Vortrag zum 30. Todestag von Heinrich Böll im Kloster Bronnbach

Spurensuche nach einem fast vergessenen Schriftsteller

Bild:Der Schriftsteller Heinrich Böll, bei der Friedensdemonstration 1981 in Bonn, fotografiert von der bekannten Fotografin Barbara Klemm aus Frankfurt. An seinem 30. Todestag, dem 16. Juli, findet ein Vortrag im Kloster Bronnbach statt. Foto: Barbara Klemm

„Heinrich Böll – Auf Spurensuche nach einem (fast) vergessenen deutschen Schriftsteller“ ist der Titel eines Vortrags von Dr. Norbert Stallkamp im Rahmen der „Bronnbacher Gespräche“. Wie das Landratsamt Main-Tauber-Kreis mitteilt, findet der Vortrag am Donnerstag, 16. Juli, um 19.30 Uhr im Josefsaal des Klosters Bronnbach statt.

Als der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll am 16. Juli 1985 starb, wehten in Köln die Fahnen auf Halbmast, aber nicht nur dort. Mit Böll wurde einer der großen Repräsentanten des Nachkriegsdeutschlands zu Grabe getragen. Heute ist es merkwürdig still um ihn geworden. Die Deutschen scheinen ihn vergessen zu haben. „Ob wir Böll in diesem Jahrhundert noch lesen werden, wissen wir nicht. Aber solange es deutsche Literatur gibt und geben wird, werden wir seiner mit Respekt und Dankbarkeit gedenken“, sagte der berühmte Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Darum möchte Norbert Stallkamp genau an Bölls 30. Todestag mit einem Vortrag an diesen bedeutenden, wenn auch immer umstrittenen Schriftsteller und Zeitzeugen erinnern.

Böll war der Romancier der Adenauer-Ära und hat das Nachkriegsdeutschland wie kaum ein anderer Schriftsteller geprägt. Die Tatsache, dass die alte Bundesrepublik untergegangen ist, lässt den Romanen und Erzählungen Bölls eine besondere Bedeutung zukommen. „Es ergeht ihm wie mit allen Autoren, denen es gelang, die von offizieller Seite nicht vermittelte Realität ihrer Epoche einzufangen“, schreibt der Journalist Norbert Niemann in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Wie bei Balzac, Dostojewski, Fontane lässt die Sorgfalt, mit der eine inzwischen historische Welt gezeichnet wird, die Zeitgebundenheit heutiger Wahrnehmung erkennen. Am Maßstab des eben Vergangenen aber wird Gegenwart umso deutlicher sichtbar.

Und so macht sich der ehemalige Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums Wertheim und Lehrer für Deutsch, Literatur, Ethik und Religion auf Spurensuche nach dem weltberühmten Schriftsteller, der einst so gefeiert, aber ebenso verlacht und verhöhnt wurde. Wer war dieser Heinrich Böll? War er etwa ein Ahnungsloser, ein Narr, ein Clown, gar mehr als ein Schriftsteller? Wo kam er her, aus welcher Zeit – geistig, sozial, religiös? Wo wollte er hin, was trieb ihn an? Und warum schrieb er?

Wer mehr über den Schriftsteller Heinrich Böll, über seine Literatur, über die darin gespiegelte Zeit des Nachkriegsdeutschlands sowie der alten Bundesrepublik und über sein schwieriges Verhältnis zur katholischen Kirche erfahren möchte, kann einen spannenden Abend erleben. Wie es abschließend in der Mitteilung heißt, richtet sich der Vortrag an alle, die diese Zeit bewusst miterlebt haben, aber auch an Schüler und Studenten, die über ihr Schulwissen hinaus noch mehr über die Geschichte der alten Bundesrepublik, die auch ihre Eltern und Großeltern geprägt hat, erfahren möchten.

Der literarische Abend wird von dem Saxofonisten Manuel Dahner musikalisch umrahmt. Veranstalter ist der Eigenbetrieb Kloster Bronnbach. Der Eintritt ist frei.

Stadtverwaltung Wertheim