Rechtsprechung | Nds. Landesjustizportal – Dokument: OVG Lüneburg 5. Senat | 5 ME 159/21 | Beschluss | Abbruch eines Stellenbesetzungsverfahrens

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Dem Bewerbungsverfahrensanspruch ist auch bei der Entscheidung über den Abbruch eines laufenden Auswahlverfahrens Rechnung zu tragen (vgl. BVerfG, Kammerbeschluss vom 28.4.2005 – 1 BvR 2231/02 u. a. -, juris Rn. 40; Kammerbeschluss vom 28.11.2011 – 2 BvR 1181/11 -, juris Rn. 22). Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, die vom Bundesverfassungsgericht gebilligt worden ist, kommt dem Dienstherrn hinsichtlich der Beendigung eines eingeleiteten Bewerbungs- und Auswahlverfahrens ein weites Organisations- und verwaltungspolitisches Ermessen zu; der Abbruch des Auswahlverfahrens erfordert jedoch einen sachlichen Grund (BVerwG, Urteil vom 25.4.1996 – BVerwG 2 C 21.95 -, juris Rn. 21; Urteil vom 22.7.1999 – BVerwG 2 C 14.98 -, juris Rn. 26; Urteil vom 31.3.2011 – BVerwG 2 A 2.09 -, juris Rn. 16; Urteil vom 29.11.2012 – BVerwG 2 C 6.11 -, juris Rn. 15; Urteil vom 3.12.2014 – BVerwG 2 A 3.13 -, juris Rn. 19; Urteil vom 10.12.2020 – BVerwG 2 C 12.20 -, juris Rn. 26; vgl. auch Nds. OVG, Beschluss vom 14.9.2006 – 5 ME 219/06 -, juris Rn. 14; Beschluss vom 30.9.2010 – 5 ME 169/10 -, juris Rn. 17; Beschluss vom 16.6.2011 – 5 ME 199/11 -; Beschluss vom 19.1.2012 – 5 ME 464/11 -; BVerfG, Beschluss vom 19.12.2008 – 2 BvR 627/08 -, juris Rn. 8 f.), welcher grundsätzlich – d. h. sofern er sich nicht evident aus dem Vorgang selbst ergibt – in den Akten schriftlich dokumentiert sein muss (BVerfG, Kammerbeschluss vom 28.11.2011 – 2 BvR 1181/11 -, juris Rn. 23; BVerwG, Urteil vom 26.1.2012 – BVerwG 2 A 7.09 -, juris Rn. 29; Urteil vom 29.11.2012 – BVerwG 2 C 6.11 -, juris Rn. 19; Urteil vom 3.12.2014 – BVerwG 2 A 3.13 -, juris Rn. 20; Nds. OVG, Beschluss vom 28.6.2021 – 5 ME 50/21 -, juris Rn. 22). Ein Bewerber wird grundsätzlich nur durch die schriftliche Fixierung der wesentlichen (Abbruch-)Erwägungen in die Lage versetzt, etwa anhand von Akteneinsicht sachgerecht darüber befinden zu können, ob die Entscheidung des Dienstherrn seinen Bewerbungsverfahrensanspruch berührt und ob Rechtsschutz in Anspruch genommen werden soll (vgl. BVerwG, Urteil vom 26.1.2012 – BVerwG 2 A 7.09 -, juris Rn. 28 f.; Urteil vom 3.12.2014 – BVerwG 2 A 3.13 -, juris Rn. 34). Darüber hinaus eröffnet erst die Dokumentation des Grundes für den Abbruch des Stellenbesetzungsverfahrens dem Gericht die Möglichkeit, die Beweggründe für den Abbruch nachzuvollziehen. Die Annahme, die maßgeblichen Erwägungen könnten auch erstmals im Rahmen eines gerichtlichen Eilverfahrens gegen den Abbruch des Stellenbesetzungsverfahrens dargelegt werden, mindert die Rechtsschutzmöglichkeiten der Bewerber in unzumutbarer Weise (vgl. BVerwG, Urteil vom 3.12.2014 – BVerwG 2 A 3.13 -, juris Rn. 34). In formeller Hinsicht setzt der Abbruch eines Stellenbesetzungsverfahrens weiter voraus, dass die Bewerber von dem Abbruch rechtzeitig und in geeigneter Form – etwa durch die erneute Ausschreibung der betreffenden Stelle oder durch Mitteilung – Kenntnis erlangen (BVerwG, Urteil vom 26.1.2012 – BVerwG 2 A 7.09 -, juris Rn. 28; Urteil vom 29.11.2012 – BVerwG 2 C 6.11 -, juris Rn. 19).

Quelle : Niedersachsen.de

Bilder: Titel Symbolbilder Niedersachsen by Pixabay.com / Niedersachsen.de

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