Rassismus: Ex-Präsident Christian Wulff sieht gravierende Defizite – Deutschland als „bunte Republik“ bezeichnet

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Rassismus: Wulff sieht gravierende Defizite

Ex-Präsident vermisst Bekenntnis zu Vielfalt: Deutschland eiert da immer noch rum

Osnabrück. Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat in scharfen Worten gravierenden Rassismus und eine mangelnde Wertschätzung des Grundgesetzes in Deutschland beklagt. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) aus Anlass seiner Wahl zum Staatsoberhaupt vor genau zehn Jahren (30. 6.) sagte Wulff, „Deutschland eiert da immer noch rum“. Er sei mehr denn je der Überzeugung, „dass sich Deutschland ehrlich machen und einsehen muss, welche gravierenden Defizite weiterhin bestehen und wie Menschen in unserer Gesellschaft immer noch ausgegrenzt werden“, erklärte der Christdemokrat. Er wünsche sich, „dass jede und jeder Einzelne überall immer wieder verdeutlicht, dass es nicht nur normal, sondern ein echter Gewinn ist, dass in unserem Land Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Orientierung gut auf dem Boden unseres Grundgesetzes zusammenleben“.

„Vielfalt ist manchmal sicher nicht einfach, aber das Gegenteil ist Einfalt. Und wer will schon einfältig sein?“, sagte Wulff. Nach wie vor sei in seinen Augen nicht allen klar, „dass unser Grundgesetz es jeder und jedem Einzelnen in Deutschland überlässt, was sie oder er glaubt und wie sie oder er leben möchte. Ich bin davon überzeugt, dass die Konformität, die manche propagieren, unserem Land nachhaltig schaden würde.“ In Wahrheit sei Deutschland schon immer von Vielfalt geprägt gewesen. Dies habe maßgeblich zu seinen Erfolgen in Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft beigetragen.
Unmittelbar nach seiner Vereidigung als Bundespräsident hatte Wulff Deutschland als „bunte Republik“ bezeichnet, was damals zu Kritik führte. Später löste sein Satz, dass auch der Islam zu Deutschland gehöre, scharfe Reaktionen aus. Außer einer „Übergriffigkeit der Medien“ schrieb Wulff in der „NOZ“ neben eigenen Fehlern und weiteren Aspekten auch dieser Positionierung einen Anteil an seinen Problemen zu, die nach knapp zwei Jahren zu seinem Rücktritt als Staatsoberhaupt führten.

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Wulff warnt vor Maßlosigkeit im Umgang mit Politikern und Prominenten

Vor zehn Jahren zum Bundespräsidenten gewählt

Osnabrück. In der Debatte über den medialen Umgang mit Prominenten hat Ex-Präsident Christian Wulff vor überzogener Schärfe gewarnt. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) sagte er, „wir alle müssen vor Maßlosigkeit, vor der Zerstörung von Personen warnen, die sich in die Öffentlichkeit begeben. Denn wir müssen für unsere Demokratie Menschen ermutigen, sich trotz der Risiken zu zeigen und ihr Wissen und ihr Denken preiszugeben“. Wenn sie dann in einen vernichtenden Orkan gerieten, sei das verheerend für eine plurale Gesellschaft und die Streitkultur, die in ihr nötig ist. „Gebotene, auch scharfe Kritik ist von brutaler Zerstörung zu unterscheiden“, sagte Wulff, der heute (30. 6.) vor zehn Jahren zum Bundespräsidenten gewählt worden war. In seinem persönlichen Fall hätten später beispielsweise „Fake News“ im Vorfeld seines Rücktritts eine Rolle gespielt. In Teilen könne man daher auch von einer „Medienaffäre“ sprechen. Heute hätten „soziale“ Netzwerke das zusätzliche Potenzial, immensen Schaden anzurichten, beklagte Wulff.

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Wulff über Russland: Ich könnte auf die Knie fallen

Ex-Präsident wünscht sich verbessertes Verhältnis

Osnabrück. Alt-Bundespräsident Christian Wulff hat eindringlich zur Verständigung mit Russland aufgerufen. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) sagte er, er sehe „viele Gemeinsamkeiten in der Kultur und Geschichte“ und würde sich wünschen, dass das Verhältnis heute stärker auf diesen Wurzeln aufbauen könnte. „Ich liebe die russische Bevölkerung, seit ich das erste Mal in das Land gereist bin“, sagte Wulff. „Jedes Mal wenn ich mir bewusst mache, wie fair und offen die Russen uns behandeln, obwohl sie so unfassbar unter Deutschland im Zweiten Weltkrieg gelitten haben, könnte ich vor Scham und Bewunderung und auch Dankbarkeit auf die Knie fallen“, erklärte der Christdemokrat. Auf seinem Schreibtisch stehe ein Bild des früheren russischen Präsidenten Michael Gorbatschow, auf dem er den damaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher in den Arm nehme. „Von so etwas sind wir heute weit entfernt. Aber das muss das Ziel bleiben für den Umgang zwischen russischen und deutschen Verantwortungsträgern.“ Im Rahmen seiner Möglichkeiten trage er dazu bei.

 

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