NABU International : Tiger-Nachwuchs am Fuße des Himalaya

Tag des Tigers

Tiger sind die größten Raubkatzen der Erde. Nachdem ihre Population in 2010 einen historischen Tiefpunkt erreichte, steigt die Population in Indien dank Schutzmaßnahmen wieder an. Foto:Wikimedia/Hein Waschefort

Tennhardt: Bestände in NABU-Schutzgebiet steigen weiter

 

Berlin – Anlässlich des internationalen „Tag des Tigers“ (Mittwoch, 29. Juli) macht die NABU International Naturschutzstiftung auf den alarmierenden Zustand der Großkatze aufmerksam. Lebten einst noch rund 100.000 Tiere in freier Wildbahn, ist der Bestand inzwischen auf 3.200 zusammengeschrumpft. „Tiger sind vor allem durch die illegale Jagd nach ihren Knochen und anderen Körperteilen für die asiatische Medizin gefährdet sowie durch die massive Zerstörung ihrer Lebensräume. Inzwischen wurden die Tiger aus 93 Prozent ihres ursprünglichen Lebensraums verdrängt“, so Thomas Tennhardt, Vorsitzender von NABU International.

Dem wollen Staaten mit Tiger-Vorkommen entgegenwirken. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Großkatzen in den Jahren 2010 bis 2022 mindestens zu verdoppeln. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die NABU International Naturschutzstiftung. Sie unterstützt am Fuße des Himalaya die Renaturierung eines Schutzgebietes, damit sich die dortigen Tiger-Bestände wieder erholen können. „Seit Beginn unseres Projektes in Indien hat sich die Zahl der in Valmiki lebenden Tiger von zehn auf 28 fast verdreifacht. Ganz besonders freuen wir uns, dass wir auch in diesem Jahr wieder neuen Nachwuchs beobachten konnten“, so Tennhardt.

Mitarbeiter des Valmiki-Projekts hatten Ende Juni die Spuren von zwei Tigern in der Nähe eines Flusslaufes entdeckt. Neben den großen Tatzenabdrücken war noch eine zweite, kleinere Spur sichtbar. Damit ist klar: Es gibt erneut Tiger-Nachwuchs in Valmiki.

Dank der Einschränkung der illegalen Beweidung und Maßnahmen zur Regeneration der natürlichen Wiesen sind die Beutetiere des Tigers, wie der Axishirsch, wieder häufiger geworden. Ranger hatten zuletzt Herden mit mehr als 150 Tieren beobachten können. Auch der Gaur, das indische Wildrind, ist im Schutzgebiet wieder öfter zu sehen.

Eine zweite Maßnahme, die sich bezahlt macht: Durch die Umstellung auf lokal hergestellte Kochöfen, die mit Abfällen aus der Landwirtschaft beheizt werden, sowie die Verteilung von Solarlampen sank der Brennholzverbrauch der im Umkreis lebenden Gemeinden um mehr als drei Viertel. So konnte die Abholzung von circa 34 Tonnen Wald verhindert werden – und die Rückzugsräume der Tiger bleiben erhalten.

„Die Verhältnisse für die Tiger in Valmiki verbessern sich durch unsere Anstrengungen immer mehr. Die Voraussetzungen sind gut, dass die diesjährigen Jungtiere bei der nächsten großen Zählung 2018 als imposante Tiger in eine Fotofalle tappen“, so Barbara Maas, Leiterin für internationalen Artenschutz bei der NABU International Naturschutzstiftung. Doch trotz aller Freuden über den Nachwuchs, sagt Maas, sei der Kampf um das Überleben der seltenen Großkatze noch lange nicht gewonnen. So seien von den ursprünglich neun Tiger-Unterarten drei bereits ausgestorben: der Javatiger, der Balitiger und der Kaspische Tiger.

Mit den wachsenden Tigerpopulationen im 900 Quadratkilometer großen Valmiki steigt auch die Gefahr von Konflikten zwischen Mensch und Raubkatze. Denn angrenzend an den Nationalpark liegt das am dichtesten besiedelte und ärmste Gebiet Indiens. Um möglichen Konflikten und Wilderei vorzubeugen, leistet NABU International intensive Aufklärungsarbeit in den Dörfern. Gleichzeitig werden Schulungen für 150 Angestellte und Ranger des Nationalparks angeboten. Sie lernen die Vorbeugung, rechtliche Bekämpfung und Beweissicherung von Wilderei sowie das Monitoring der Tigerpopulation.

Der „Tag des Tigers“ wurde im Jahr 2010 auf dem internationalen Tiger-Gipfel in Sankt Petersburg ins Leben gerufen. Er soll auf die vom Aussterben bedrohte Großkatze aufmerksam machen und ein Zeichen für den gemeinsamen Tigerschutz setzen. Auf dem Gipfel verabschiedeten die 13 teilnehmenden Staaten mit Tiger-Vorkommen auch das Ziel, die Tiger-Bestände bis 2022 – im Vergleich zum Jahr 2010 – zu verdoppeln.