bei der Klärung von Grundstücksangelegenheiten.

Der Oberbürgermeister dankte allen, „die zum Gelingen dieses Mammutprojekts beigetragen haben.“ Einmal mehr sei zudem deutlich geworden, welcher Segen für Wertheim der Archivstandort als Verbund von Stadt-, Kreis- und Staatsarchiv sei.

Zu den Unterlagen zur Stadtgeschichte Wertheim als Online-Findmittel gelangt man über die Internetseite des Landesarchivs Baden-Württemberg. Die neu erfassten Bestände sind auffindbar unter:  https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/suche/index.php?ausgangsarchiv=7 Über eine Warenkorb-Funktion können Nutzer Archivalien zur Einsicht im Lesesaal des Archivverbunds bestellen.
Quelle : Wertheim.de

Bildergalerie Abrissparty Tauberbrücke Wertheim + Video , 12.03.2016