Eine ganz besondere Lesung in der Wertheimer Stadtbücherei

Viele Teilnehmer nutzten die Gelegenheit und stellten ihre Lieblingsbücher vor. Foto: Stadtbücherei

Literaturbegeisterte stellten ihre Lieblingsbücher vor

 

Fast jeder hat eines, die meisten gleich mehrere: Lieblingsbücher! Kaum hat man sie entdeckt, möchte man sie anderen ans Herz legen. Man fasst den Inhalt kurz zusammen, zitiert vielleicht und schwärmt. In jedem Fall aber lobt man das Buch und freut sich, wenn es danach seine Runde macht. Und so war es auch am Dienstag, als die Stadtbücherei gemeinsam mit der Buchhandlung Buchheim und dem Frauenverein Wertheim zu einer ganz besonderen Lesung in die Bibliothek geladen hatte: Keine Autoren, keine Profis sollten im Mittelpunkt stehen. Leser sollten es sein, Frauen und Männer aus Wertheim und Umgebung, die Spaß an Literatur haben und ihre persönlichen Entdeckungen weitergeben wollen. Eindrücke des Literaturabends schildert Büchereimitarbeiterin Katja Schmitz.

Rund vierzig Literaturbegeisterte waren gekommen, vierzehn davon mit einem oder mehreren Lieblingsbüchern im Gepäck. In gemütlicher Runde, berichteten sie von ihren Leseerlebnissen. Andrea Schwitt-Graf von der Buchhandlung Buchheim moderierte durch den kurzweiligen Abend und lieferte dabei viel Hintergrundwissen zu Autoren und Werken.

Den Anfang machte Michaela Stock, Leiterin der Stadtbücherei. Sie empfahl das vielfach nominierte Jugendbuch von Dorit Linke „Jenseits der blauen Grenze“, in dem es um eine äußerst spektakuläre Flucht aus der ehemaligen DDR geht. Michaela Stock war sich nach der Lektüre sicher, dass Linkes spannende Geschichte auch Erwachsenen gefällt.

„Couchsurfing im Iran“ (von Stephan Orth) und „Die Hochzeit der Chani Kaufmann“ (von Eve Harris) stellte Gaby Hügel vor, die sich vor allem von der detailreichen Schilderung fremder Kulturen in beiden Büchern „fesseln“ ließ. Heike Gröger hatte Ian McEwans Roman „Abbitte“ dabei und verwies neben der mitreißenden Handlung dieser Geschichte um Liebe und Trennung auf die besondere Sprache des Autors. Die einfache, aber keinesfalls banale Sprache und der ganz eigene Schreibstil waren es dann auch, die Katja Schmitz bei Rowan Colemans Roman „Einfach unvergesslich“ hervorhob. „Obwohl es um das Thema ´Frühdemenz´ geht, ist die traurig-schöne Geschichte toll zu lesen, auch weil sie den Leser nachhaltig zuversichtlich stimmt“, so Schmitz.

Von „Verfall und Untergang“ (Evelyn Waugh) zeigte sich Christian Schlager begeistert, der den Roman regelrecht „verschlungen“ habe und kurzerhand einige Passagen daraus vorlas. Er erzählte schmunzelnd, dass ihn bereits der erste Satz zum Kauf ermuntert hatte. Es folgte Uschi Wehner, die – wie sie erklärte – viel und überwiegend Exilliteratur liest und dafür beispielhaft Lisa Fittkos  „Mein Weg über die Pyrenäen“ mitgebracht hatte. Fittko habe von der Auslieferung bedrohten Hitlergegnern geholfen und dabei vor allem Zivilcourage bewiesen. Unerschütterlichen Mut zeichnete auch die nächste Persönlichkeit aus, die Margit Glade den Zuhörern mit der Biographie „Prentice Mulford – einer, der es wagt“ von K.O. Schmidt vorstellte. Beeindruckt schilderte sie einige Szenen aus seinem spannenden Journalistenleben und las auch mehrere Passagen vor.

„Ich lese anders!“, hatte Heide Fahrenkrog-Keller, Vorsitzende des Wertheimer Frauenvereins, inzwischen festgestellt, „denn ich höre!“ fügte sie hinzu. Sie liebe Hörbücher und obwohl sie kein ausgesprochener Susanne-Fröhlich-Fan sei, könne sie „Diese schrecklich schönen Jahre“ von ihr uneingeschränkt empfehlen. Ein kurzer Einspieler überzeugte das Publikum, sich auch mal mit „Reiseleiterin Fröhlich“ auf die abenteuerliche Reise durch die Wechseljahre“ zu begeben. Kerstin Bentivoglio schwärmte anschließend von Dörte Hansens inzwischen zum Bestseller avancierten Roman „Altes Land“, der so lustig wie klug geschrieben sei, wobei sie für Leser, die britischen, schwarzen Humor lieben, auch „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“ von David Whitehouse empfahl. Sein Buch habe er vor allem gekauft, „weil der Einband so schön ist!“, gestand schließlich Wolfgang Reiner und stellte „Die Großrussin“ von Stefan Schwarz vor. Das völlig skurrile Buch sei dabei ein absoluter Glücksgriff gewesen und nun eines seiner Lieblingsbücher. Genauso wie „Imperium“ (Robert Harris) und „Q“ von Luther Blissett, die zwar ganz andere „Kaliber“ seien, den Leser aber von der ersten bis zur letzten Seite fesselten.

Mit „The Circle“ von Dave Eggers war Gerlinde Ernst zur Lesung gekommen. Dieser Roman sei so spannend wie realitätsnah und dabei zukunftsweisend erzählt, dass sie sich bei der Lektüre zeitweise an George Orwells „1984“ erinnert fühlte. Verena Katt hat zwei ganz unterschiedliche Romane zu ihren Lieblingsbüchern auserkoren: Zum einen den Frauen wie Männer anrührenden Roman „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ von Rachel Joyce, sowie eine Geschichte über Liebe und Begehren, womit sie Uwe Timms lesenswerten Roman „Vogelweide“ empfahl. Trudi Graf stellte Jane Gardams „Ein untadeliger Mann“ vor und den Spessart-Krimi „Waldherz“ von Maria Pfannholz. Äußerste Spannung gepaart mit geschliffener Sprache habe sie überzeugt und ihr damit sogar zu einem Lieblingskrimi verholfen.

Letzte Empfehlungen sprach schließlich Andrea Schwitt-Graf aus, deren Tipps von Meg Wolitzers Roman „Was uns bleibt ist jetzt“ über Jeanette Walls mit „Ein ungezähmtes Leben“ sowie Lucinda Rileys „Die sieben Schwestern“ bis hin zu ganz aktueller Lektüre von Christoph Poschenrieders „Mauersegler“ reichten. „Allesamt lesenswert!“ fasste sie kurzerhand zusammen. Wer nach dieser Fülle an Tipps immer noch unentschlossen sei, dem empfahl Schwitt-Graf ein ganz besonderes Bilderbuch. Mit „Du schnarchst, Hubert!“ verabschiedete sie das Publikum und betonte, dieses Bilderbuch begeistere Jung wie Alt und habe schon so manches Problem auf charmante Weise gelöst.

Stadtverwaltung Wertheim