Zoll online – Predazzo 2018


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Die 65. Internationalen Zollskiwettkämpfe fanden vom 26. bis 30. März 2018 in Predazzo in den Dolomiten statt. In dem in der Provinz Trentino gelegenen Austragungsort befindet sich bereits seit dem Jahr 1920 die Scuola Alpina Guardia di Finanza. Diese beheimatet auf gut 1.000 Meter Höhe neben einigen Ausbildungskompanien auch die Wintersportlerinnen und -sportler der Gruppi Sportivi Fiamme Gialle, der professionellen Sportfördereinheit der italienischen Finanzpolizei.

Trotz des strahlend blauen Himmels und der traumhaften Schneeverhältnisse, die ideale Bedingungen für die anstehenden Wettkämpfe versprachen, war die Stimmung beim ersten Team Captains Meeting doch gedämpft. Bereits im Vorfeld nämlich hatten die Verantwortlichen der Schweizer Zollverwaltung ihre Absicht kundgetan, ab dem kommenden Jahr keine Delegation mehr zu den Internationalen Zollskiwettkämpfen zu entsenden. Diese Ankündigung prägte unweigerlich die Gesprächsthemen des ersten gemeinsamen Austauschs, und ausnahmslos alle Teilnehmenden waren sichtlich betroffen und traurig ob dieser doch überraschenden Entscheidung.


Zur nachmittäglichen Eröffnungsfeier der Zollskiwettkämpfe versammelten sich am 27. März 2018 zahlreiche Schaulustige im Zentrum von Predazzo und hießen die Delegationen der fünf teilnehmenden Alpennationen herzlich willkommen.

Eigens zur Teilnahme an dieser Zeremonie hatte die Guardia di Finanza zahlreiche Grundschulkinder aus dem Val di Fiemme mit Bussen abgeholt, und diese freuten sich lautstark über die willkommene Abwechslung zum Schulalltag. Eifrig schwenkten sie die kleinen Fahnen, die man ihnen zur Verfügung gestellt hatte, und bejubelten unermüdlich die vielen anwesenden Ski-Idole, die sie ansonsten nur aus dem Fernsehen kennen.

Dementsprechend beliebt bei den Kindern waren im Anschluss an den offiziellen Teil der Feierlichkeit Handy-Selfies, insbesondere mit den frisch gebackenen Medaillenträgerinnen und -trägern der Olympischen Winterspiele. Aber auch die Gelegenheit, sich ganz klassisch ein Autogramm geben zu lassen, wurde gern und häufig in Anspruch genommen.

Riesenslalom

Wie bereits bei den Zollskiwettkämpfen 2014 verfügte das Skigebiet von Pampeago, auch in diesem Jahr Austragungsstätte der alpinen Wettkämpfe, über Schnee in Hülle und Fülle, der aufgrund der nächtlichen Minusgrade zudem noch von bester Konsistenz war. Entsprechend optimal präsentierte sich die Rennpiste „Agnello“ und bot bei wolkenlos blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein allen Rennläuferinnen und -läufern den ganzen Tag über gleichermaßen perfekte Bedingungen.

Wie der sportlichen Delegation aus Österreich schon die Jahre zuvor, gehörten dieses Mal auch dem Zoll Ski Team zwei hochkarätige paralympische Alpine an. Anna Schaffelhuber und Anna-Lena Forster, die kurz zuvor noch vier Gold- und eine Silbermedaille bei den Paralympics in Pyeongchang gewonnen hatten, gaben gleich zu Beginn der Wettkämpfe eine imponierende Demonstration ihres Könnens mit dem Monoski auf der doch recht selektiven Piste.

Merklich beeindruckt von deren Leistung absolvierten im Anschluss die Starterinnen und Starter aus dem Weltcup die beiden Durchgänge des Riesenslaloms. Aus Sicht des Zoll Ski Teams verliefen die Rennen nicht ganz wie erhofft: Trotz Laufbestzeit im zweiten Durchgang belegte Viktoria Rebensburg, frisch gebackene Siegerin der kleinen Kristallkugel für diese Disziplinwertung, „nur“ den siebten Rang als beste Deutsche. Ihre Teamkolleginnen Lena Dürr und Jessica Hilzinger folgten auf den Plätzen 12 und 15 und kommentierten ihre Resultate doch recht wortreich und aussagekräftig mit: „Naja …!“

In der Endabrechnung der Herren war Linus Straßer als bester deutscher Starter lediglich 18 Hundertstelsekunden langsamer als Lokalmatador Manfred Moelgg, musste diesem aber auf Rang vier liegend den letzten freien Platz auf dem Stockerl überlassen. Fritz Dopfer schaffte als Siebter den Sprung in die Top Ten und Alex Schmid sicherte auf Platz 13 noch wichtige Punkte für die alpine Teamwertung.

Einzelrennen Langlauf

„Von wegen Biathleten können nicht sprinten“, sprudelte es ein wenig trotzig aus Vanessa Hinz hervor, gleich nachdem sie als Erste die Ziellinie überquert und somit das Einzelrennen der Damen im Schlusssprint für sich entschieden hatte. Entsprechend den für diesen Wettkampf über fünf Kilometer in der freien Technik geltenden Regelungen der FIS (Fédération Internationale de Ski) musste die Biathletin nämlich in Ermangelung von Langlauf-Ergebnissen aus der letzten Startreihe ins Rennen gehen und war hierüber nur wenig erfreut. Dabei ist die ehemalige Langläuferin keine Unbekannte im Biathlon-Weltcup, in dem sie in diesem Winter ihren ersten Einzelerfolg feiern konnte.

Groß hingegen war die Freude der siegreichen Zöllnerin darüber, dass Elisabeth Schicho, ihre langjährige Freundin und Weggefährtin, mit der sie bereits im Kindesalter ihre sportliche Ausbildung im selben Verein absolviert hatte, Rang zwei belegte. Gleich zu Beginn der nordischen Wettkämpfe stand somit ein deutscher Doppelerfolg zu Buche, und um ein Haar wäre sogar das gesamte Podest mit Damen aus dem Zoll Ski Team besetzt gewesen. Um die Winzigkeit von vier Hundertstelsekunden musste sich nämlich Hanna Kolb ihrer italienischen Kollegin Lucia Scardoni geschlagen geben und beendete das Rennen somit auf dem vierten Platz. Dank dieser hervorragenden Ergebnisse verteidigten die drei deutschen Zöllnerinnen geradezu problemlos den bereits in den Vorjahren wiederholt erzielten Sieg in der Teamwertung nordisch Damen. Mit fast doppelt so vielen Punkten wie ihre zweitplatzierten Kolleginnen der Guardia di Finanza standen sie ganz oben auf dem Podest und nahmen freudestrahlend ihre Trophäe entgegen. Platz drei in dieser Kategorie belegten die Läuferinnen aus Österreich.

Auch beim anschließenden Einzellauf der Herren über zehn Kilometer überquerte nach einem spannenden Rennen mit Thomas Bing ein Läufer aus dem Zoll Ski Team als Erster die Ziellinie. Hoch oben am Passo di Lavazé, dem Austragungsort der nordischen Wettkämpfe, gelang es dem derzeit besten deutschen Langläufer damit am Ende eines für ihn im Weltcup und bei Olympia erfolgreichen Winters, seinen Titel aus dem Vorjahr erfolgreich zu verteidigen. Jonas Dobler und Johannes Kühn komplettierten mit den Plätzen fünf und zwölf das insgesamt gute Abschneiden der deutschen Starter in dem von der Teilnehmerzahl her erneut größten Rennen der Zollskiwettkämpfe. Die Teamwertung nordisch Herren mussten die drei Zöllner jedoch – wenn auch knapp – den Kollegen der Douane Française überlassen, lagen aber auf dem zweiten Rang punktemäßig deutlich vor den italienischen Lokalmatadoren der Fiamme Gialle.

Slalom

Auch am zweiten Tag der alpinen Wettkämpfe war das Glück eher weniger mit den deutschen Starterinnen. Zunächst hatte sich das sonnige Wetter verabschiedet und der stattdessen aufgezogene Nebel beeinträchtigte das früh morgendliche Einfahren so sehr, dass bei Sichtweiten von deutlich unter zehn Metern die Hänge im Grunde mehr hinunter gerutscht als denn flott gefahren wurde. Im Rennen, in dem sich der Nebel dann so weit in die Höhe verlagert hatte, dass dieses unter regulären Bedingungen ausgetragen werden konnte, war es dann der immer wieder undankbare vierte Rang für Lena Dürr als bestplatzierte Deutsche. Dieselbe Platzierung belegte das Zoll Ski Team dann auch in der Teamwertung alpin Damen, die nicht zuletzt aufgrund des Doppelerfolgs von Katharina Liensberger in Riesentorlauf und Slalom vollkommen verdient an die Kolleginnen aus Österreich ging. Doch ließen sich die deutschen Rennläuferinnen hierdurch nicht unterkriegen und beschlossen kurzerhand, ihre verbliebene Restenergie in lautstarkes Anfeuern ihrer Kollegen zu investieren und diese hierdurch zu Höchstleistungen zu animieren. Dieses Unterfangen wurde dann auch vom erhofften Erfolg gekrönt, denn Linus Straßer konnte seinen Sieg aus dem Nachtrennen des Vorjahrs verteidigen und stand bei der Siegerehrung ganz oben auf dem Podest.

Gesellschaft leistete dem siegreichen Zöllner dort Teamkollege Fritz Dopfer. Dieser hatte das Feld im Zwischenklassement noch angeführt, im zweiten Durchgang aber etwas zu viel Zeit verloren und landete schließlich auf dem noch immer hervorragenden dritten Platz. Und wie scheinbar so oft bei den diesjährigen Zollskiwettkämpfen war auch beim Slalom der Herren der vierte Platz fest in deutscher Hand, dieses Mal in der von Dominik Stehle. Doch steuerte dieser damit noch so viele Punkte zur Teamwertung bei, dass die deutschen Rennläufer den zweiten Platz belegten und ihre namhaften Kollegen Alexis Pinturault, Victor Muffat-Jeandet, Thomas Fanara und Urgestein Julien Lizeroux auf Platz drei verwiesen. Am doch recht deutlichen Sieg der heimischen Italiener war allerdings nicht zu rütteln.

Sprintstaffel und Patrouille

Wohl noch ein wenig mehr motiviert durch den Umstand, dass am Vortag eine Biathletin das Einzelrennen gewonnen hatte, absolvierten Elisabeth Schicho und Hanna Kolb am zweiten Wettkampftag den Team-Sprint der Damen über jeweils 5 x 600 Meter und rückten mit ihrem Sieg die Langlauf-Welt wieder ein Stück weit zurecht. In einem engen und taktischen Rennen blieb das Feld bis zum vorletzten Wechsel dicht gedrängt beisammen, und keine der insgesamt neun gestarteten Staffeln konnte beziehungsweise wollte sich entscheidend absetzen. Erst auf der jeweils letzten zu absolvierenden Runde forcierten die Favoritinnen das Tempo und die Teams Italien 1 und Deutschland 2 kamen mit einem deutlichen Vorsprung vor dem Hauptfeld auf die lange Zielgerade. In einem früh angesetzten Schlusssprint gelang es dann Hanna Kolb, sich ein kleines Stück von ihrer italienischen Konkurrentin zu distanzieren. Mit etwas über einer Sekunde Vorsprung überquerte sie als erste die Ziellinie und feierte dort gemeinsam mit ihrer Kollegin ihr erfolgreiches Abschneiden. Im anschließenden Massensprint des Hauptfeldes konnte Vanessa Hinz erneut ihre Schnellkraft auf den letzten Metern unter Beweis stellen und sicherte sich gemeinsam mit Biathlon-Kollegin Franziska Preuß souverän den dritten Platz.

Vermutlich, um nicht ausnahmslos alle diesjährigen nordischen Rennen zu gewinnen, hielten sich die vier deutschen Mannschaften im traditionsreichen Abschluss der Internationalen Zollskiwettkämpfe, der Patrouille, vornehm zurück und gaben sich stattdessen mit Plätzen im Mittelfeld beziehungsweise im hinteren Drittel der Ergebnisliste zufrieden. Dabei lag die Patrouille Deutschland 1, bestehend aus Thomas Bing, Jonas Dobler und Johannes Kühn, bis zum zweiten und letzten Stopp am Schießstand noch aussichtsreich im Renngeschehen. Nach einer wahren Unglücksserie jedoch musste der deutsche Biathlet etliche Male in der Strafrunde kreiseln, ehe er sich gemeinsam mit seinen beiden Mitstreitern wieder auf den Weg ins Ziel machen durfte. Dort feierte das Team Frankreich 1 seinen mit deutlichem Vorsprung errungenen Sieg vor den eigenen Kollegen der Patrouille Frankreich 2 und den Lokalmatadoren von Italien 1 auf dem dritten Platz. Somit durften die drei siegreichen Franzosen die von ihrer eigenen Verwaltung neu gestiftete Wandertrophäe (die vorherige ging nach dem dritten Titelgewinn ins Eigentum der Douane Française über) gleich wieder mit nach Hause nehmen.

Kaum war der letzte Wettkampf mit anschließender Siegerehrung beendet, fielen auch schon die ersten Regentropfen vom grau bedeckten Himmel, wenn auch zunächst nur zaghaft. Bis sich die Delegationen allerdings wenig später auf den Weg zur feierlichen Schlusszeremonie machten, die am Dorfplatz im nahe gelegenen Ort Cavalese stattfand, hatte sich hieraus ein ergiebiger Frühlingsregen entwickelt. Doch zeigte sich das Wetter gnädig mit den Sportlerinnen und Sportlern der fünf Nationen, die anlassbezogen allesamt in ihren jeweiligen Uniformen erschienen waren, und belohnte diese für ihre hohen sportlichen Leistungen am Ende einer langen und intensiven Saison. Geradezu exakt für die Dauer der Zeremonie – inklusive Zeit für die vorbereitende Aufstellung und den obligatorischen Fototermin im Anschluss – schloss der Himmel seine Pforten, und die versammelte Schar Zöllnerinnen und Zöllnern blieb ebenso trocken wie das Publikum des bunten Treibens.

Dementsprechend bestens gelaunt begaben sich alle teilnehmenden Nationen zurück in die Scuola Alpina Guardia di Finanza nach Predazzo und genossen dort in geselliger Runde das wohlschmeckende Abschiedsessen. Nachdem man traditionell die doch recht zahlreichen Rookies in den Kreis der Altgedienten aufgenommen und die sportlichen Geschehnisse der vergangenen Tage, Wochen und Monate in angeregten Gesprächen Revue passieren hat lassen, verabschiedete man sich erst in den frühen Morgenstunden voneinander. Besonders herzlich war hierbei der Abschied von den Kolleginnen und Kollegen der Schweizer Grenzwache, wobei alle die zumindest leise Hoffnung auf ein Wiedersehen bei den 66. Internationalen Zollskiwettkämpfen teilten, die vom 25. bis 29. März 2019 in Galltür in Österreich stattfinden werden.



Quelle : Zoll.de

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