Stadtverwaltung Wertheim : Trockenmauerbau – Überliefertes Wissen soll nicht verloren gehen

Feldmaurer Martin Bücheler erklärt die ersten Schritte beim Abbau einer schadhaften Trockenmauer. Foto: Landratsamt Main-Tauber-Kreis

Theorie und Praxis zum Trockenmauerbau vermittelt

 

Am Satzenberg zwischen Bronnbach und Reicholzheim fand auch dieses Jahr wieder ein zweitägiger Trockenmauerbaukurs statt. Wie das Landratsamt Main-Tauber-Kreis mitteilt, konnten die Teilnehmer das Sanieren von alten Weinbergstrockenmauern in Theorie und Praxis erlernen.

Organisiert wurde der Kurs von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg (LVG) und dem Kommunalen Landschaftspflegeverband Main-Tauber e. V. (KLPV) als Partner vor Ort. Der vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg mitfinanzierte Kurs fand nun schon das zweite Jahr in Folge im Satzenberg statt.

An vier Baustellen wurde im Reicholzheimer Satzenberg gearbeitet. Foto: Landratsamt Main-Tauber-Kreis
An vier Baustellen wurde im Reicholzheimer Satzenberg gearbeitet. Foto: Landratsamt Main-Tauber-Kreis

Landschaftsgärtner Martin Bücheler mit seinem Team aus Stuttgart sowie Feldmaurer Richard Lenz erklärten zunächst an einem Vormittag die Theorie der Sanierung der alten Mauern. Danach konnten die Teilnehmer im Gelände selbst Erfahrungen sammeln. In kleinen Gruppen mit jeweils einem Ausbilder wurde das Wesentliche des Mauerbaus in der Praxis erprobt. „Oftmals werden Mauern falsch saniert und halten so nur wenige Jahre“, klagte Martin Bücheler.

Inhalte des Kurses waren der ordentliche Abbruch der alten Mauer, das Lagern der Steine, das Setzen der Fundamentsteine, das Stellen des Schnurgerüstes und natürlich das Aufsetzen der Mauer mit einer fachgerechten Hintermauerung. Gerade die Hintermauerung stellt einen wesentlichen Bestandteil für die Stabilität der Trockenmauer dar. Martin Bücheler und Richard Lenz haben historische Mauern in verschiedenen Ländern untersucht. Das früher mündlich überlieferte Wissen um den Bau der Mauern nahm seit Beginn des 20. Jahrhunderts stetig ab. Die beiden wollen dem entgegenwirken und bieten deshalb jedes Jahr mehrere Trockenmauerbaukurse an. Auch ein Lehrbuch, das die richtigen Praktiken und viel Wissenswertes über die Sanierung beinhaltet, haben sie veröffentlicht. Dieses Buch kann über die LVG bestellt werden.

In der historischen Kulturlandschaft des Main-Tauber-Kreises befinden sich etwa 4000 Kilometer Natursteintrockenmauern. Viele der Mauern sind sanierungsbedürftig. Die alten Natursteinmauern haben als Lebens- und Rückzugsraum für viele Tier- und Pflanzenarten eine große ökologische Bedeutung und müssen aus diesem Grund nach dem Bundesnaturschutzgesetz als geschützte Mauerbiotope bewahrt werden.

Der Kommunale Landschaftspflegeverband setzt sich seit Langem für die Sanierung der alten Weinbergstrockenmauern ein. Jährlich werden durch den KLPV und Landwirte des Maschinenrings östlicher Tauberkreis etwa 200 bis 300 Quadratmeter Mauer saniert. Fachleute mit dem nötigen Wissen und Können gibt es leider wenige. Deshalb sieht der KLPV gerade in dem Kurs eine gute Möglichkeit, qualifizierte Leute zu gewinnen. Vier Teilnehmer des letztjährigen Kurses werden nun zum Beispiel in ihrer Heimatgemeinde Werbach selbst Trockenmauern sanieren und ihr erlerntes Wissen dort anwenden.

Feldmaurer Martin Bücheler erklärt die ersten Schritte beim Abbau einer schadhaften Trockenmauer. Foto: Landratsamt Main-Tauber-Kreis
Feldmaurer Martin Bücheler erklärt die ersten Schritte beim Abbau einer schadhaften Trockenmauer. Foto: Landratsamt Main-Tauber-Kreis

Das Feedback der Teilnehmer bei der Zertifikatübergabe am Ende der zwei Tage war durchweg positiv. Der Wiederaufbau von eingefallenen Natursteintrockenmauern ist zwar eine körperlich anstrengende Arbeit, die Teilnehmer des Kurses lobten jedoch gerade die praktischen Erfahrungen, die sie während der zwei Tage sammeln konnten. Auch 2016 wird es im Main-Tauber-Kreis wieder einen Trockenmauerbaukurs geben.

Stadtverwaltung Wertheim