Konsumfinanzierungen: Rote Karte für Kredite vom Verkäufer

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Ob Smartphone, Möbel oder Fernseher – jeder Zweite erwartet inzwischen, dass Konsumgüter auch in Monatsraten bezahlt werden können. Nach Angaben des Bankenfachverbands wären mehr als 60 Prozent der finanzierten Käufe ohne die Möglichkeit zum Abstottern gar nicht erst getätigt worden.

“Der wachsende Konsum auf Pump gerät zum Motor fürs Schuldenkarussell”, so Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. “Rund die Hälfte der Schuldnerverbindlichkeiten in unserer Insolvenzberatung resultiert inzwischen aus Krediten für die Anschaffung von Waren”, mahnt er anlässlich des Weltspartags am 30. Oktober dringenden Handlungsbedarf an: Er fordert, dass Informationen für Verbraucher bei Kreditaufnahme transparenter gemacht werden und Kreditvergaben verantwortlicher erfolgen müssen. “Auch darf die Werbung für den ‚Kauf auf Raten‘ im Handel nicht länger darüber hinwegtäuschen, dass hiermit ein Kredit aufgenommen wird – und zwar mit allen damit verbundenen Risiken”, so der Verbraucherzentralenvorstand.

“Wer will, der kriegt!” oder “Mit dem Sorglos-Kredit finanzieren und vor Ort gleich mitnehmen” – vollmundig wirbt der Handel für unkomplizierte Wunscherfüllung. Doch ob Null-Prozent-Finanzierung, Sofortfinanzierung oder verlockend niedrige Ratenzahlung – stets wird dann beim Kauf zugleich auch ein Kreditvertrag mit einer Bank vermittelt, mit der das Geschäft kooperiert. “Das wird in der Werbung jedoch meist geschickt verschleiert. Außerdem wird im Verkaufsgespräch nicht darauf hingewiesen, dass diese Finanzierungsformen kostenträchtige Fallstricke wie Versicherungsprämien, Rahmenkredite oder Kreditkartenentgelte bergen können”, erläutert Schuldzinski: “Bei den Grundregeln einer verantwortungsvollen Kreditvergabe herrscht im Handel meist Fehlanzeige. Denn das Ausfallrisiko liegt ja bei der kooperierenden Bank.”

Zudem seien die Verkäufer zwar geschult, die Vorzüge von Unterhaltungselektronik zu erklären, Küchen zu planen oder die Autoausstattung kundengerecht zu optimieren. “Aber Aufklärung über Finanzprodukte und Erläuterung von Kreditverträgen gehört weder zu deren Ausbildung noch zu deren originären Aufgaben”, so Schuldzinski. Die Verbraucherzentrale NRW fordert daher, dass ein Kreditvertrag immer durch Einsatz geschulter Mitarbeiter abgeschlossen werden muss. Hier sei der Gesetzgeber zum Beispiel über eine Änderung der Gewerbeordnung gefordert.

Einschränkungen muss nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW auch Werbung erfahren, die Kaufentscheidungen durch vermeintlich günstige Finanzierungsangebote beeinflusst oder Kreditaufnahme zur Verwirklichung von Wünschen verharmlost: Das könnte etwa durch einen verpflichtenden Hinweis “Achtung: Kredit” erfolgen.

Mit Aktionstagen unter dem Motto “Vorsicht: Das ist ein Kredit” informiert die Verbraucherzentrale NRW in ihren 61 Beratungsstellen aktuell über Fallstricke bei Konsumfinanzierungen.

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