Neues Innenstadtkonzept vorgelegt
Arbeitsprogramm für die nächsten zehn Jahre
Die Weiterentwicklung der Innenstadt ist eine Daueraufgabe, mit der sich Gemeinderat und Verwaltung seit langem beschäftigen. Jetzt liegt ein neues Innenstadtkonzept vor, das als Arbeitsprogramm für die nächsten zehn Jahre dienen soll. „Wir können nicht alles auf einmal umsetzen,“ verwies Oberbürgermeister Markus Herrera im Gemeinderat auf die Finanzsituation der Stadt. „Aber wir bleiben am Ball.“
Das federführende Referat Wirtschaftsförderung hat bei der Fortschreibung des Innenstadtkonzepts an die bewährte Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung Ludwigsburg (GMA) angeknüpft. 2004 wurde das erste Innenstadtkonzept vorgelegt, 2014 die erste Fortschreibung. „Schon damals waren strukturelle Veränderungen im Einzelhandel absehbar, die sich inzwischen noch verstärkt haben,“ fasste Wirtschaftsförderer Jürgen Strahlheim zusammen.
Es sind vor allem drei Tendenzen, die das Bild der Innenstadt verändern: der Trend zu größeren Einkaufsflächen außerhalb der kleinteiligen Innenstädte, das Einkaufen im Internet und das veränderte Verbraucherverhalten. „Die Bedeutung des Einzelhandels in der Innenstadt geht zurück, die von Gastronomie, Dienstleistung sowie Freizeit und Kultur hingegen steigt,“ so Jürgen Strahlheim.
Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, habe Wertheim seit 2014 bereits viele Maßnahmen eingeleitet. Strahlheim nannte als Beispiel die Entwicklung des Bahngeländes als innerstädtische Ergänzung für Neuansiedlungen und Einzelhandelsbetriebe mit einem größeren Flächenbedarf oder auch die verstärkte Ansiedlung von Dienstleistungsbetrieben und Gastronomie in der Altstadt. „Unser Augenmerk liegt auf einem guten Angebotsmix und einer ausgewogenen Nutzungsstruktur,“ so der Wirtschaftsförderer.
GMA-Experte Gerhard Beck stellte seinen Ausführungen die Analyse voran, dass die Innenstädte als Aufenthaltsort weiter beliebt sind, aber weniger als Einkaufsort, sondern zunehmend als Erlebnisort. Das habe auch die Bürgerbeteiligung im Jahr 2023 bestätigt. Wertheim tue deshalb gut daran, die Aufenthaltsqualität der Innenstadt weiter zu stärken, damit sie ein lohnenswertes Ziel für Einheimische und Gäste bleibt. Die GMA legt dazu ein Arbeitsprogramm als Fortentwicklung bisheriger Innenstadtmaßnahmen vor. Es ist in sieben Handlungsfelder gegliedert und schlägt für jedes Schlüsselmaßnahmen vor.
– Frei- und Grünräume: Aufwertung von Frei- und Grünräume als Orte der Erholung, Begegnung und Aktivität, zum Beispiel an Mainplatz und Mainspitze
– Tourismus und Freizeit: Erweiterung des touristischen Angebots durch ein Hotel in Innenstadtlage (der Neubau in der Bahnhofstraße ist begonnen)
– Vernetzung: Verbindung der Altstadt rechts der Tauber mit dem Bahngelände durch eine Fußgänger- und Radwegebrücke über die Tauber und über die Bahngleise
– Mobilität und Verkehr: mehr nachhaltige Mobilität durch eine Modernisierung des ZOB und des Bahnhofs, die auch die barrierefreie Zugänglichkeit sichert
– Information: Errichtung von digitalen Infotafeln an markanten Punkten der Innenstadt, die auch für temporäre Mitmach- oder Infokampagnen genutzt werden können
– Marketing und Image: mehr positive Kommunikation „über das, was in Wertheim los ist und was die Innenstadt bietet“, zum Beispiel durch themenspezifische Kampagnen
– neue Impulse für Nutzung und Angebot zum Beispiel durch Entwicklung eines Biergartenkonzepts auf dem Mainvorland (links der Tauber) sowie durch Berücksichtigung des Innenstadtkonzepts in der Bauleitplanung, um die Funktion der Innenstadt als zentraler Versorgungsbereich zu stärken.
Der Gemeinderat stimmte dem neuen Innenstadtkonzept als Leitfaden für die weitere Arbeit einstimmig zu. Die darin vorgeschlagenen Maßnahmen sind damit noch nicht beschlossen. Vielmehr wird die Verwaltung diese nun näher ausarbeiten und unter den Aspekten Umsetzbarkeit, finanzielle Auswirkungen und Priorisierung prüfen und bewerten und den zuständigen Gremien zu gegebener Zeit zur weiteren Beratung und Beschlussfassung vorlegen.
Quelle: Wertheim.de
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