Verbraucherzentrale : Amazon im Superlativ-Rausch: Aufgeblasener Prime-Day

Simon / Pixabay

12.07.2016

Amazon im Superlativ-Rausch: Aufgeblasener Prime-Day

Mit Marktschreier-Methoden begeht der Onlineriese den diesjährigen Exklusiv-Verkauf für Primemitglieder. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die aufgerufenen Rabatte vor dem Klick auf den Kaufen-Button genau zu überprüfen.

“Die größte Angebotsaktion aller Zeiten” hat Amazon für den 12. Juli ausgerufen – und Millionen Kunden müssen draußen bleiben. Denn nur sogenannte Primer dürfen “exklusiv” kaufen. Sie haben 49 Euro im Jahr an den Branchenprimus bezahlt. Dafür bekommen sie viele Artikel ohne Versandkosten und dürfen diverse Filme und Serien kostenlos streamen.

Am “Prime-Day” winken ihnen darüber hinaus nun Extra-Preisnachlässe von bis zu 50 oder 70 Prozent, bei “weltweit über 100.000 Angeboten”. Zeitdruck inklusive. Denn Prime-Day-Produkte sind zeitlich begrenzt und verschwinden bei Ausverkauf.

Doch aufgeblasen wie die Superlativ-Werbung wirken auch die Rabatte. Amazon vergleicht seine angeblichen Hammerpreise oft mit den unverbindlichen Preisempfehlungen (UVP) der Hersteller. Diese als Mondpreis verrufene Orientierung nutzen Händler meist nur, um sie gleich wieder durchzustreichen und durch billigere Preise zu ersetzen.

Blenden lassen sollten sich Käufer davon nicht. Schon mehrmals hat die Verbraucherzentrale NRW per Stichprobe gezeigt: Zieht man statt der UVP die üblichen Preise als Vergleich heran, schrumpfen die ausgerufenen Amazon-Rabatte von rund 50 Prozent schnell auf unter 20 Prozent. Noch ominöser wird es, wenn Amazon sich auf fiktive “Statt”-Preise bezieht, die der Branchenriese selbst nicht nimmt.

Solche Marktschreier-Methoden passen eher zu einem Abverkauf von Ladenhütern denn zum Aufruf begehrter Shopping-Hits. Wohl deshalb findet sich am Prime-Day immer wieder mal bei technischen Geräten ein kleiner Hinweis: “Für diesen Artikel ist ein neueres Modell vorhanden.”

Und bereits in der “Countdown-Woche” zum Prime-Day waren von 100 Produkten, die die Verbraucherschützer überprüften, mal gerade sechs aktuell in den Top10 der jeweiligen Bestsellerliste auf Amazon.

Zur Gelassenheit mahnt deshalb die Verbraucherzentrale. Trotz des Rummels und Zeitdrucks sollten Interessenten jedes Prime-Day-Angebot vor dem Kauf genau überprüfen – mit kostenlosen Preissuchmaschinen.

Wenn´s zeitlich knapp wird und das Schnäppchen attraktiv erscheint, kann auch mal der “Kaufen”-Button gedrückt werden. War das übereilt, sollte grundsätzlich das Widerrufsrecht helfen, um aus dem Vertrag zu kommen. Amazon gesteht Kunden sogar ein 30tägiges Rückgaberecht zu. Allerdings können dann Kosten für den Rückversand anfallen.

Zu oft sollten Primer das allerdings nicht machen. Denn Amazon kündigt Kunden, die zu viel retournieren, gerne mal das Konto.
Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.

 

verbraucherzentrale.nrw