Vorbild für viele? Grünes Gift – Kommentar von Andreas Härtel zum Krach bei den Grünen

Berlin Cathedral Sight City Urban  - Maria_Domnina / Pixabay
Maria_Domnina / Pixabay

 

Mainz (ots)

An dieser Stelle könnte man den Grünen gleich aus mehreren Gründen Applaus zollen. Weil ihre Ministerriege respektabel ist. Weil sie Cem Özdemir als ersten Sohn türkischer Einwanderer zum Bundesminister machen – und damit zum Vorbild für viele. Weil sie der Rheinland-Pfälzerin Anne Spiegel das Familienministerium anvertrauen – die nicht nur verdienstvolle Landesministerin und vierfache Mutter ist, sondern auch wie der FDP-Mann Volker Wissing Erfahrung mit der Ampel in Mainz mitbringt. Und doch ist es nun noch untertrieben, den Start der Grünen in die Ampel-Koalition im Bund als holprig zu bezeichnen. Die Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck haben unterschätzt, welche Fliehkräfte der Partei immer noch innewohnen. Die ganze Zeit haben sie die Flügelkämpfe von früher für erledigt erklärt. Jetzt wurden sie eines Besseren belehrt. Das muss zwar nicht dazu führen, dass die Grünen wieder ins Lagerdenken verfallen. Die Linken in der Partei werden wissen, dass die Regierungsbeteiligung ein Geschenk ist und Disziplin erfordert. Dafür spricht auch Anton Hofreiters besonnene Reaktion auf seine Ausbootung bei der Vergabe der Ministerien. Aber es könnte sich doch eine Portion Misstrauen einschleichen. Schon wird kolportiert, Baerbock und Habeck könnten ganz froh gewesen sein, dass die Grünen nicht das Verkehrsministerium bekamen – weil das Hofreiter als dessen Wunschressort kaum zu nehmen gewesen wäre. So etwas ist Gift für den Zusammenhalt. Und wer weiß, wie viele Parteilinke nun geduldig auf den Moment warten, in dem Baerbock oder Habeck persönlich politische Unterstützung brauchen. Um sich dann zu rächen.

 

Original-Content von: Allgemeine Zeitung Mainz, übermittelt durch news aktuell

Original Quelle Presseportal.de

https://wertheimerportal.de/notrufnummern-deutschland/