Wertheim / Main-Tauber-Kreis : „Multiresistente Erreger“ / Teil 6 von 6: Krankenhauskeime

Bakterien können gefährlich sein © Gerd Altmann, pixabay / Quelle : Main-Tauber-Kreis.de

Bei Multiresistenten Erregern wirken bestimmte Antibiotika nicht mehr. Dies ist zunächst nichts Ungewöhnliches, da Antibiotika nicht bei allen Erregern wirken. Beispielsweise helfen sie nicht bei viralen Infekten, sondern nur bei bakteriellen Erkrankungen. Aber auch Bakterien haben unterschiedliche Stoffwechselwege und sind deshalb nur gegenüber bestimmten Antibiotika empfindlich. Als „multiresistent“ werden Bakterien bezeichnet, die bestimmte, ursprünglich vorhandene Empfindlichkeiten gegenüber bestimmten Antibiotika verloren haben.

Bakterien sind Überlebenskünstler, da sie sich in extremer Weise an die jeweiligen Umgebungsbedingungen anpassen können. Das tun sie auch, wenn Antibiotika ihnen das Leben schwer machen. Das Erbgut des Bakteriums kann sich verändern. Die Folge ist, dass Antibiotika weniger bis keine Wirkung mehr zeigen. Die Resistenzeigenschaften können einerseits in der eigenen Zellfamilie bei den Zellteilungen weitergegeben werden. Unter bestimmten Bedingungen können sie auch an Mitglieder anderer Bakterienfamilien weitergegeben werden.

Der Staphylococcus aureus ist ein robuster kugelförmiger Erreger. Er ist häufig in den Atemwegen wie der Nase, den Ohren oder Lunge beheimatet. Er kann sich jedoch auch an Herzklappen, Knochen und Gelenken niederlassen. Zudem kann er über Wunden und Blutvergiftungen erworben werden. Wenn dieser dann resistent gegen das wichtige Antibiotikum Methicillin ist, spricht man vom Methicillinresistenten Staphylococcus aureus – kurz MRSA. Die Häufigkeit der Infektionen mit MRSA ist in den vergangenen Jahren glücklicherweise zurückgegangen, weil man diesen Keim gezielt gesucht und durch desinfizierende Maßnahmen bekämpft hat.

Wenn nun immer wieder wegen banaler Infekte Antibiotika gegeben werden, haben die resistenten Bakterien einen Vorteil, sie werden von den Antibiotika nicht angegriffen. Nur die empfindlichen Erreger werden durch das Antibiotikum bekämpft, die resistenten bleiben übrig und können sich ungehindert vermehren.

Viele Errungenschaften der modernen Medizin sind ohne wirksame Antibiotika nicht möglich. Deshalb ist es wichtig, diese Waffe „scharf“ zu halten. Antibiotika sollen nur eingesetzt werden, wenn dies wirklich gerechtfertigt ist: also nur bei bakteriellen Infekten, keinesfalls bei Grippe. Grippe ist ein Virusinfekt, gegen den es eine jährlich angepasste Impfung gibt.

Multiresistente Erreger sind in Krankenhäusern besonders gefährlich, da sie dort auch Patienten befallen können, die besonders empfänglich dafür oder besonders gefährdet sind, wie zum Beispiel Patienten nach Organtransplantationen, mit schwerwiegenden Vorerkrankungen, stark reduziertem Immunsystem oder Frühgeborene. In diesem Zusammenhang werden MRE als „Krankenhauskeime“ bezeichnet. Deshalb werden in den Kliniken bei diesen Patientengruppen besondere Schutzmaßnahmen ergriffen. „Allerdings kommen die Erreger aus einer Umwelt ins Krankenhaus, in der zu viel, zu oft und unkritisch Antibiotika eingesetzt werden, wodurch sie einen Überlebensvorteil gewinnen – diesen sollten wir ihnen aber nicht lassen!“, betont Dr. med. Bernhard Lippmann-Grob, Leitender Oberarzt und Krankenhaus-Hygieniker der Diabetesklinik Bad Mergentheim sowie Mitglied des MRE-Netzwerks.

ÜBER DIE SERIE

Das MRE-Netzwerk Main-Tauber-Kreis möchte mit dieser Serie einen Beitrag zu mehr Wissen über multiresistente Erreger leisten. In insgesamt sechs Teilen werden wichtige Informationen über Multiresistente Erreger kurz zusammengefasst. Dieses war der letzte Teil. Bei Fragen stehen Ansprechpartner im Gesundheitsamt des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis zur Verfügung, Tel.: 09341/82-5579, E-Mail: gesundheitsamt@main-tauber-kreis.de. Weitere Informationen und Merkblätter stehen unter www.main-tauber-kreis.de/gesundheitskonferenz zum Download bereit.

Autor/in: Dr. Bernhard Lippmann-Grob

Quelle : Main-Tauber-Kreis.de

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