Stadtverwaltung Wertheim : Modellprojekt unterstützt Arbeit in Kitas – Pädagogische Fachstelle startet am 1. März

 

Die pädagogische Fachberatung für die Wertheimer Kitas stellten vor (von links): Beate Maier vom Caritasverband, Dezernatsleiter Helmut Wießner, Fachberaterin Tamara Bartsch, Bernhard Bopp vom Caritasverband und Pfarrerin Dr. Verena Mätzke. Foto: Stadt Wertheim

Ein aggressives, leicht reizbares Kind, das sich nicht integrieren kann und Grenzen und Gruppen zu sprengen droht. Für Erzieherinnen und Erzieher in Kinderbetreuungseinrichtungen ist das häufig Berufsalltag. In Wertheim erhalten sie jetzt Unterstützung bei der Bewältigung ihrer zunehmend anspruchsvollen Arbeit. Am 1. März startet hier als Novum in der Kindergartenlandschaft eine pädagogische Fachberatung. Das unter Federführung der Stadt Wertheim entwickelte Modellprojekt wurde nun in einem Pressegespräch vorgestellt.

Der steigende Anteil von Kindern mit sozial-emotionalem Förderbedarf ist für das Personal in den 23 Kindertagesstätten in Wertheim zur Herausforderung geworden. In einer Kooperation von Stadt Wertheim, dem Caritasverband im Tauberkreis sowie der evangelischen und der katholischen Kirche wird deshalb eine Fachstelle für pädagogische Beratung eingerichtet. Für Dezernatsleiter Helmut Wießner ist das „ein weiterer wichtiger Baustein zur Unterstützung der mehr als 200 Erzieherinnen und Erzieher“. Er geht davon aus, dass die Arbeit der Fachstelle sich zu einem späteren Zeitpunkt auch positiv in den Schulen auswirken wird.

Entwickelt hat das Modellprojekt eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Referats Bildung und Familie, erläuterte dessen Leiter Uwe Schlör-Kempf. Das Konzept wurde im Dezember vergangenen Jahres im Rahmen der Kindertagesstätten-Bedarfsplanung dem Gemeinderat vorgestellt und von diesem gebilligt. Bis zum 31. Dezember 2021 will man nun Erfahrungen sammeln und auswerten. „Alle Beteiligten streben eine Fortführung über diesen Zeitraum hinaus an“, betonte Schlör-Kempf.

Die Fachstelle soll den Erzieherinnen und Erziehern schnelle und unmittelbare Hilfestellung geben bei Problemlagen, die im Team nicht gelöst werden können. Außerdem soll sie die Zusammenarbeit mit den Eltern unterstützen. Finanziert wird das Modellprojekt mit jährlich 40.000 Euro von der Stadt Wertheim und jeweils 10.000 Euro von der evangelischen und der katholischen Kirche. Träger ist der Caritasverband im Tauberkreis.

Man sei sich schnell einig gewesen, dass die Erzieherinnen und Erzieher ein angemessenes Beratungsangebot benötigen, das zeitnah, unkompliziert und kompetent zur Verfügung stehen solle, erklärte Beate Maier, Bereichsleiterin Beratung beim Caritasverband. Es gebe immer mehr Mädchen und Jungen mit herausforderndem Verhalten oder mit sozial-emotionalen Bedürfnissen. „Und häufig ist es dann nicht nur ein, sondern es sind mehrere Kinder in einer Gruppe, die zeitgleich die volle Aufmerksamkeit beanspruchen.“ Dadurch stießen Erzieherinnen und Erzieher an ihre Grenzen, sie erkrankten „oder hängen sogar ihren Beruf an den Nagel“.

Dies möglichst zu verhindern helfen, wird ab dem 1. März eine der Hauptaufgaben von Tamara Bartsch sein. Sie ist Erzieherin, Sozialpädagogin und war in ihrer bisher über 14-jährigen beruflichen Laufbahn in mehreren Kindertagesstätten mit unterschiedlichsten Milieus betraut. „Grundlage meiner Arbeit soll es sein, die Erzieherinnen und Erzieher in die Lage zu versetzen, alle Kinder in einer Einrichtung mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten mitzunehmen“, erläuterte Bartsch im Pressegespräch.

Gleich zu Beginn will Tamara Bartsch Kontakt zu allen Kindertagesstätten-Teams aufnehmen und mit diesen das künftige Beratungsangebot abstimmen. In regelmäßigen Abständen soll es auch eine Fachgruppe „Kollegiale Fachberatung“ geben. Bartschs Tätigkeit als Fachberaterin umfasst 75 Prozent. Weitere 25 Prozent entfallen auf die Arbeit in der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Caritasverbandes. Auf den Vorteil dieser engen Verzahnung wies dessen Leiter Bernhard Bopp besonders hin.

Die Einrichtung der Fachstelle sei ein Novum in der Kindergartenlandschaft mit zumindest kreis-, wenn nicht gar landesweitem Modellcharakter, so Helmut Wießner und Uwe Schlör-Kempf abschließend. Unabhängig von der Trägerschaft könne die Beratungsstelle von allen Kindertagesstätten in Anspruch genommen werden. Für die kirchlichen Träger erhofft sich Pfarrerin Dr. Verena Mätzke von dem neuen, niederschwelligen Angebot, „dass es dadurch leichter möglich ist, auch ‚schwierige‘ Kinder nicht in Schubladen zu stecken oder sie zumindest schnell dort wieder herauszuholen.“
Quelle : Wertheim.de

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