Verstoß gegen das Tierschutzgesetz in Mecklenburg: PETA zeigt Catch-and-Release-Angler an


Catch and Release bedeutet Angst und Schmerz für Fische
 

Mecklenburg / Stuttgart, 2. April 2019 – Sie zappeln am Haken, dann im Kescher und ringen schließlich minutenlang außerhalb des Wassers um Sauerstoff: In einem Video auf dem Youtube-Kanal der Anglergruppe „Carpteamnorth“, das PETA durch einen Whistleblower zugespielt wurde, wird in einem Mecklenburger See Jagd auf Karpfen gemacht. Zwei Teammitglieder angeln über mehrere Tage nach großen Karpfen, hältern sie teils in Keschern, posieren mit ihnen vor der Kamera und wiegen sie, obgleich die Fische deutlich um Sauerstoff ringen. Danach werden sie – oft erst Minuten später – in den Kescher oder ins Wasser zurückgesetzt.
 
Bereits zuvor wurden die Karpfen über einen unbekannten Zeitraum in Keschern gehältert – und die Beanzeigten hierfür selbst von einigen Youtube-Viewern in den Kommentaren gerügt. Alle gefangenen Karpfen zappeln stressbedingt und lassen Atemnot erkennen.
 
Videos und Facebook-Beiträge zeigen, dass das Carpteamnorth regelmäßig Catch and Release – das Angeln und anschließende Freilassen von Fischen – betreibt. Die Tierschutzorganisation sieht hierin einen Verstoß gegen Paragraf 17 Absatz 2b des Tierschutzgesetzes, nach dem keinem Wirbeltier länger anhaltende Schmerzen und Leiden zugefügt werden dürfen. Daher erstattete PETA nach Erhalt eines Hinweises nun Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Schwerin.
 
„Fische sind kein Spielzeug“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Catch and Release bedeutet für die sensiblen Wirbeltiere enormen Stress und oftmals Verletzungen.“
 
Eine Studie stellte fest, dass etwa 40 Prozent der bei Catch and Release gefangenen Fische nicht überlebte [1].
 
PETA verweist auf die Verfügungen des Amtsgerichts Lemgo vom 31. März 2011 (Az.: 25 Cs-22-Js 86/10-194/10), in denen ausdrücklich festgestellt wird, dass es sich beim Catch and Release um eine strafbare Handlung handelt, sowie auf die Ausführung des Oberverwaltungsgerichts Münster vom 3. Juli 2015 (Az.: 20 B 209/15), der zufolge beim Ausüben der Catch-and-Release-Praxis kein vernünftiger Grund besteht, den Tieren Schmerz und Leid zuzufügen, und somit ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegt. Im Dezember 2017 wurde ein Catch-and-Release-Angler aus Thüringen zu einer Geldbuße von 200 Euro verurteilt. Bereits 2016 zahlte Ex-Fußballprofi Klaus Augenthaler in einem vergleichbaren Fall mehr als 3.000 Euro Geldbuße. Marteria bezahlte Anfang 2018 eine Geldstrafe von 5000 Euro.
 
Die britische Biologin Lynne Sneddon wies nach, dass Fische im Kopf- und Mundbereich – also genau da, wo der Angelhaken das Gewebe durchbohrt – zahlreiche Schmerzrezeptoren haben [2]. Fische zeigen Schmerzverhalten: Sie bewegen sich ruckartig, reiben ihren Mund am Beckenrand, stellen die Nahrungsaufnahme ein und ihre Atemfrequenz erhöht sich. Gibt man ihnen Schmerzmittel, stellen sie dieses Verhalten wieder ein [3]. PETA spricht sich generell gegen das Angeln und den Fischfang aus und unterstützte den Internationalen Welttag zur Abschaffung von Fischerei und Aquakultur am 30. März 2019 mit zahlreichen Aktionen [4].
 
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein: eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] Sitar, S. P., Brenden, T. O., He, J. X., & Johnson, J. E. (2017): Recreational postrelease mortality of lake trout in Lakes Superior and Huron. North American Journal of Fisheries Management Vol. 37, Iss. 4.
[2] Sneddon, L. U., Braithwaite, V. A., & Gentle, M. J. (2003): Do fishes have nociceptors? Evidence for the evolution of a vertebrate sensory system. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 270(1520), 1115–1121. http://doi.org/10.1098/rspb.2003.2349.
[3] Sneddon, L. U. (2003): The evidence for pain in fish: the use of morphine as an analgesic. Applied Animal Behaviour Science, 83(2), 153-162. DOI: 10.1016/S0168-1591(03)00113-8.
[4] End-of-fishing.org/de.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Themen/Fische
PETA.de/Fische-Schmerz-Neocortex
 
Kontakt:
Lisa Kienzle, +49 711 860591-536, LisaKi@peta.de



Quelle : PETA.de

Bilder / Video Französischer Markt Wertheim 20.-22.05.2016 – Live Musik und Kulinarisches