Wertheimer Standesamt bietet Sprechstunden im Krankenhaus

Die Sprechstunden des Standesamts in der „Außenstelle“ Rotkreuzklinik haben sich in kürzester Zeit sehr bewährt. Foto: Stadt Wertheim

Zum Baby gibt´s ganz schnell die Geburtsurkunde

Standesamt bietet Sprechstunden im Krankenhaus

 

Seit Ende Oktober bietet das Standesamt der Stadtverwaltung Wertheim für junge Familien einen besonderen Service: Es ist an zwei Vormittagen pro Woche direkt in der Rotkreuzklinik präsent. Standesbeamter Dietmar Rauer bearbeitet Geburtsanzeigen vor Ort, so dass die Eltern die Geburtsurkunden ihrer Neugeborenen noch vor der Entlassung aus dem Krankenhaus in Empfang nehmen können. Die Außensprechstunde des Wertheimer Standesamts hat sich innerhalb kürzester Zeit bewährt. Bürgermeister Wolfgang Stein und Ärztlicher Direktor Dr. Wilhelm Freiherr von Lamezan waren dabei, als am Donnerstag Franziska und Fabian Feix die Urkunde für Töchterchen Sophia Marie erhielten.

Vor Einrichtung der Sprechstunde im Krankenhaus lief es so ab: Ein Bote brachte die Geburtsanzeigen vom Krankenhaus ein- bis zweimal pro Woche ins Rathaus. Die Eltern mussten dann persönlich im Standesamt erscheinen, um die Geburtsurkunde abzuholen und die vorgelegten Dokumente zurück zu erhalten.

Zuvor hatten die Hebammen im Krankenhaus gemeinsam mit den Eltern den Vordruck zur Geburtsanzeige ausgefüllt. Doch oft fehlten Urkunden und Dokumente, die zusätzlich zur Geburtsanzeige vorzulegen sind. Standesbeamter Dietmar Rauer hat dafür Verständnis: „Die Familienkonstellationen sind sehr unterschiedlich. Vor allem wenn ausländische Eltern involviert sind, wird es kompliziert.“ So reifte bei ihm der Vorschlag, dass die Eltern nicht mehr zum Standesamt kommen, sondern umgekehrt. Umgesetzt wurde der Vorschlag dann nach dem Umzug der Rotkreuzklinik in den Neubau am Reinhardshof.

Seit 26. Oktober hat Dietmar Rauer nun seinen Arbeitsplatz zweimal pro Woche in der Rotkreuzklinik: jeden Montag und Donnerstag von 8 bis 13 Uhr. Innerhalb kürzester Zeit kann er den Eltern die Geburtsurkunde ihres Neugeborenen aushändigen. Im schnellsten Fall war dies vier Stunden nach Geburt. „In 60 Prozent der Fälle erhalten die Eltern die Urkunde am ersten Tag, in 40 Prozent am zweiten.“ Früher dauerte es schon mal zwei Wochen, bis die Eltern Zeit und Gelegenheit hatten, mit dem Neugeborenen zu einem Termin ins Standesamt im Rathaus zu kommen. Dietmar Rauer macht dieser Außeneinsatz viel Freude: „Man ist nah bei den Menschen und kann ihnen helfen.“

Der neue, familienfreundliche Service funktioniert in allen „einfachen“ Fällen, wenn also die Eltern in Wertheim leben und/oder beide Deutsche sind. Das ist bei etwa der Hälfte der Geburten der Fall. In komplizierteren Familienkonstellationen und wenn die Eltern eine ausländische Staatsangehörigkeit haben, kann der Standesbeamte vor Ort zeitnah und kompetent darüber beraten, welche Dokumente gebraucht werden. Und er kann Unterlagen sichten, fotokopieren, beglaubigen und die Originale gleich wieder zurückgeben. Auch Namenserklärungen oder Vaterschaftsanerkennungen sind im Krankenhaus möglich. Die Geburtsurkunde schickt das Standesamt der jungen Familie dann zu – das spart Zeit und Wege.

Alles schart sich um die kleine Sophia Marie (von links): Standesbeamter Dietmar Rauer, Ärztlicher Direktor Dr. von Lamezan, Bürgermeister Stein und die jungen Eltern Fabian und Franziska Feix. Foto: Stadt Wertheim
Alles schart sich um die kleine Sophia Marie (von links): Standesbeamter Dietmar Rauer, Ärztlicher Direktor Dr. von Lamezan, Bürgermeister Stein und die jungen Eltern Fabian und Franziska Feix. Foto: Stadt Wertheim

Seit Einrichtung der Sprechstunde im Krankenhaus Ende Oktober hat Dietmar Rauer auf diese Weise bereits 52 Geburten abgeschlossen und 14 Beratungsgespräche in komplizierteren Fällen geführt.

Auch die Leitung des Rotkreuzkrankenhauses schätzt die schnelle und gute Betreuung der Familien durch das Standesamt vor Ort. Ärztlicher Direktor Dr. Wilhelm von Lamezan: „Für die jungen Eltern ist es sehr entlastend zu wissen, dass die Formalitäten schon zum Zeitpunkt der Entlassung erledigt sind.“ Gerne stellt die Krankenhausleitung deshalb einen Arbeitsplatz für das Standesamt zur Verfügung. An technischer Ausstattung braucht es nur einen Computer mit Zugang zum EDV-Programm des Standesamts sowie einen Drucker. Das Standesamt vor Ort ist, weil in der weiten Region bisher einmalig, ein klarer Qualitätsvorteil für die Rotkreuzklinik.

Über 400 Kinder werden bis Ende 2016 in der Rotkreuzklinik zur Welt gekommen sein, etwa 50 mehr als im Vorjahr. Die Sprechstunde des Standesamts dürfte also auch weiterhin gut ausgelastet sein. Sprichwörtlich begleitet das Standesamt die Menschen ja von der Wiege bis zur Bahre. Inzwischen nutzen den Service auch Bestattungsunternehmen. Sie können einen Sterbefall ebenfalls direkt im Krankenhaus anzeigen und abschließend beurkunden lassen.

Stadtverwaltung Wertheim